Die Republik Kongo hat die russisch-orthodoxe Kirche offiziell auf ihrem Staatsgebiet anerkannt. Das berichtete der französische Sender Radio France Internationale (RFI) am Mittwochmorgen unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Tass. Damit breitet sich die russisch-orthodoxe Kirche (ROK) weiter auf dem afrikanischen Kontinent aus. Erst Anfang des Jahres erhielt sie im Nachbarland Kamerun ihre Zulassung.
Experten zufolge begann die Präsenz der ROK ab 2021. Sie sehen darin ein strategisches Kalkül Russlands. Die Kirche versuche, über ihre traditionellen Grenzen hinaus zu expandieren und „eine globale Dimension anzunehmen, die ihr nicht zusteht“, sagte Religionshistoriker Jean-François Colosimo dem Sender. Die Kirche entwickle sich zu einer weiteren repräsentativen Institution der Interessen Moskaus.
Affront gegen die Orthodoxie
Durch die Expansion, so der Experte, widersetze sie sich auch den Regeln der Orthodoxie. Der afrikanische Kontinent untersteht traditionell dem griechisch-orthodoxen Patriarchat von Alexandria. 2019 begann Russland, die Beziehungen zu afrikanischen Ländern auszubauen. Neben dem russischen Afrika-Korps, Nachfolgeorganisation der Wagner-Söldnergruppe, wurden Wirtschaftsabkommen geschlossen.
Ende April reiste Kongos Präsident Denis Sassou-Nguesso, der das Land mit Unterbrechung seit 1979 regiert, zum Staatsbesuch nach Moskau. Neu ist der Kontakt der beiden Länder aber nicht. Diplomatische Beziehungen bestehen seit Jahrzehnten.
Demokratische Republik Kongo
Die Demokratische Republik Kongo ist nach Algerien der zweitgrößte Flächenstaat Afrikas und fast siebenmal so groß wie Deutschland. Auf einem Gebiet, das etwa einem Viertel der Größe der USA entspricht, leben rund 90 Millionen Menschen. Der Kongo ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als 200 Ethnien. Das Land im Zentrum Afrikas, das von 1971 bis 1997 Zaire hieß, hat gemeinsame Grenzen mit Kongo-Brazzaville, der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia und Angola.