11. März 2026

Brendon J. Cannon

Eine Karte des Horns von Afrika

Der Irankrieg könnte zu Verwerfungen am Horn von Afrika führen, meint unser Gastautor

(Bild: AustralianCamera/Shutterstock.com)

Golfstaaten prägen seit Jahren Konflikte am Horn von Afrika. Der Irankrieg könnte ihr Engagement beenden. Was bedeutet das für die Region? Ein Gastbeitrag.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Golfstaaten in den Streitigkeiten, Bürgerkriegen und zwischenstaatlichen Spannungen am Horn von Afrika zunehmend in den Vordergrund getreten. Zu den Ländern dieser Region zählen Sudan, Äthiopien, Eritrea, Somaliland, Somalia und Dschibuti.

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Daher ist der Krieg der USA und Israels gegen den Iran für das Horn von Afrika von Bedeutung, wo Gelder und Diplomatie der Golfstaaten sowie Rüstungsgüter aus dem Golf Teil des Konflikt- und Rivalitätsumfelds geworden sind.

Neuausrichtung am Horn

Seit mehr als zehn Jahren erforsche ich die Interaktionen Subsahara-Afrikas mit den arabischen Golfstaaten sowie mit der Türkei, Japan, China und anderen. Meiner Ansicht nach könnten die Golfstaaten ihr Engagement am Horn von Afrika zurückfahren, sollte sich die Sicherheitslage im Nahen Osten weiter verschlechtern.

Das könnte die Konflikte, Bündnisse und Diplomatie am Horn von Afrika grundlegend verändern – falls der Krieg andauert.

Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar, die wichtige Partner Äthiopiens, Sudans und Somalias sind, werden ihren Blick wahrscheinlich stärker nach innen, auf die eigene Sicherheit, richten. Die strategische Bedeutung der Staaten am Horn von Afrika für Saudi-Arabien oder die VAE würde abnehmen.

Praktisch könnte dies einen Rückgang hochrangiger Besuche, eine Verringerung der Waffenströme und eine Schwächung politischer Loyalitäten bedeuten, während sich die Akteure am Horn neu ausrichten.

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Für das Horn könnte dies zu zwei Entwicklungen führen. Erstens zu einer Eskalation der Konflikte, wenn Staaten und bewaffnete Gruppen versuchen, offene Rechnungen zu begleichen, während externe Förderer abgelenkt sind. Zweitens könnte es zu einer vorübergehenden Abkühlung kommen, während die Akteure die Folgen geringerer Finanzierung aus dem Golf, weniger Waffen und weniger Vermittlung neu bewerten.

So oder so dürfte es am Horn kaum ruhiger werden. Vielmehr könnten langjährige Spannungen, etwa zwischen Äthiopien und Eritrea, noch deutlicher hervortreten.

Sudans Krieg und die Unterstützung aus dem Golf

Für den Sudan könnten die Folgen des anhaltenden Konflikts im Golf erheblich sein. Die beiden Kriegsparteien, die Rapid Support Forces (RSF) und das sudanesische Militär, waren stark auf externe Unterstützung angewiesen.

Je nachdem, wie sich der Konflikt mit dem Iran entwickelt, könnten sich beide plötzlich ohne die Großzügigkeit und militärische Ausrüstung ihrer Unterstützer aus dem Golf wiederfinden. Dieser Wegfall der Unterstützung würde die RSF besonders hart treffen, da ihr wichtigster externer Förderer, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), sich auf die eigene Sicherheit konzentriert. Sudans Militär könnte jedoch weiterhin von türkischer und ägyptischer Unterstützung profitieren.

In vielen jüngeren Kommentaren steht die Frage der sich wandelnden „Allianzen“ und „Blöcke“ im Mittelpunkt, in denen sich im Sudan-Bürgerkrieg die VAE/Israel/Somaliland/Äthiopien der Türkei/Saudi-Arabien/Ägypten/Somalia gegenübergestellt werden.

Diese Rahmung übersieht jedoch zwei grundlegende Tatsachen. Erstens handelt es sich nicht um Allianzen, sondern um opportunistische Zweckarrangements, die unterschiedliche Akteure und Interessen von außerhalb des Horns zusammenführen. Diese Konstellationen waren seitens externer staatlicher Akteure wie der Türkei, den VAE und Katar schon immer opportunistisch.

Sie bestehen nur so lange, wie externe Förderer glaubhaft Ressourcen, Waffen und diplomatische Aufmerksamkeit bereitstellen können, ohne dabei selbst unannehmbaren Reputationsschaden zu erleiden.

Zweitens haben die Staatsführer am Horn von Afrika diese Beziehungen weitgehend selbst gesteuert. Sie nutzten externe Förderer, um ihre innenpolitischen und regionalen Interessen voranzubringen.

Die opportunistischen Interventionen der Golfstaaten waren vor allem deshalb möglich, weil sie untereinander sowie mit dem Iran in Frieden lebten. Das ist nicht mehr der Fall.

Der Bürgerkrieg in Sudan könnte nun noch länger andauern, da die Golfstaaten anderweitig gebunden sind. Keine der beiden Konfliktparteien wird die Fähigkeit haben, einen entscheidenden Schlag zu landen.

Äthiopien, Eritrea, Somalia und die Anerkennung Somalilands

Der Irankrieg könnte Äthiopien, Eritrea, Somalia und Somaliland auf verschiedene Weise beeinflussen.

Erstens könnte die intensive Folge diplomatischer Besuche von Anführern der Golfstaaten in Äthiopien und Somalia nachlassen. Von 2023 bis Anfang 2026 versuchten die Anführer der Golfstaaten, politische Ergebnisse zu beeinflussen und ihre Investitions- und Logistikinteressen voranzubringen. Wenn dieses Tempo nachlässt, werden die Akteure am Horn mit weniger Patronage und Vermittlung auskommen müssen, was entweder zu einer Pause der Spannungen oder zu einer raschen Eskalation führen könnte.

Zweitens dürfte Israels Anerkennung Somalilands, gegen die sich Katar und Saudi-Arabien (ebenso wie Ägypten und die Türkei) ausgesprochen haben, nun kaum noch weit oben auf deren Agenda stehen. Auch Somalias lang gehegter Anspruch, Somaliland wieder einzugliedern, könnte auf schwindende externe Unterstützung stoßen.

Drittens gehört Äthiopiens Interesse an einem Zugang zum Roten Meer zu den zentralen Fragen der jüngsten diplomatischen Manöver am Horn. Da sich Saudi-Arabien vor allem auf den Iran konzentriert, könnte sich Addis Abeba ermutigt fühlen, den Zugang über Somaliland zu formalisieren (mit dem es 2024 ein Abkommen unterzeichnet hatte).

Die Türkei und Ägypten dürften involviert bleiben

Zwei Nicht-Golfstaaten werden jedoch am Horn aktiv bleiben: die Türkei und Ägypten.

Die Türkei kann sich einen außenpolitischen Opportunismus in der Region weiterhin leisten, solange sie nicht direkt in einen Krieg mit dem Iran hineingezogen wird. Für Ankara könnte die Ablenkung der Golfstaaten eine Gelegenheit schaffen, den eigenen Einfluss auszuweiten.

Dies könnte beispielsweise durch den Versuch geschehen, Somalia dabei zu unterstützen, die Kontrolle über Somaliland und andere autonome Regionen wiederzuerlangen. Sie könnte auch Äthiopien dazu bewegen, die Spannungen mit Eritrea zu verringern, oder dabei helfen, die Beziehungen zwischen Äthiopien und Ägypten auszubalancieren. All dies würde den Ruf der Türkei außerhalb ihrer eigenen Region stärken und das Bild einer aufstrebenden globalen Macht festigen.

Ägyptens Engagement wird von existenziellen Sorgen um den Nil bestimmt. Insbesondere gibt es einen Streit mit Äthiopien über den Grand Ethiopian Renaissance Dam. Dabei handelt es sich um ein gewaltiges Projekt am Blauen Nil. Ägypten befürchtet, dass der Wasserfluss verringert werden könnte, von dem seine Landwirtschaft, seine Wirtschaft und seine Bevölkerung abhängen.

Sowohl für die Türkei als auch für Ägypten bleibt es eine strategische Priorität, Israels wachsenden Einfluss im weiteren Nahen Osten und am Horn von Afrika einzudämmen. Ein stärkeres Israel würde die von der Türkei angestrebte Rolle als Vermittler und Patron am Horn verwässern und es Ägypten erschweren, Äthiopien in Schach zu halten.

Ein selbstbewussteres Israel könnte jedoch auch den Umgang Ägyptens mit Äthiopien neu gestalten. Ägypten und die Türkei könnten Abiy Ahmed in Äthiopien diplomatische Anreize anbieten, beispielsweise einen begrenzten oder symbolischen Zugang zum Roten Meer über den Hafen Berbera in Somaliland.

Im Gegenzug könnte Addis Abeba zusagen, Somalias territoriale Integrität zu bekräftigen (und Somaliland niemals anzuerkennen). Dies erscheint jedoch unwahrscheinlich, da weder Ägypten noch die Türkei die Macht besitzen, Somalia wieder zusammenzufügen.

Die eigene Agenda des Horns

Die eigentlichen Mächte am Horn von Afrika bleiben die Staaten der Region selbst und ihre rivalisierenden Autoritätszentren. Sie haben die Handlungsfähigkeit und die Interessen, die Ergebnisse zu prägen. Seit Langem ziehen sie externe Förderer in die Region hinein und spielen sie gegeneinander aus, um Ressourcen, Anerkennung und diplomatische Unterstützung zu gewinnen.

Was sich durch den Krieg gegen den Iran verändert hat, ist nicht, wer die Agenda des Horns bestimmt, sondern die äußeren Bedingungen, unter denen die Akteure sie verfolgen.

Die Golfstaaten handelten gerade deshalb opportunistisch, weil sie die Fähigkeit hatten, am Horn zu agieren, solange der Golf selbst stabil war. Diese Fähigkeit könnte nun eingeschränkt sein.

Das ist jedoch keine neue Erkenntnis. In vor über fünf Jahren veröffentlichten Arbeiten argumentierten mein Kollege Federico Donelli und ich, dass anhaltende Sicherheitsbelastungen im eigenen Umfeld die Reichweite der Ambitionen der Golfstaaten am Horn begrenzen.

Die zugrunde liegenden Konflikte und Rivalitäten am Horn werden daher auch weiterhin auf unvorhersehbare Weise miteinander wechselwirken.

Brendon J. Cannon ist außerordentlicher Professor für internationale Sicherheit an der Khalifa University of Science and Technology in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate.

Dieser Text erschien zuerst auf The Conversation auf Englisch und unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-ND 4.0)