Mit einem Ergebnis von 94,3 Prozent, wie es einst in der Sowjetunion üblich gewesen wäre, hat Romuald Wadagni vorvergangenen Sonntag die Präsidentschaftswahl in Benin gewonnen. Er ist Wirtschafts- und Finanzminister in der Regierung des seit 2016 amtierenden Präsidenten Patrice Talon – unter dessen Führung das kleine westafrikanische Land mit 14 Millionen Einwohnern stetig autoritärer geführt wurde. Dabei galt es nach dem Ende der realsozialistischen Volksrepublik Benin 1991 lange als Musterdemokratie in der Region.

Talon selbst konnte nicht erneut kandidieren, da die Verfassung keine dritte Amtszeit zulässt. Anders als viele seiner afrikanischen Amtskollegen, wie etwa der Dauerpräsident in der Côte d’Ivoire, Alassane Ouattara, verzichtete der 67jährige darauf, per Verfassungsänderungen länger im Amt zu bleiben. Allerdings nahm er starken Einfluss auf die Auswahl seines Nachfolgers. Zudem wird spekuliert, dass er den Vorsitz des neu zu schaffenden Senats übernehmen könnte, dessen Aufgabe es der Ende des Jahres beschlossenen Verfassungsreform zufolge sein soll, »das politische Leben zu regulieren«. Bisher besteht das Parlament in Benin nur aus einer Kammer.

Wadagni trat als Bewerber des Regierungslagers an, das aus der Partei Union progressiste le renouveau und dem Bloc républicain besteht, sowie mit geballter Medienunterstützung. Der einzig zugelassene Gegenkandidat war Paul Hounkpè von der kleinen Oppositionspartei Forces Cauris pour un Bénin émergent. Die Kandidaten der führenden, politisch linken Oppositionspartei, Les Démocrates, hingegen durften nicht antreten; die Wahlkommission hatte sie wegen einer zu geringen Anzahl an Unterstützerunterschriften abgelehnt.

In Frankreich wurde Benin bereits 2020 von der Liste der »sicheren Herkunftsländer« von Asylbewerbern gestrichen. Das westafrikanische Land ist für seine repressiven Zustände berüchtigt.