Kelly Türk aus Kenia behauptet sich selbstständig in Schwerin. Foto: Kelly TürkKel­ly Türk aus Kenia behauptet sich selb­st­ständig in Schw­erin. Foto: Kel­ly Türk

 

Sie stellt klar: den Song „Jam­bo Bwana“ gibt es schon seit 1982. Das Lied ist im Orig­i­nal von der keni­an­is­chen Band „Them Mush­rooms“ und ist durch den Zeichen­trick­film und das Musi­cal „König der Löwen“ hierzu­lande nach ein­mal sehr bekan­nt gewor­den.

„Haku­na Mata­ta!“ so heißt auch ihr klein­er Laden in Schw­erin. Im Okto­ber 2024 hat sie die Türen zu ihrem Geschäft in der Wit­ten­burg­er Straße 31 geöffnet. Hier bietet Ker­ry Türk einen beson­deren Ser­vice: Afrikanis­che Hair­styles.

„Ich flechte Braids und Ras­tas oder Corn­rows. Wer mag, bekommt Tressen oder eine Ver­längerung oder Verdich­tung der natür­lichen Haare. Unser­er Haare sind anders als die Haare der Men­schen von hier. Und da es hier in der Region keine Friseure gibt, die sich mit unseren Haaren ausken­nen, fahren die Leute nach Ham­burg, um sich dort die Haare machen zu lassen. Vor mein­er Hochzeit 2012 bin ich auch nach Ham­burg gefahren. Das war anstren­gend und teuer. Das muss doch nicht sein!“, sagt sie mit Überzeu­gung.

Die afrikanis­chen Hair­styles hat Ker­ry Türk von ihrer Mut­ter gel­ernt und schon mit ihren Schul­fre­undin­nen prak­tiziert und ver­fein­ert. Ihre Kun­den kom­men nicht nur aus der afrikanis­chen Com­mu­ni­ty in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. „Ich habe fest­gestellt, dass die Haare der Men­schen hier zwar anders sind als unsere, aber die Prob­leme damit sind ähn­lich und die Lösun­gen dafür auch. Die Leute wollen gut ausse­hen, schön sein. Eine hüb­sche Frisur gehört dazu. Da sind Frauen und Män­ner gle­ich“, schmun­zelt sie. Lösun­gen anbi­eten, wo Lösun­gen gefragt sind. Das gefällt ihr gut.

In ihrem Geschäft find­en ihre Kun­den auch Klei­dung in kräfti­gen Far­ben und mit tra­di­tionellem Muster. Es gibt Taschen, Schmuck und zahlre­iche andere Dinge aus Ker­rys Heimat Kenia und den ostafrikanis­chen Län­dern Ugan­da und Tansa­nia-

 

Viele Vorurteile erlebt Kerry Türk

 

In ihrem Dorf in Kenia war sie das erste Mäd­chen, das an die Uni­ver­sität gegan­gen ist. Sie hat Betrieb­swirtschaft studiert und an der Uni­ver­sität ehre­namtlich als Radiomod­er­a­torin gear­beit­et. „Das war toll und hat mir viel Spaß gemacht. Wir haben dabei gel­ernt, wie man gut präsen­tiert,“ erin­nert sie sich. „Manche Leute denken, wir leben dort alle in irgendwelchen Hüt­ten. Ehrlich gesagt, ich habe nie eine Hütte von innen gese­hen und bin mit meinen Geschwis­tern in einem ganz nor­malen Haus aufgewach­sen. Mein Sohn sagt, in Nairo­bi gibt es mehr Wolkenkratzer als in Frank­furt. Und er hat damit recht.“

Nach dem Studi­um macht sie sich schon in Kenia selb­st­ständig. Als sie nach Deutsch­land kommt, gefall­en ihr die Kindergärten und Horte beson­ders gut. „Das gibt es in Kenia natür­lich auch und auch Nan­nys, also Kin­der­mäd­chen, die sich um die Kleinen küm­mern. In der Regel haben diese Frauen keine Aus­bil­dung im Umgang und der Erziehung und Bil­dung von Kindern. Ich habe dann ein US-amerikanis­ches Diplom in „Child­care Man­age­ment“ – gemacht und damit begonnen keni­an­is­che Frauen zu qual­i­fizieren und das Net­zw­erk „Moth­er Goose“ – „Mut­ter Gans“ gegrün­det.“

Sie hat wirk­lich viele Tal­ente. Als Lehrerin für Englisch unter­richtet sie an ver­schiede­nen Schulen in Schw­erin, Greves­mühlen und Wis­mar. Sie schließt neben der Arbeit an der Schule auch ihr Studi­um „Soziale Arbeit“ mit ein­er Mas­ter­ar­beit über Ras­sis­mus in Schul­büch­ern ab. „Da habe ich gutes Geld ver­di­ent und hat­te einen sicheren Job. Aber ich möchte selb­st­ständig und unab­hängig sein. Zurück in den Lehrerjob kann ich immer noch.“, sagt sie und es wird schnell klar, was ihr lieber ist. 

Völ­lig sor­gen­frei war das Leben von Ker­ry Türk ganz sich­er nicht. In dieser Pod­cast-Folge von „Man müsste mal …“ mit Andreas Lußky und Claus Oellerk­ing gibt Ker­ry Türk einen span­nen­den Ein­blick in ihren Lebensweg, erk­lärt nicht nur die beson­deren Her­aus­forderun­gen der Haarpflege. Sie lässt auch durch­blick­en, was sie näch­stes Jahr vorhat.