Ein hochrangiger Vertreter der nigrischen Militärregierung hat die Bevölkerung öffentlich dazu aufgerufen, sich auf einen Krieg mit Frankreich vorzubereiten. Wie die französische Tageszeitung Le Figaro berichtete, erklärte General Amadou Ibro, Stabschef des Junta-Anführers General Abdourahamane Tiani, kürzlich bei einer Kundgebung vor Jugendlichen in einem Stadion der Hauptstadt Niamey: „Die Mobilisierung ist beschlossen, damit wir uns auf den Krieg mit Frankreich vorbereiten.“

Dem Bericht zufolge fügte er hinzu: „Wisst dies: Wir werden in den Krieg mit Frankreich eintreten. Wir waren nicht im Krieg, jetzt ziehen wir in den Krieg mit Frankreich“ Das Publikum reagierte laut dem Bericht mit Applaus und Rufen wie „Nieder mit Frankreich“.

Ibro begründete seine Aussagen damit, dass Frankreich Niger für die eigene wirtschaftliche Krise verantwortlich mache und das Land angreifen wolle, um sich dessen Rohstoffe anzueignen. „Wir haben es mit Leuten zu tun, die uns wegen unserer Güter und unseres Reichtums um jeden Preis zurückbringen wollen zu dem, was ihren Wohlstand begründet hat“, sagte er. Ein Video der Rede verbreitete sich am vergangenen Donnerstagmorgen in den sozialen Medien.

Paris weist Vorwürfe entschieden zurück

Das französische Militär dementierte die Anschuldigungen umgehend. „Von einer französischen Intervention im Niger kann keine Rede sein“, erklärte der Sprecher des französischen Generalstabs, Oberst Guillaume Vernet, laut Le Figaro. Er bezeichnete die Äußerungen als „offenkundigen Informationskrieg“ seitens Nigers.

Junta-Chef Tiani hatte zuletzt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron direkt als „Sponsor“ des sogenannten Islamischen Staates (IS) bezeichnet, der Ende Januar den internationalen Flughafen von Niamey angegriffen hatte. Macron wies die Anschuldigung entschieden zurück, an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit dem Militärputsch im Juli 2023 zerrüttet. Die französischen Truppen, die im Rahmen der Terrorismusbekämpfung in der Sahelzone im Niger stationiert waren, verließen das Land Ende 2023 nach einem langwierigen diplomatischen Kräftemessen.

Streit um Uran belastet Verhältnis zusätzlich

Im Zentrum des schwelenden Konflikts stehen auch die Uranvorkommen des Landes. Die Militärregierung hat die Somaïr, eine Tochtergesellschaft des französischen Urankonzerns Orano, verstaatlicht. Dieser hat daraufhin mehrere Klagen eingereicht.

Niger will Orano seinerseits wegen angeblicher Umweltschäden verklagen und kündigte Ende 2025 an, sein Uran auf dem internationalen Markt anzubieten. Rund 1000 Tonnen sogenannter „Yellow Cake“ – ein Urankonzentrat – lagern seit Wochen blockiert am Flughafen von Niamey, da die Transportwege über Land als zu unsicher gelten.

Der westafrikanische Wüstenstaat mit rund 28 Millionen Einwohnern zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Erhebungen der Konfliktdatenorganisation Acled wurden dort 2025 fast 2000 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Terrorgruppen getötet, darunter mehr als 800 Zivilisten.

Niger war einst eine Kolonie Frankreichs und Teil von Französisch-Westafrika bis zur Unabhängigkeit am 3. August 1960. Bis heute ist Französisch die Amtssprache und viele Verwaltungssysteme und Institutionen basieren auf dem französischen Vorbild.

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