Die Summe, die die DR Kongo an den FC Barcelona zahlt, ist offiziell nicht bekannt. Medienberichten zufolge soll der Spitzenclub durch den Deal über vier Saisonen hinweg rund 40 Millionen Euro einnehmen. Im Gegenzug sollen Spieler und Spielerinnen des Clubs mit Beginn der anstehenden Saison den Schriftzug „DR Kongo – Herz Afrikas“ auf dem Rücken ihrer Trainingsshirts tragen.

Ziel sei es, „den Fußball und die Kultur des Sports und des Friedens zu fördern“, ist in der offiziellen Mitteilung des Clubs zu lesen. Es sei „ein gemeinsames Engagement zur Förderung der Entwicklung verschiedener Sportarten in der DR Kongo“. Der Verein wolle, so steht es zu lesen, sein „Wertesystem weitergeben“, um das Training der jungen Sportler des Landes zu bereichern.

FC Barcelona and the Government of the Democratic Republic of Congo @MinSport_Loisir partner to promote culture and innovation in sports in the African country.

— FC Barcelona (@FCBarcelona) 30. Juli 2025

„Immersive“ Ausstellung im neuen Stadion

Der FC Barcelona werde in allen Sportarten, die der Verein ausübt, „ein Programm mit sportlichen Aktivitäten für Kinder in der Region entwickeln“, heißt es in der Mitteilung weiter. Auch würden Programme für Erwachsene entwickelt und Trainerausbildungen angeboten werden, die Talente fördern. Im neuen Stadion, dessen Eröffnung für 2027 geplant ist, soll es dann eine „immersive“ Ausstellung über das Land geben.

Jugendliche spielen Fußball in Kinshasa

Reuters/Baz Ratner

Jugendliche vor dem Märtyrerstadion in Kinshasa – der FC Barcelona will gegenfinanzierte Entwicklungshilfe leisten

Völliger Kontrast

Der Deal steht in völligem Kontrast zur Realität im Land: Nach Angaben der Weltbank leben 62 Prozent der Bevölkerung, das sind 60 Millionen der 110 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, von weniger als 2,15 Dollar pro Tag. Obwohl das Land reich an Rohstoffen ist, kommt davon praktisch nichts bei der breiten Bevölkerung an.

In der DR Kongo selbst stieß der Deal auf Kritik aus dem Sportbereich: Die Prioritäten der Regierung wurden infrage gestellt, zumal die heimische Fußballliga Linafoot seit Jahren unter chronischer Unterfinanzierung leidet. Doch wurde die Vereinbarung mit dem Argument verteidigt, dass sie dazu beitragen werde, das Ansehen des Landes zu verbessern.

Land „neu positionieren“

Jedenfalls ist der FC Barcelona nicht der erste Club, mit dem der DR Kongo einen Deal einging – ähnliche Verträge wurden auch schon mit dem AC Milan und dem AS Monaco geschlossen. Der Sportminister des Landes, Didier Budimbu, bezeichnete die Deals im Vormonat als Teil einer Strategie, um die DR Kongo im Bereich Tourismus und Investitionsmöglichkeiten „neu zu positionieren“.

Robert Lewandowski von FC Barcelona während Training

IMAGO/AFLOSPORT/Atsushi Tokumaru

Robert Lewandowski in Diensten des FC Barcelona – bald mit Schriftzug der DR Kongo

„Enormes Potenzial“

Im Falle des AC Milan wird das Tourismusministerium der DR Kongo ein „Premiumpartner“. Vom Club hieß es, er wolle Anreize für Investitionen und Geschäftsmöglichkeiten auf den Weg bringen. Der Club wolle „zu den Entwicklungsplänen der DR Kongo im wirtschaftlichen und sozialen Bereich beitragen“, wurde Milan-Präsident Paolo Scaroni in einer Mitteilung zitiert.

Zum Deal des Fürstentumclubs mit dem zentralafrikanischen Staat ist auf dem offiziellen X-Konto des AS Monaco von einer Partnerschaft die Rede, „die sich auf die Erfahrung des AS Monaco und das enorme Potenzial der DR Kongo stützt“. Diese habe das Ziel, „zur Entwicklung des kongolesischen Fußballs beizutragen und die internationale Ausstrahlung der DR Kongo zu stärken“.

L’AS Monaco et le Ministère des Sports et Loisirs RDC sont heureux d’annoncer une collaboration inédite entre le club de la Principauté et „R.D.Congo, cœur de l’Afrique“ jusqu’en 2028 🤝

Cette association, qui s’appuie sur l’expérience de l’AS Monaco et le potentiel dont… pic.twitter.com/3UtTd9RbJl

— AS Monaco 🇲🇨 (@AS_Monaco) 24. Juni 2025

FC Arsenal trägt „Visit Rwanda“

Deals zwischen Fußballclubs und Staaten sind nicht neu: Seit 2018 hat Ruanda einen Sponsorenvertrag mit dem englischen FC Arsenal, um den Tourismus im Land mit dem Slogan „Visit Rwanda“ auf den Ärmeln der Trikots der Spieler zu fördern. Auch der amtierende Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain und Bayern München haben ähnliche Verträge abgeschlossen.

Auch diese Verträge sind in die Kritik geraten, insbesondere seit Ruanda unlängst beschuldigt wurde, Rebellen in der DR Kongo in einem verheerenden Konflikt im Osten des Landes zu unterstützen, was Ruanda jedoch bestreitet. Im Februar schrieb die Außenministerin der DR Kongo, Therese Kayikwamba Wagner, an die Vereine und stellte die moralischen Grundsätze der Deals infrage.

Ruanda weist Sportswashing-Vorwürfe zurück

Auch äußerten Kritiker Bedenken, dass die Vereinbarungen den Konflikt im Land und die beunruhigende Menschenrechtsbilanz der Regierung überschatten könnten. Die ruandische Regierung ihrerseits wies die Vorwürfe des „Sportswashings“ als „Ablenkungsmanöver“ zurück. Im Juni brachten Ruanda und die DR Kongo ein Friedensabkommen auf den Weg, das bald unterzeichnet werden soll.