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Vor einem Werk von Portia Zvavahera: documenta-Geschäftsführer Andreas Hoffmann (von links), Fridericianum-Sprecherin Carina Wolf, Direktor Moritz Wesseler und der kuratorische Assistent Justin Delor. © Schachtschneider, Dieter
Eine Ausstellung von Portia Zvavahera in Kassel gibt erstmals in einem Museum in Deutschland einen umfassenden Einblick in das Schaffen der Künstlerin.
Kassel – Was an der Malerei von Portia Zvavahera als Erstes auffällt, ist ihre Größe und Farbigkeit. Genauer: Die Leuchtkraft der Farben, vor allem das Strahlen unterschiedlicher Lila- und Rottöne. Das Fridericianum in Kassel stellt als erstes Museum in Deutschland das Werk der 1985 in Harare, Simbabwe, geborenen Künstlerin in einer Einzelausstellung vor. Zur Venedig- und Berlin-Biennale war Zvavahera bereits eingeladen, zuletzt hat sie in Paris, Edinburgh und Boston ausgestellt. Das Visum für ihre Anreise zur Eröffnung zu erhalten, war dennoch nicht leicht – documenta-Geschäftsführer Andreas Hoffmann dankte der Deutschen Botschaft in Harare für die Unterstützung.
In ihrem Studio: Portia Zvavahera. © Gianluigi Guercia
Fridericianum-Direktor Moritz Wesseler folgt mit der Einladung an Zvavahera seinem Ziel, ein möglichst breites Spektrum der Kunstwelt zu präsentieren. Und er setzt einen Kontrapunkt zur parallel laufenden großen Schau des kürzlich verstorbenen Robert Grosvenor: das im Minimalismus wurzelnde Werk eines weißen Bildhauers aus den USA im Ober-, das expressive Schaffen einer jungen Frau aus Afrika im Erdgeschoss. Hoffmann unterstreicht diese Vielstimmigkeit des internationalen Kunstschaffens, das die westliche Dominanz breche: Die Künstlerin aus Simbabwe bringe eine besondere, wunderbare, singuläre Sprache ein. Dabei hat sich Zvahahera lange nicht vorstellen können, überhaupt Künstlerin zu werden. Ihr Ziel war, Grafikdesign zu studieren, wie sie in einem Interview zur Ausstellung berichtet. An der heute als National Gallery School of Visual Art and Design bekannten, früheren BAT School in Harare wurde sie ermutigt, ihr Talent auszubilden – und in sich hineinzuhorchen, Geschichten aus dem Inneren, Unbewussten, Ausdruck zu verleihen.
Zvavahera knüpfte an die Erinnerung an, dass ihre Großmutter sie jeden Morgen nach ihren Träumen fragte. Mittlerweile hält sie diese in Skizzenbüchern fest. Träumen sei etwas Segensreiches, eine Begabung, findet die Künstlerin, Träume erzählten von der Vergangenheit, offenbarten Verborgenes, wie in biblischen Geschichten: „Sie leiten uns.“ Zvavahera empfindet sie insofern als ein Teil der Kommunikation mit Gott, und sie versteht das Malen als etwas Spirituelles: „So wird es manchmal zu einer Reihe von Gebeten im Atelier.“
Manche der mit Block- und Wachsdruck sowie gestischer Malerei geschaffenen Großformate erinnern auch an Alpträume. Zwischen Mustern, mal wie hingetupfte Punkte, dann sich wiederholende Pinselschwünge, finden sich Figuren, deren Köpfe aber keine Gesichter haben, was ihnen etwas Angsteinflößendes, Gespenstisches oder Geisterhaftes verleiht. Tiere, früher Ratten, jetzt oft Eulen, sind für Zvavahera Ausdruck von Kämpfen, mit negativen Energien verbunden. Moritz Wesseler interpretiert Zvavaheras Werk mit seinen „Energieströmen“ so: „Sie möchte Böses abwehren, das Gefühl von Bedrohung überwinden und zu einer besseren Zukunft gelangen.“
Bis 8.2., Friedrichsplatz18, geöffnetDi-So und an Feiertagen11-18 Uhr, Do11-20Uhr. Eintritt 6 (4) Euro, mittwochsfrei, bis18 Jahre frei. Rundgänge Mi17 und So15 Uhr. Studiowerkstatt Sa11-13 Uhr. Weitere Infos:fridericianum.org