Manfred Weule und Bako Malam Abdou erhalten am Freitag im Bremer Rathaus den Internationalen Bremer Friedenspreis der Stiftung „Die Schwelle“ für ermutigende Initiativen.
Ihr Verein „Mate ni kani“ veröffentlicht zweisprachige Kinder- und Jugendbücher in lokalen Sprachen des Niger, um Bildungsprobleme durch die hohe Analphabetenquote zu adressieren.
Die Bremer Stadtmusikanten und das Buch „Magana Hausa“ wurden für Kinder im Niger angepasst und neu verlegt, um lokale Perspektiven sichtbar zu machen und zur Dekolonialisierung beizutragen.

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Die Bremer Stadtmusikanten sind über die Grenzen der Hansestadt hinaus bekannt. Auch bis in den Niger. Dafür haben Esel, Hund, Katze und Hahn Manfred Weule zu danken, der das Märchen in dem westafrikanischen Binnenstaat bekannt machte. Der 73-jährige Bremer ist Vorsitzender des Vereins „Mate ni kani“. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Bako Malam Abdou erhält er an diesem Freitag im Bremer Rathaus den Internationalen Bremer Friedenspreis der Stiftung „Die Schwelle“ – genauer gesagt den „Preis für ermutigende Initiativen“.

Der Verein, benannt nach einer morgendlichen Begrüßung in Djerma, einer der zehn Nationalsprachen Nigers, veröffentlicht zweisprachige Kinder- und Jugendbücher. Mittlerweile sind es ungefähr 50 Stück – geschrieben, illustriert, gedruckt und verlegt von Menschen vor Ort. Warum das eine ermutigende Initiative ist? „Die Analphabetenquote liegt dort bei rund 80 Prozent“, erklärt Weule.

Französisch als Relikt des Kolonialismus

Ein postkoloniales Problem, wie er weiter erläutert. Denn bis 2025 war die Amtssprache in Niger Französisch. „In Schulen wurde nur auf Französisch unterrichtet, obwohl fast niemand dort die Sprache spricht.“ Alles, was ein Kind bisher gelernt hat – sich auszudrücken oder zu rechnen – müssten sie neu lernen, weiß Malam Abdou. Das verunsichere sie und schließe viele Schüler aus. „Dann fliegen sie von der Schule oder gehen freiwillig“, erzählt Weule.

Aufmerksam auf dieses Problem wurde Weule eher durch Zufall. Nachdem der gebürtige Braunschweiger 1991 nach Bremen gezogen war, arbeitete er zuerst lange in der Erwachsenenbildung. Während einer touristischen Reise in den Niger knüpften seine Frau und er Kontakte – unter anderem zu einer Museumspädagogin. Auf ihr Angebot hin arbeitete Weule, der auch ein Studium im Bereich Visuelle Kommunikation absolviert hatte, ehrenamtlich von Oktober 2008 bis Mai 2009 im Nationalmuseum in Niamey, der nigrischen Hauptstadt.

Wir sehen, dass die Bilingualität vorankommt.

Manfred Weule

Es folgte die Gründung von „Mate ni kani“ im Jahr 2011. Bereits ein Jahr später tricksten die Bremer Stadtmusikanten sowohl auf Französisch als auch auf vier nigrischen Nationalsprachen eine Gruppe Terroristen aus, die einen Mann entführen wollten. „Die Handlung wurde an das Land angepasst“, erklärt Weule. Der Esel trägt einen in der Region traditionellen Hut, auch eine berühmte nigrische Moschee wird zum Handlungsort.

„Man kann so viele Ideen haben, aber realisieren kann man das nur mit Partnern vor Ort“, erinnert sich Weule an die Anfänge des Vereins. Für die Umsetzung kam er mit Malam Abdou in Kontakt – einem Multitalent, wie sich herausstellte. Der 56-Jährige arbeitet als Schulleiter, Bauer, leitet ein kleines Transportunternehmen und ist zusätzlich noch Verleger und versiert in verschiedenen Design- und Layoutprogrammen. „Du darfst niemals nur auf einen Beruf setzen“, hätte seine Mutter ihm gesagt, erklärt der Nigrer und lacht.

Afrikanische Perspektive in der Schule

„Wir als Verein sehen, dass die Bilingualität vorankommt“, meint Weule. Zu ihren Anfangszeiten seien rund 700 von insgesamt etwa 21.000 Grundschulen im Niger mehrsprachig gewesen. „Heute sind es knapp 5000.“ Und in deren Curriculum befindet sich dank „Mate ni kani“ nun auch die Geschichte von Dorugu.

Dorugu war ein schwarzer Junge aus der Ethnie der Hausa, den der im Niger berühmte Afrikaforscher Heinrich Barth in der Mitte des 19. Jahrhunderts gekauft hatte. Er wurde zu seinem Begleiter und Dolmetscher, folgte ihm sogar bis nach England. Dorugu verfasste die „Magana Hausa“, ein Buch mit Geschichten von ihm und über ihn selbst. Dieses Buch verschwand im Laufe der Jahrzehnte immer wieder, bis es 1970 in England wieder auftauchte und 2014 bei einem Besuch von „Mate ni kani“ – neu verlegt – wieder im Niger landete.

„Jeder Nigrer kennt ‚Henry Barth‘, wie er dort genannt wird. Aber kaum jemand kannte Dorugu“, erklärt Weule. Ihr Buch habe nun dafür gesorgt, dass die Menschen im Niger nicht mehr nur den europäischen Forscher, sondern auch seinen afrikanischen Begleiter und seine Perspektive kennengelernt haben. Da zeigt sich der 73-Jährige stolz: „Das war ein Beitrag zur Dekolonialisierung.“

Info

Auszeichnung im Rathaus

Die Verleihung des Internationalen Bremer Friedenspreises findet an diesem Freitag, 8. Mai, um 18 Uhr in der Oberen Rathaushalle statt. Die Veranstaltung ist öffentlich, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Neben „Mate ni kani“ wird auch Mahdi Yahya ausgezeichnet. Mit seiner Organisation „Peace of Art“ setzt sich der Libanese durch Kulturprojekte gegen Extremismus und gesellschaftliche Spaltung in seinem Heimatland ein.

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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