
AUDIO: Reise zum Winterquartier: Störche aus MV fliegen los (2 Min)
Stand: 26.08.2025 10:40 Uhr
Zwei Storchexperten aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen haben zwei Störche auf einem Teil ihrer Reise ins Winterquartier begleitet. In diesem Blog können Sie die Reise nachlesen.
Vor ihnen liegen mehrere tausend Kilometer: Die Störche aus Norddeutschland machen sich auf in Richtung Süden zu ihrem Winterquartier. Zwei von ihnen tragen einen Peilsender, deren GPS-Signal Helmut Eggers aus Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und Gerd Dahms aus Stade (Niedersachsen) verfolgen. Die Storchenexperten folgen den Zugvögeln mit einem Auto auf der Ostroute bis Bulgarien. Der Weg ist weit und gefährlich – Helmut Eggers schreibt für den NDR einen Blog über den faszinierenden Zug der Störche.
25.08.2025 21:37 Uhr
Von Neu Bleckede zum Fuße der Karpaten
Unser Storch SKY aus Neu Bleckede steht seinem Sendergefährten aus Sückau in nichts nach. Erst am letzten Donnerstag verließ er sein Nest in Neu Bleckede (Niedersachsen) und begann die große Reise gen Süden. Gestern war er nun in Brașov am Fuße der Karpaten angelangt, nächtigte dort und verließ genau um 9 Uhr die Stadt in Richtung Karpaten. Bereits drei Stunden später hatte er die Karpaten überwunden und befand sich in der Nähe von Bukarest. Für uns stand die Entscheidung an, den Storch weiter gen Süden zu begleiten. Da er aber so fix unterwegs war, entschieden wir uns, ihn ziehen zu lassen. Nur noch zwei weitere Stopps in Europa waren zu erwarten. Bei diesem erwartbaren Szenario wäre er sogar noch schneller unterwegs als der Sückauer Storch.
Hoffen auf gutes Ankommen
Wir hoffen, dass unsere beiden Störche unbeschadet ihr Winterquartier im Sudan und Tschad erreichen. Die Gefährdungen sind in diesen Bereichen insbesondere durch Jagd und Vergiftung ungleich höher als im europäischen Teil ihres Lebensraumes. Im vergangenen Jahr haben wir zwei unserer ostziehenden Senderstörche verloren. Daher hoffen wir, dass sie ihre weitere Reise gut überstehen und im kommenden Frühjahr wieder klappernd auf ihren Nestern erscheinen.
Menschen sind den Storch sehr zugetan
Auf unserer Reise haben wir festgestellt, dass der Storch viele Sympathien besitzt. Wir haben auf unserer Reise viele Menschen getroffen, die dem Storch sehr zugetan waren. Da war zum Beispiel der Bauer, der mich mit Stolz in seinen Traktor einlud, um den Störchen auf dem Feld sehr nahe zu sein. Da waren die Müllwerker, die durchaus die Problematik der Ernährung der Störche auf den Deponien sahen. Wir haben aber auch die Kontakte zu unseren Storchenbetreuern in den anderen Ländern gepflegt und intensiv über Schutzaspekte diskutiert.
Mit Freude haben wir festgestellt, dass an einigen Orten, die in den vergangenen Jahren durch hohe Verluste an elektrischen Anlagen aufgefallen sind, inzwischen Maßnahmen zum Schutz des Storches ergriffen wurden. Wir wissen aber auch, dass es noch großer Anstrengungen bedarf, die Zugkorridore für den Storch und natürlich auch für andere Vogelarten sicherer zu machen. Dazu wollten wir mit unserer Zugbegleitung einen kleinen Beitrag leisten.
24.08.2025 23:30 Uhr
Keine Daten zum Sückauer Storch am Samstag
War unser Sückauer Storch am Samstag weitergezogen oder hat er im Bereich der Deponie eine Pause eingelegt? Wir wussten es nicht, weil es in der Online-Datenbank movebank.de keine Daten gab. Das passiert immer mal wieder. Gemeinsam mit polnischen Storchenschützern, die in gleicher Mission unterwegs sind, checkten wir die Störche auf der Deponie Bratowo bei Burgas.
Storch hat Asien erreicht
Heute haben wir nun aufgrund der neuen Informationen Gewissheit: Unser Sückauer Storch ist am Samstag schon gegen 8 Uhr von Burgas gen Südosten gestartet. Um 14.30 Uhr überquerte er die Meerenge Bosporus in der Türkei und erreichte damit den asiatischen Kontinent. Am 15. August hatte er gegen 10 Uhr sein Nest verlassen und war schon am 22. August in Burgas. In einer Woche quer durch Osteuropa – was für eine Leistung.
Dabei hat er auch uns etliches abverlangt, denn wir wollen ja immer mithalten. Das war manchmal Stress pur! Wir freuen uns aber, dass er die ersten Etappen seines Fernstreckenfluges unbeschadet absolviert hat. Möge der weitere Zugweg auch sicher über die Bühne gehen. Für uns ist planmäßig die Zugbegleitung in Burgas beendet. Das Ziel für unseren Sückauer Storch wird das Gebiet südlich der Sahara im Sudan und Tschad sein. Dort hat er auch die letzten Winter verbracht. Wir hoffen, dass er im kommenden Jahr wieder auf seinem Nest in Sückau erscheint!
Prognose zu Storch SKY stimmte
Für uns ging es von Bulgarien zurück nach Rumänien. Denn unser zweiter Storch SKY überquerte am Samstagabend die Grenze zwischen Ungarn und Rumänien. Unsere Prognose seines Tageszieles war Brașov (Kronstadt) und erwies sich als punktgenau. Wir fanden SKY auf einem Gittermast in einem kaum mehr genutzten Güterbahnhof – einem „Lost Place“.
Auf Mülldeponie fressen Tiere auch Plastik

Dieses Terrain liegt nur 800 Meter von der großen Mülldeponie entfernt, die für sehr viele Störche ein Anziehungspunkt ist. Die Bedeutung von Mülldeponien scheint für den Zug der Störche immer größer zu werden. Eine Thematik, der wir uns stellen müssen. Einerseits sichert der Storch auf diesen Müllhalden seine Ernährung auf dem kräftezehrenden Flug, andererseits sind nicht alle Dinge, die dort als Nahrung gefressen werden, gesund. Es gibt über die Gefährdung von aufgenommener falscher „Nahrung“ wie Gummiringe oder Plastikteile eine Menge Erkenntnisse, die nicht positiv ausfallen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die EU-Vorgaben zur Müllbehandlung – Stichwort geschlossene statt offene Deponien – auf den Zug der Störche auswirken werden.
23.08.2025 11:23 Uhr
Ganz wichtig: Jeden Morgen Gefiederpflege
Jeden Morgen können wir beobachten, wie die Störche ihr Gefieder pflegen. Ganz intensiv wird jede Feder in Ordnung gebracht. „Komfortverhalten“ wird das oft genannt. Für Segelflieger wie den Storch ist die Pflege ganz wichtig, schließlich muss er sich über Hunderte von Kilometern auf die Funktion seiner Federn verlassen. Deshalb ist es eigentlich kein Komfort sondern eine zwingende Notwendigkeit, um den Flug zu überstehen.
Tierischer Besuch vom Uhu
Hier in Burgas am Schwarzen Meer war es für uns auch mal an der Zeit, Komfortverhalten zuzulassen. Wir erfrischten uns im Wasser bei einer Wassertemperatur von 27 Grad! Das tat gut und war ebenfalls eine zwingende Notwendigkeit. Wir hatten unser Lager in einem kleinen Eichenwäldchen aufgeschlagen. Nachts erhielten wir Besuch vom Uhu und hörten eine Zwergohreule. Ganz in der Nähe heulten dazu noch die Schakale.
Zweiter Storch ist aufgebrochen
Nun ist auch unser zweiter Storch SKY aus Neu Bleckede (Niedersachsen) aufgebrochen. In seiner ersten Etappe flog SKY von seinem Brutnest bis nach Dresden. Gestern war er schon in der Slowakei – am selben Platz, an dem auch unser Sückauer Storch übernachtete. Wir hoffen, dass wir SKY auf unserem Rückweg noch begegnen.
Sückauer Storch schlief in der Nähe
Die spannende Frage für uns war aber gestern, ob unser Sückauer Storch ebenfalls auf der Deponie hier bei Burgas eine Pause einlegen würde? Von seinem gestrigen Übernachtungsplatz waren es nur 110 Kilometer bis hierher – eigentlich zu früh für eine Pause. So schauten wir gespannt auf die Abendkoordinaten: Sückau 2V271 enttäuschte uns nicht. Er übernachtete auf einem Baum an einer Straße nur 450 Meter von unserem Schlafplatz entfernt. Zur Abwechslung musste also nicht wir seinen Schlafplatz suchen. Diesmal hatte er nach unserem gesucht. So etwas nennt man Anhänglichkeit.
22.08.2025 12:01 Uhr
Noch 130 Kilometer Luftlinie bis Burgas

Die Störche ziehen in wechselnden Gruppenkonstellationen in Richtung Süden.
Es kommt oftmals anders als man denkt! Dieses Sprichwort trifft mal wieder für unsere heutige Storchenetappe zu. Unser Sückauer Storch 2V271 war gestern Morgen in der Nähe von Bukarest aufgebrochen in Richtung Bulgarien. Wir berechneten, dass er die verbleibenden 250 Kilometer Richtung Schwarzem Meer an diesem Tag bewältigen würde und die übermittelten Mittagskoordinaten bestätigten diese Prognose: Er hatte gerade die Donau überquert. Bis Burgas am Schwarzen Meer waren es nun nur noch 130 Kilometer – für unseren Powerflieger durchaus machbar.
Also machten wir uns auf den Weg. Wir durchfuhren die platte Donau-Ebene und überquerten die Donau mit der Fähre bei Călărași (Rumänien). Dann ging es durch weite Flächen mit riesigen landwirtschaftlich genutzten Feldern. Die Getreidefelder waren bereits abgeerntet und goldgelbe Stoppelfelder ergaben ein schönes Bild – genauso wie die riesigen Sonnenblumenfelder, die teilweise bereits erntereif waren.
Nicht überall Vogelschutz nach EU-Vorschrift
An einzelnen Abschnitten waren entlang der Straßen die Mittelspannungsmasten bereits mit Abdeckhauben versehen – Vogelschutzmaßnahmen die zur Reduzierung von Vogelschlagopfern – gerade von Störchen und anderen Großvögeln – beitragen. Leider sind die Maßnahmen aber noch längst nicht überall durchgeführt. Im Rahmen des Artenschutzes sollten sie EU-Standard sein. Wir werden von unserer Seite darauf hinweisen.
Sückauer Storch trödelt erneut
Zurück zum Sückauer Storch. Er hat uns schon wieder ausgetrickst: Nachdem er die Hälfte des Weges von der Donau exakt auf der von uns prognostizierten Route zurückgelegt hatte, begann er zu trödeln. In der Nähe von Warna (Bulgarien) unterbrach er seinen Zug und suchte sich dort einen Schlafplatz. So warteten wir vergeblich im Bereich von Burgas auf ihn – wir hatten uns verzockt!
Warten in der Nähe einer Mülldeponie

Mülldeponien spielen für die Störche eine große Rolle. Offensichtlich finden sie dort ausreichend Nahrung.
Die Option, zurückzufahren mit einer Fahrzeit von knapp drei Stunden wurde von uns abgewählt. Dazu war die Fahrt an diesem Tag schon recht lange und stressig. Vielleicht setzt er ja morgen seine Reise fort und macht hier auf der von vielen Störchen angeflogenen Mülldeponie in Bratowo bei Burgas (Südosten von Bulgarien) Halt. Wir werden ihn hier erwarten. Ob er das allerdings weiß, ist uns nicht so ganz klar.
Störche aus vielen Nationen versammeln sich
So können wir mal ausschlafen und unser Schlafdefizit ein wenig aufbessern. Allerdings klingelt der Wecker wieder vor Sonnenaufgang. Wir sehen auf der Deponie tausende Störche – ein zwiespältiger Anblick. Wir sehen Ringe fast aller europäischer Nationen vom Zugweg unserer Störche: Deutschland, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Ungarn. Gegen 9 Uhr verlassen mindestens 4.000 bis 5.000 Störche die Region und begeben sich auf die nächste Etappe in Richtung des Bosporus.
21.08.2025 12:50 Uhr
Brașov: Schutzmaßnahmen an elektrischen Anlagen
Gestern hatten wir einen recht ruhigen Tag: Wir haben den langjährigen Storchenschützer in der Region Siebenbürgen, Friedrich Phillippi, aufgesucht. Dabei haben wir Erfahrungen ausgetauscht und Aktivitäten im Storchenschutz verabredet. Uns war in der Region vom rumänischen Brașov (Kronstadt) aufgefallen, dass es durchaus Maßnahmen zum Schutz der Vögel an den elektrischen Anlagen, insbesondere im Mittelspannungsnetz gibt. Dies sind zwar positive Ansätze, aber leider noch zu wenige. Wir müssen hier international weiterkommen.
Geht es noch über die Karpaten?
Um 12 Uhr riefen wir die GPS-Daten unseres Sückauer Storches mit der Sendernummer 2V271 ab. Wir konnten feststellen, dass er nun die Deponie bei Cluj-Napoca (Klausenburg) verlassen hatte und in Richtung Brașov (Kronstadt) unterwegs war. Da Kronstadt direkt am Fuße der Karpaten liegt und es von der Mittagsposition bis dorthin immerhin noch 130 Kilometer waren, gingen wir nicht davon aus, dass er an diesem Tag die Karpaten noch überfliegen würde. Da waren wir uns ziemlich sicher. Wir checkten daher noch die Mülldeponie von Kronstadt, wo wir schon in den vergangenen Jahren immer viele Störche gesehen haben. Leider konnten wir die Deponie nicht betreten, um genauere Zahlen zu ermitteln.
Tiere tummeln sich auf Mülldeponien
Mülldeponien spielen für die Störche eine große Rolle. Offensichtlich finden die Vögel dort ausreichend Nahrung. Wir kennen die Bilder aus Spanien, wo es zum Beispiel im Großraum Madrid eine Deponie gibt, wo 6.000 Störche den Winter verbringen. Auf der Ostroute werden auch immer mehr Mülldeponien angesteuert. Das geben die Senderdaten unserer Projektstörche her. Insofern ist es uns aber auch wichtig, anhand von Ringablesungen zu bestimmen, von wo die Störche kommen und wie lange sie bleiben. Deshalb hatten wir mit dem Personal der Deponie vereinbart, dass wir die Störche auf der Deponie checken können. Aber es kam anders. Unser Sückauer Storch erwies sich wieder einmal als Powerflieger. Er überquerte doch noch die Karpaten und gelangte bis in die Nähe von Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Für uns war die Nacht zu Donnerstag also kurz. Es ging durch die Karpaten, um 1 Uhr nachts waren wir am Schlafplatz unseres Storches. Drei Stunden Schlaf mussten genügen. Im Morgengrauen beobachteten wir dann die Störche, die in einem kleinen Wald an der Feldkante ihren Schlafplatz gefunden hatten.
Artgenossen aus mehreren Ländern auf einem Feld

Es waren jetzt etwa 290 Exemplare. Wir konnten in dieser Gruppe auch unseren Sückauer Storch herausfinden. Weitere Tiere aus Deutschland, Polen, Tschechien, der Slowakei und aus Rumänien waren anwesend. Der Fahrer eines Traktors, der sein Feld grubbert, nahm mich bereitwillig mit und wir konnten die Störche aus nächster Nähe beobachten. Das Image des Storches ist fast überall sehr positiv. Auch der Bauer war ganz stolz auf dieses Naturschauspiel. Schon um 8.35 Uhr stiegen die Störche auf. Auf Wiedersehen in Bulgarien.
20.08.2025 10:11 Uhr

Auf einem Feld durchsuchen die Tiere den Boden nach Futter.
Bevor die Störche ihre Reise heute Morgen fortgesetzt haben, haben sie auf den Wiesen nach Nahrung gesucht. Besonders beliebt war die unmittelbare Umgebung um einen Traktor, der mit einem Heuwender unterwegs war. Dort haben die Störche Mäuse, Grashüpfer und andere Insekten gefunden, bevor sie um 9 Uhr aufgebrochen sind.
200 bis 400 Kilometer pro Tag
Störche sind echte Segelflieger, darum fliegen sie auch nur am Tage. Sie nutzen die Aufwinde und schrauben sich in die Höhe, um dann segelnd weiterzufliegen. Fallen sie in der Höhe ab, werden neue Aufwinde gesucht, die sie wieder nach oben tragen. Auf diese sehr ökonomische Weise legen sie an einem Zugtag Strecken von 200 bis 400 Kilometer zurück. Logischerweise ist der Zug der Störche dadurch wetterabhängig.
Zusammensetzung der Storchengruppe wechselt

Storchenschützer Helmut Eggers beim Frühstück in der Nähe von Cluj-Napoca.
Unser Storch aus Sückau mit der Sendernummer 2V271 findet momentan gute Zugbedingungen vor und ist flott unterwegs. An diesem Morgen stiegen 51 Störche mit ihm in die Luft. Am Tag vorher waren es 103 Störche. Die Gruppen wechseln also in Größe und Zusammensetzung. Die Jungstörche fliegen übrigens zuerst los. Die derzeit von uns beobachteten Gruppen bestehen aber überwiegen aus Altstörchen.
Als die Störche bei Cluj-Napoca (im Nordwesten Rumäniens) in der Luft und schon bald nicht mehr zu sehen waren, gab es für uns erst einmal Frühstück. Im Schatten von Kopfweiden auf einer bunten Blumenwiese. Hier waren alle Farben zu sehen, Wiesen mit Klappertopf, Wegwarte und vielen anderen Arten. Derartige Wiesen sieht man bei uns in Deutschland sehr selten. Wir freuen uns an dem Anblick!
Störche zu begleiten bedeutet auch Büroarbeit
Danach kommt aber erst einmal die Büroarbeit: Wir erfassen die Verhältnisse an diesem Rastplatz. Es gibt zwar elektrische Leitungen, teilweise sind es auch für Vögel gefährliche Mastkonstruktionen, die Gefahr ist hier jedoch moderat. Heute haben wir auch keine Unfälle an den elektrischen Anlagen zu erfassen.
Wenn der Storch einen Strich durch die Berechnungen macht
Vor der Abfahrt berechnen wir unseren weiteren Weg. Bis zu den Karpaten sind es noch 230 Kilometer. Nach unserer Annahme wird unser Storch diesen Weg problemlos schaffen und die nächste Rast in der Nähe vom rumänischen Brașov (Kronstadt) am Fuß der Karpaten einlegen. Mit dieser Prognose machen wir uns also auf den Weg.
Mittags, auf halben Weg, erreichten uns die Daten und wir mussten erkennen, dass der Storch 2V271 nur 25 Kilometer geflogen ist. Er hatte einen Stopp an der großen Mülldeponie von Kluj-Napoca eingelegt. Was nun? Der Storch hatte uns regelrecht ausgetrickst! Wir beschlossen weiter nach Brașov zu fahren und dort auf ihn zu warten! Es fühlte sich an wie ein Ruhetag.
19.08.2025 10:58 Uhr
Storch flog bis 2 Uhr morgens
Wir sitzen in Rumänien in der Nähe von Cluj-Napoka (Klausenburg) auf einer artenreichen Wiese und beobachten, wie die Störche in der Thermik Höhe gewinnen. Es ist 9.10 Uhr, die Vögel haben gerade ihren Rastplatz verlassen und begeben sich auf die nächste Etappe ihres Fluges vom Brutgebiet ins afrikanische Winterquartier.
Gestern war ein anstrengender Tag bis hinein in die Nacht, denn erst gegen 2 Uhr nachts erreichten wir den Schlafplatz des Storches, den wir auf seinem Zug durch Europa begleiten. Der GPS-Logger auf seinem Rücken zeigt uns den aktuellen Standort des Storches fast metergenau. Deshalb können wir ihn auf seinem Weg begleiten. Das Problem ist nur, dass er es ziemlich eilig hat. Der Storch mit der Sendernummer 2V271 ist am Freitag losgezogen und ist heute bereits durch halb Rumänien durch. 300 bis 350 Kilometer Luftlinie sind normal, da ist man mit dem Auto oftmals fast überfordert. Unser Storch ist ein Schnellflieger!
Da wir nur die Abendkoordinaten von seinem Schlafplatz nutzen können, wird es dann oftmals sehr spät. Laut unserer Prognose wird er heute bis ins Karpatenbecken in der Mitte Rumäniens fliegen, das wäre dann eine überschaubare Etappe. Morgen wissen wir mehr!
18.08.2025 11:34 Uhr
Erster Storch mit Peilsender aufgebrochen
Der erste Storch mit der Sendernummer 2V271 ist am Freitag „heimlich“ aus Sückau (Niedersachsen) in Richtung Süden aufgebrochen – zunächst unbemerkt, da die Datenbank des Peilsenders am Wochenende ausgefallen war. Über Polen ist der Storch in die Slowakei geflogen. Die Ostroute, die er mit seinen Artgenossen nimmt, führt über Ungarn, Rumänien bis Bulgarien.
Bis zu 20.000 Störche sammeln sich am Schwarzen Meer
Dort in Burgas – einer Meeresbucht am Schwarzen Meer – sammeln sich jährlich bis zu 20.000 Störche aus ganz Europa, um zusammen über die Türkei, Syrien, Jordanien in den Tschad und Sudan in ihr Winterquartier zu fliegen.

Im Frühjahr war es lange zu trocken. Die Elterntiere fanden kaum Regenwürmer für ihren Nachwuchs. Eine erste Bilanz der Brutsaison.