Der größte Teil des ehemaligen Bremer Afrika Archivs gelangt in 30 Kisten nach Windhoek und wird dem Staatlichen Archiv von Namibia übergeben.
Das Archiv umfasste Materialien zur neueren Geschichte Namibias, insbesondere zur Swapo und deren Resonanz in Bremen; kleinere Bestände gingen an Einrichtungen in Bremen und Basel.
Der Historiker Norman Aselmeyer kritisiert die Darstellung als Restitution und betont, dass der Transfer eher eine pragmatische Lösung zur Rettung der Sammlung sei.

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In diesen Tagen kann sich das Staatliche Archiv von Namibia auf eine größere Sendung aus Bremen freuen. Insgesamt 30 Kisten voller Archivalien werden in der namibischen Hauptstadt Windhoek erwartet, wie das Kulturressort mitteilt. Darunter laut Packliste 87 Videokassetten, 270 historische Bücher und acht Kisten mit Foto- und Diasammlungen. Was dem umfangreichen Material gemeinsam ist: Es hat samt und sonders mit der neueren Geschichte Namibias zu tun, dem Kampf der Befreiungsbewegung Swapo gegen die Herrschaft Südafrikas und der Resonanz in Bremen.

Bei den verschifften Archivbeständen handelt es sich um den größten Teil des früheren Bremer Afrika Archivs. Damit ist es endgültig aufgelöst – die Sammlungen seien Geschichte, vermeldet das Kulturressort. Kleinere Teilbestände gingen an die Basler Afrika Bibliographien, das Staatsarchiv Bremen, das Universitätsarchiv und die Studiengangsbibliothek Geschichte. Der Schlussakt hat auch Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte (SPD) auf den Plan gerufen. In einem Brief an die namibische Bildungsministerin Sanet Steenkamp erinnert er an die historische Verantwortung Bremens bei der Kolonialisierung Namibias wie auch die engen Bremer Bindungen zur Freiheitsbewegung seit den 1970er-Jahren.

Dass wichtige Dokumente jetzt nach Windhoek gingen, um dort aufgearbeitet, bewahrt und zugänglich gemacht zu werden, sei eine positive Entwicklung, so Bovenschulte. „Dieser Akt ist ein weiterer logischer Schritt der Rückführung wichtigen Kulturguts nach Namibia“, heißt es in der Mitteilung des Kulturressorts zum Abtransport der Archivalien. Doch diese Aussage stößt auf Widerspruch. Einige Sachen seien tatsächlich aus Namibia, sagt der Historiker Norman Aselmeyer – Fotografien und Broschüren, die in Bremen im Namibia-Projekt zusammengetragen wurden. „Eine Restitution ist es aber gewiss nicht, eher eine bequeme Möglichkeit für die Stadt und den Senat, diese Sammlung endlich loszuwerden.“

Sammlung sollte ins Altpapier

Wie berichtet, drohte dem Archiv noch im Spätsommer 2024 der Altpapiercontainer als Endstation. Bis dahin lagerten die Sammlungen an der Universität Bremen, in Räumlichkeiten des Fachbereichs Rechtswissenschaft. „Als die Jura-Fakultät in die Stadt zog, stand die Vernichtung des Materials kurz bevor“, erinnert sich Aselmeyer. Unter seiner Leitung und mit Mitteln des Landes Bremen wurde das Material im zweiten Halbjahr 2023 gesichtet. Damit war aber nicht der Grundstein für den Fortbestand des Archivs gelegt. Vergebens setzte sich Aselmeyer dafür ein, das Afrika Archiv als geschlossenen Bestand zu erhalten. Im Optimalfall als Grundstock eines Dokumentationszentrums Kolonialismus, das der rot-grün-rote Senat im Koalitionsvertrag von 2019 in Aussicht gestellt hatte.

Doch davon war nach der Neuauflage der Koalition keine Rede mehr. „Der Senat und die Universität hatten kein Interesse an der Sammlung, bis zuletzt nicht“, sagt Aselmeyer. Erst als sich Altbürgermeister Carsten Sieling und Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer einschalteten, habe sich das Blatt gewendet. Inzwischen war Aselmeyer nach Oxford gewechselt. An seiner Statt kümmerte sich Birgitt Rambalski, die frühere Protokollchefin der Senatskanzlei, um das Afrika Archiv. Mit ihr zusammen sei die Aufteilung beschlossen worden. Fazit: „Die Lösung, die jetzt gefunden wurde, war die einzige Chance, um das Material zu bewahren.“

Aus Sicht von Aselmeyer erweckt der Senat den Eindruck, sich um Sicherung und Verteilung des Archivbestands gekümmert zu haben. „An der Organisation und Finanzierung des Transfers war der Senat aber gar nicht beteiligt.“ Die Sammlung gehöre dem Afrika Archiv, es sei eine private Schenkung. Mit seiner früheren Mitstreiterin Caro Schäfer arbeitet Aselmeyer jetzt an einem Buch zur Geschichte des Afrika Archivs. Die Publikation ist für 2026 vorgesehen. In dem Werk solle es natürlich auch um das Ende der Sammlung gehen, sagt Aselmeyer.

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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