Biebrich. Marius Pangop ist Fußballer bei der U23 vom FV Biebrich , Maschinenbauingenieur – und betreibt gleichzeitig eine Akademie in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, um jungen Talenten Perspektiven zu eröffnen. Vor Kurzem war Pangop wieder in Yaoundé gewesen, hat dort bei seiner Akademie vorbeigeschaut und ein besonderes Geschenk überreicht – einen Trikotsatz „seiner“ 02er.

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Pangop hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In Yaoundé erlernte er selbst das Fußballspielen. „Fußball ist in Kamerun fast wie eine Religion – und für mich Familiensache.“ Schon in seiner Jugend verbrachte er die meiste Zeit entweder auf dem Fußballplatz oder in der Schule, erzählt Pangop. Auf dem Feld war dabei vor allem sein Bruder Frantz an seiner Seite. Gemeinsam durchliefen beide in Yaoundé die Akademie des FC PH (heute: Akademie Olympic Monaf Sport). „Ich hatte dort gute Trainer, die Akademie war eine sehr gute Schule für mich“, sagt Pangop über diese Zeit.

2018 kam er nach Deutschland: „Meine Eltern wollten, dass ich die akademische Laufbahn einschlage und mein Bruder Fußballprofi wird“, sagt Pangop lachend. Sein Bruder Frantz verwirklichte diesen Traum und schaffte den Sprung aus Kamerun zum damaligen schwedischen Zweitligisten Örgryte IS. Weitere Stationen führten ihn nach Minnesota in die MLS sowie zum SCR Altach in der österreichischen Bundesliga. Am 7. Oktober 2019 folgte schließlich das Debüt für die kamerunische Nationalmannschaft gegen Algerien in der WM-Qualifikation.

In den unteren Ligen Dortmunds gekickt

Marius Pangop selbst ging nach Dortmund, um sein Studium als Maschinenbauingenieur fortzusetzen und Deutsch zu lernen. „Das war am Anfang nicht ganz leicht“, sagt er. Parallel spielte er in den unteren Ligen Dortmunds, vor allem in der Kreisliga B und in der A-Klasse. Für seinen Masterabschluss und die Arbeit zog er später nach Saarbrücken, wo er schließlich in der Verbandsliga Südwest beim SC Bliesransbach spielte.

Aufgrund beruflicher Veränderungen zog er schließlich nach Wiesbaden, wo er sich einen neuen Verein suchte. Nach einem Probetraining, in dem er den Trainer überzeugte, landete er beim FV Biebrich, berichtet Klaus Tobies, Teammanager der zweiten Mannschaft. Seit dieser Saison (25/26) spielt Pangop vor allem für die U23 in der Gruppenliga. „Marius ist einer der Älteren, ein Sprachrohr für die Jungen und jemand, der zeigt, wo es langgeht“, sagt Tobies über seine Rolle im Team.

„Wir wollen Kindern und Jugendlichen aus Afrika eine Perspektive bieten“

Die Pangop-Brüder, die beide unterschiedliche Wege eingeschlagen haben, wollten ihrem Heimatland Kamerun etwas zurückgeben. Gemeinsam mit einem Freund übernehmen sie 2021 die Akademie in Yaoundé, in der sie einst selbst das Fußballspielen gelernt haben. „Der Vorstand hatte keine Energie mehr, auch deshalb haben wir übernommen“, erklärt Pangop. Im Zuge der Übernahme ändern sie auch den Namen von FC PH in Akademie Olympic Monaf Sport. „Wir wollen Kindern und Jugendlichen aus Afrika eine Perspektive bieten“, sagt Pangop.

Akademie hat einige Profifußballer hervorgebracht

Die Akademie hat in der Vergangenheit bereits einige Profifußballer hervorgebracht: Neben Frantz Pangop selbst gehören dazu unter anderem Patrick Nkoa Amougou (Eintracht Braunschweig) sowie Donaldoni Nguemechieu, der in der zweiten griechischen Liga spielt.

Für die Zukunft hat Marius Pangop klare Vorstellungen. Die Akademie soll durch Partnerschaften mit Vereinen weiterentwickelt werden, um die Spieler bestmöglich zu fördern. Ein erster Schritt könnte eine Zusammenarbeit mit Biebrich sein. Pangop sei deshalb auf seinen Verein FV Biebrich zugegangen und habe eine Partnerschaft vorgeschlagen – spruchreif sei aktuell jedoch noch nichts, meint Tobies. Eine erste Form der Zusammenarbeit hat es jedoch bereits gegeben: Vor einigen Wochen hat Pangop Trikots aus Biebrich organisiert und seiner Akademie in Yaoundé zur Verfügung gestellt.

„In Afrika gibt es viel unentdecktes Talent“

Auch persönlich hat Marius Pangop noch einiges vor: Im Mai möchte er die Lizenz als FIFA-Spielerberater erwerben. „In Afrika und in Kamerun gibt es so viel unentdecktes Talent“, sagt er. Genau darin sieht er seine Aufgabe – eine Brücke zu bauen und jungen Spielern die Möglichkeit zu geben, den Sprung nach Europa zu schaffen und sich hier sportlich weiterzuentwickeln.

Dass das funktionieren kann, zeigen die Karrieren der Pangop-Brüder. Marius und Frantz haben unterschiedliche Karrieren eingeschlagen, ihren Weg jedoch in derselben Akademie begonnen – und beide haben es weit gebracht.