Der Irankrieg hat der ägyptischen Wirtschaft wieder ihre Verletzlichkeit aufgezeigt. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise sorgen für erhebliche Mehrkosten und befeuern die Inflation neu, während das ägyptische Pfund bereits ca. 15 % an Wert verloren hat. Daneben leidet Ägypten unter den weiterhin geringen Durchfahrten im Suezkanal und einem Rückgang des Tourismus – auch wenn dieser geringer als erwartet ausgefallen ist.
Trotz der Herausforderungen hat sich gezeigt, dass Ägypten auf diese Krise besser vorbereitet war. Die Fremdwährungsreserven sind zwar zurückgegangen, die Versorgung mit Devisen (für Importe) war aber durchgehend sichergestellt. Auch die ursprünglich verordneten Stromsparmaßnahmen im ganzen Land (vorrangig frühere Schließzeiten) konnten bereits wieder aufgehoben werden. Lediglich das verpflichtende Home-Office an Sonntagen soll bleiben.
Wenn die Situation weiter stabil bleibt, könnte Ägypten aus dieser Krise mit einem blauen Auge davonkommen, oder sogar als einer der Gewinner in der Region hervorgehen. Kairo hat sich als ein sicherer Hafen in der Region positioniert und zumindestens kurzfristig sind einige Manager mit Familien aus den Golfstaaten hier vor Ort untergekommen. Ägypten versucht die gestörten Supply Chains für sich zu nutzen und europäischen Unternehmen Nearshoring in Ägypten schmackhaft zu machen. Ob es mittelfristig wirklich zu einer positiven Entwicklung bei den FDI oder zumindest industriellem Outsourcing führt, wird sich aber erst zeigen. Die Regierung drängt ausländische Unternehmen mit Aktivitäten in Ägypten jedenfalls weiterhin zu mehr Lokalisierung.
Österreichische Unternehmen konnten in Ägypten trotz der Herausforderungen wieder Exporterfolge feiern. 2025 konnte die österreichischen Firmen einen neuen Exportrekord von EUR 308 Mio. (+3 % im Vergleich zum 2024) aufstellen.
In Libyen bleibt die wirtschaftliche Situation in Zeiten politischer Spaltung ebenso weiterhin angespannt. Die Central Bank of Libya versucht aktiv Maßnahmen zur Währungsstabilisierung und zur Bewältigung der Liquiditätskrise zu setzen. Dies geschieht hauptsächlich durch eine restriktive Haltung bei der Eröffnung von neuen L/Cs, womit durch die Verzögerungen von Importen der Abfluss von Hartwährung gesenkt wird. Das hat natürlich auch negative Auswirkungen für österreichische Unternehmen, deren L/C-Eröffnungen von langwierigen Verzögerungen betroffen sind.
Aus dem Sudan erreichen uns erstmals wieder einigermaßen positive Nachrichten. Der österreichische Honorarkonsul für den Sudan konnte erstmals nach Jahren wieder nach Khartoum zurückkehren und sich ein Bild von der Lage vor Ort machen. Der Fokus liegt jetzt auf der Wiederherstellung der Basisinfrastruktur (Elektrizität; Wasser). Einen lesenswerten Einblick in die Lage vor Ort gibt das Tahrir Institute for Middle East Policy.
Für österreichische Unternehmen besteht jedenfalls die Notwendigkeit die Aktivitäten in der Region gut aufzusetzen. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn wir uns in Österreich auf ein persönliches Gespräch anlässlich des Österreichischen Exporttags am 28. Mai 2026 oder bei den Wirtschaftsdelegierten-Sprechtagen in Ihrem Bundeslang von 1.-15. Juni 2026 treffen.
Für alle Fragen zu Ägypten, Libyen oder dem Sudan sind wir hier in Kairo jederzeit gerne unter kairo@wko.at erreichbar!