WM-Halbfinalist, nachträglicher Afrika-Cup-Sieger, WM-Gastgeber 2030 – Marokkos Fußball ist en vogue. Zur Ausrichtung des Verbands gehört auch die Sichtung von Spielern aus der Diaspora.

Rayane Bounida hat sich schon für Marlokko entschieden, Thiago Pitarch könnte folgen.

Rayane Bounida hat sich schon für Marlokko entschieden, Thiago Pitarch könnte folgen.

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Marokko hat Großes vor im Weltfußball. „Wir wollen nicht bis zur WM 2030 warten, um Weltmeister zu werden, Marokko wird es 2026 versuchen“, kündigte Mohamed Ouahbi an, der Marokko zum Titel bei der U-20-WM geführt und nun die Nachfolge von Walid Regragui als Trainer der A-Nationalmannschaft angetreten hat.

Die jüngsten Erfolge der Nordafrikaner sind alles andere als zufällig. Marokko hat sich dafür einen langfristigen Plan zurechtgelegt, seit 2009 kräftig investiert und viele strukturelle Veränderungen vorgenommen: Herzstück ist die königliche Fußballakademie Mohammed VI, die unter anderem Youssef En-Nesyri, Nayef Aguerd, Azzedine Ounahi und Yassir Zabiri durchlaufen haben.

Zur taktischen Ausrichtung gehört auch, die Diaspora im Blick zu behalten, sprich: Talente mit marokkanischen Wurzeln im Ausland früher zu identifizieren und auch zu kontaktieren, um eine Bindung zu schaffen. Bestes Beispiel ist der in Spanien geborene PSG-Akteur Achraf Hakimi, der bereits im Alter von 16 Jahren für die marokkanischen Jugendnationalmannschaften spielte, oder auch Sofyan Amrabat von Real Betis.

Sextett wechselt zu Marokko

Wie konsequent Marokko dabei vorgeht, wurde zuletzt überdeutlich – gleich sechs Spieler wechselten in den vergangenen 13 Tagen den Verband. Rayane Bounida (20, Ajax Amsterdam) und Saif Eddien Lazar (19, Jong Genk) werden nicht mehr für Belgiens Junioren-Nationalteams auflaufen, Marokko statt Niederlande heißt es für Benjamin Khaderi (18), Sami Bouhoudane (18, beide Jong PSV), Ayoub Ouarghi (18, Feyenoord Rotterdam) und Oualid Agougil (20, FC Utrecht). Bounida ist für die WM-Testspiele am Freitag gegen Ecuador (21.15 Uhr) und am Dienstag (20 Uhr) gegen Paraguay bereits für die A-Nationalmannschaft nominiert.

Weitere namhafte Akteure könnten bald folgen. So zum Beispiel Ayyoub Bouaddi (OSC Lille), der für Frankreichs U 21 spielt und überlegt, ob er nicht doch für Marokko auflaufen soll. Oder auch Real-Emporkömmling Thiago Pitarch, der die Verletzungsprobleme bei den Königlichen nutzte, um sich ins Rampenlicht zu spielen. Der 18-Jährige ist im spanischen Fuenlabrada geboren und ist derzeit für die U 19 der Seleccion am Ball, eine seiner Großmütter ist allerdings Marokkanerin.

Gerade beim Europameister von 2024 wimmelt es schließlich von hochkarätigen Mittelfeldspielern, so ist die Chance auf große Titel in der Nationalmannschaft für Pitarch bei Marokko womöglich größer – zumal das Land ja auch noch bei der WM 2030 Co-Gastgeber ist. Brahim Diaz und Munir El Haddadi, beide in Spanien geboren, haben es ihm schon vorgemacht.