Krieg im Sudan

Sudans vergessenes Leid: Leben im Stillstand nach der Flucht

Aktualisiert am 12.04.2026Lesedauer: 7 Min.

Flüchtlinge aus Darfur im TschadVergrößern des Bildes

Yeman Mohamat Ramadan (links) engagiert sich im Flüchtlingslager für Frauenrechte und will die Mauer des Schweigens über Gewalt durchbrechen. (Quelle: Eva Krafczyk/dpa/dpa-bilder)

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Seit drei Jahren herrscht Bürgerkrieg im Sudan. Die UN sprechen von der größten humanitären Krise der Gegenwart. Ein Besuch bei Menschen auf der Flucht vor Hunger, Gewalt und Straßen voller Leichen.

Dicht an dicht sitzen die Frauen auf einer Strohmatte unter einem Schattendach, ihre bunten Kleider und Kopftücher ein Kontrast zu der staubtrockenen Halbwüste rund um das Lager Aboutengé im Osten des Tschad. Gerade einmal 50 Kilometer trennen sie hier vom Sudan, aus dem sie flohen, als dort im April 2023 der Bürgerkrieg begann. Die meisten von ihnen kommen aus Dörfern und Städten in der Region West-Darfur. Seitdem führen sie ein Leben im Stillstand, dem Krieg entkommen, aber nicht wirklich sicher.

Aboutengé ist vor allem ein Lager der Frauen und Kinder, sie stellen die Mehrheit der gut 47.000 Lagerbewohner. Der Tschad in Zentralafrika, selbst ein bitterarmes Land, hat rund 920.000 Flüchtlinge aus dem östlichen Nachbarland Sudan aufgenommen. Insgesamt gibt es nach UN-Angaben knapp 11,6 Millionen Vertriebene durch den seit nunmehr drei Jahren andauernden Krieg im Sudan, 4,5 Millionen Menschen haben Zuflucht im Ausland gesucht.

Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Krise der Welt. Zugleich stehen der Krieg und seine Opfer im Schatten des Nahost-Krieges und erfahren viel weniger Aufmerksamkeit. Der Machtkampf zwischen De-facto-Staatschef Abdel-Fattah al-Burhan und seinem ehemaligen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, zwischen der Regierungsarmee SAF und Daglos Miliz RSF, spaltet das Land. Den Preis zahlt die Zivilbevölkerung.

Keine Gnade selbst für Babys

Yeman Mohamat Ramadan lässt den Blick über die Gruppe der Frauen schweifen, als sie von den Tagen der Flucht erzählt, damals, als die Kämpfer der Miliz Al-Dschunaina, die Hauptstadt von West-Darfur angriffen und dort Massaker an den Menschen der Volksgruppe der Massalit verübten.

„Sie haben die Männer und die älteren Jungen nicht gehen lassen, sondern sie geschlagen und getötet“, sagt sie. Die Frauen und Mädchen, die aus der brennenden und zerstörten Stadt flohen, wurden misshandelt und ausgeraubt. „Sie sind uns mit ihren Wagen gefolgt, immer wieder“, erzählt Ramadan. „Mädchen wurden vor den Augen ihrer Familie vergewaltigt. Es gab schwangere Frauen, bei denen angesichts des Stresses die Wehen einsetzten. Dann haben die Dschandschawid gewartet, bis das Baby geboren war. Wenn es ein Junge war, haben sie ihn getötet.“

Ramadan und die anderen Frauen sprechen nicht von der RSF, sondern setzen die Miliz mit den Dschandschawid gleich, jenen arabischen Reitermilizen, die bereits während des Genozids vor mehr als 20 Jahren Angehörige der nicht-arabischen Volksgruppen in Darfur töteten, misshandelten, vertrieben. Sexuelle Gewalt war schon damals eine Kriegswaffe, so wie jetzt gegen die Frauen und Mädchen der Massalit, Zaghawa oder Fur.

Kinder malten nur Feuer und Gewehre

Viele Menschen in Aboutengé haben Furchtbares erlebt, sind traumatisiert. Die Kinderrechtsorganisation Plan International betreibt hier neben psychosozialer Arbeit für Betroffene sexueller Gewalt zwei Schutzorte für Kinder, in denen die jüngsten Lagerbewohner lernen können, wieder Kinder zu sein.