Stand: 19.06.2025 16:04 Uhr
Niedersachsens Unternehmen schauen nach Afrika. Angesichts internationaler Handelskonflikte rückt der unterschätzte Nachbarkontinent als Wirtschaftspartner und Investitionsstandort mehr in den Blick.
Ärger mit den USA, Unsicherheiten mit China: Niedersachsens Wirtschaft sucht in schwierigen Zeiten nach Alternativen. Das hat sich auch bei der 1. Norddeutschen Wirtschaftskonferenz Afrika bei der IHK Hannover gezeigt. Die Tagung war in kürzester Zeit ausgebucht. „Das Interesse ist riesig, wir haben eine lange Warteliste“, sagt IHK- Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt dem NDR Niedersachsen. „Die Unternehmen, die schon in Afrika sind, wissen genau, was sie an dem Standort haben. Unser Ziel ist es jetzt, Afrika bekannter zu machen.“
„Da entsteht ein riesiger Binnenmarkt“
„Der afrikanische Markt ist super wichtig für die Zukunft“, sagt VW-Markenchef Thomas Schäfer. Er ist gleichzeitig Vorsitzender der Subsahara-Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI). In diesem Amt wirbt er für ein größeres Engagement in Afrika. „Da wird ein Binnenmarkt entstehen mit 1,4 Milliarden Menschen“, sagt Schäfer. „Das ist der größte Binnenmarkt der Welt.“ Der VW-Vorstand verweist auf die geplante afrikanische Freihandelszone, die gerade entsteht. „Da lohnt es sich jetzt, zu investieren – um gemeinsam Infrastrukturen zu schaffen und den Markt gemeinsam zu erobern.“
Vorteil Afrika: Neue Strukturen schaffen
Schäfer sieht nicht nur Chancen für die Autobranche, sondern beispielsweise auch für Unternehmen aus den Bereichen Agrar, Medizin oder Hightech. Afrika hat in seinen Augen einen entscheidenden Vorteil: Unternehmen müssten zwar häufig „bei Null anfangen“. Allerdings sei es auch eine Chance, neue Strukturen aufzubauen, anstatt alte mühsam zu verändern. Volkswagen produziert bereits seit Jahrzehnten in Afrika. In Südafrika baut VW den Polo. Weitere Standorte sind Ruanda, Kenia und Ghana.

Schwerpunkt Afrika: Protest gegen die Diktatur in Mali – Afrikas Abhängigkeit von China – Kenias boomende Metropole Nairobi
Afrikanische Länder als Handelspartner bislang kaum gefragt
Im Ranking der wichtigsten Exportmärkte liegen Subsahara-Staaten weit hinten. Niedersachsen exportiert jedes Jahr Waren und Produkte in Milliardenhöhe in die Niederlande, nach Polen und China. Afrikanische Handelspartner tauchen weit hinten auf: Südafrika liegt auf Platz 30, danach folgen Liberia, Angola, Nigeria und Senegal – alle mit überschaubaren Exportzahlen.
„Das größte Plus: Afrika ist jung“

Der Unternehmer und Ingenieur Sidy Diop hat lange in Deutschland gelebt. Heute investiert er in sein Heimatland Senegal.
Der Unternehmer Sidy Diop investiert in seinem Heimatland Senegal in Industriepark-Projekte. Der Ingenieur hat lange in Deutschland gelebt und hier ein Netzwerk aufgebaut. Jetzt wirbt er bei niedersächsischen Unternehmen, ihm zu folgen. „Das größte Plus ist, dass Afrika jung ist“, sagt Diop dem NDR Niedersachsen. Noch spielt Senegal für die deutsche Wirtschaft kaum eine Rolle. Niedersachsen exportiert Produkte im Wert von rund sechs Millionen Euro in das westafrikanische Land, bei den Importen liegt Senegal mit nur einer Million Euro auf Platz 135.
Vorurteile und Ängste bei Unternehmen
Diop sieht bei deutschen Unternehmen oft Ängste und Vorurteile – oder einfach mangelndes Interesse. „Afrika ist Nachbar von Europa, nur fünf Flugstunden entfernt. Die Europäer haben das nur selten so gesehen, sie haben gedacht, China ist näher.“ Angesichts der internationalen Handelskonflikte könne Afrika zum „lachenden Kontinent“ werden, hofft Diop. Auch VW-Markenchef und SAFRI-Vorstand Thomas Schäfer hält Ängste für unbegründet: „Afrika ist von außen betrachtet immer ein Risiko und eine Gefahr – das stimmt nicht“, sagt Schäfer. „Ein Invest in Afrika hat sich noch immer gelohnt.“

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Es gebe einen „regelmäßigen Austausch“, sagte Konzernchef Blume der „Süddeutschen Zeitung“. Die Gespräche seien konstruktiv.

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