Mehrere afrikanische Staaten haben ihre in Südafrika lebenden Staatsbürger zur Vorsicht aufgerufen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Kenia, Malawi, Lesotho und Simbabwe rieten Migranten, in ihren Wohnungen zu bleiben. Ghana wandte sich laut BBC mit einem Schreiben an die Afrikanische Union (AU) und forderte eine Erkundungsmission. Die Vorgänge stellten laut Accra ein „ernsthaftes Risiko für Sicherheit und Wohlergehen“ der Afrikaner in Südafrika dar.

Auslöser sind nach Angaben von Reuters und BBC eine Serie von Protesten gegen illegale Einwanderung in mehreren südafrikanischen Großstädten sowie online verbreitete Videos. Eine von Reuters beschriebene Aufnahme zeigt einen Ghanaer, der von einer Menschenmenge bedrängt wird, die seine Papiere sehen will und ihm zuruft, er solle „sein Land in Ordnung bringen“. Nigeria kündigte gegenüber Reuters an, mindestens 130 Staatsbürger zu repatriieren, nachdem zwei Nigerianer ums Leben gekommen waren. Ghana brachte laut Reuters einen Bürger zurück, der in einem viralen Video zu sehen war.

Die südafrikanische Regierung weist die Darstellung zurück. Präsidialamtssprecher Vincent Magwenya sagte laut Africanews vor Journalisten: „Südafrikaner sind nicht fremdenfeindlich.“ Es handle sich um „vereinzelte Proteste“, die im verfassungsmäßigen Rahmen zulässig seien. Ministerin im Präsidialamt Khumbudzo Ntshavheni erklärte gegenüber der BBC nach einer Kabinettssitzung, kursierende „gefälschte Videos und Bilder“ zielten darauf ab, das internationale Ansehen Südafrikas zu beschädigen. Opfer unter Ausländern führte sie auf allgemeine Kriminalität zurück.

Operation Dudula hinter den Protesten

Präsident Cyril Ramaphosa traf sich am Dienstag mit Mosambiks Staatschef Daniel Chapo, wie Africanews berichtet. Beide kamen überein, dass der Kontinent gemeinsam die Ursachen der Migration angehen müsse – darunter Konflikte, Instabilität und „Misswirtschaft“, so Magwenya laut Africanews. Den Vorwurf der Xenophobie bezeichnete er als „bequeme“ Analyse und verglich ihn mit den unzutreffenden US-Behauptungen eines „Genozids“ an der weißen Minderheit.

Hinter den Protesten steht laut Reuters unter anderem die Bürgerwehr Operation Dudula, die Migranten ohne Papiere etwa den Zugang zu öffentlichen Gesundheitseinrichtungen verwehrt. Migrantenrechtsgruppen sehen in den Betroffenen Sündenböcke für die wirtschaftlichen Probleme des Landes – die Arbeitslosenquote liegt bei über 30 Prozent und trifft die schwarze Bevölkerung überproportional, so Reuters.

Laut der von Reuters zitierten Statistikbehörde Stats SA stieg der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung von 2 Prozent (1996) auf 4 Prozent (2022). Die meisten Migranten stammen aus der Region der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC). Ein Kabinettsbeschluss vom Donnerstag, den Reuters zitiert, bekräftigte das Recht auf Protest gegen illegale Einwanderung, betonte jedoch, Gewalt sei „nicht akzeptabel“.

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