Unter dem Prädikat „gute Regierungsführung“ lässt sich die politische Karriere von Botsuanas Ex-Präsident Festus Gontebanye Mogae zusammenfassen. In seiner Regierungszeit von 1998 bis 2008 erlebte das Land im Süden Afrikas stetiges Wirtschaftswachstum. Botsuana entwickelte sich zu einem der wohlhabendsten Staaten des Kontinents und zählt zu den stabilsten Ländern Afrikas mit regelmäßigen regulären Wahlen.
Mogae wuchs ist in armen Verhältnissen auf. Er wurde am 21. August 1939 in Serowe, einem Dorf im östlichen Zentral-Botsuana, in einer Familie von Rinderhirten geboren. Sein Vater war Dorfvorsteher. Erst im Alter von elf Jahren besuchte Mogae erstmals eine Schule.
Studium im Vereinigten Königreich
Nach seiner Ausbildung zum Wirtschaftswissenschaftler an den Universitäten Oxford und Sussex trat Festus Mogae 1968 eine Stelle im Ministerium für Finanzen und Entwicklungsplanung in Gaborone an, und stieg zum Direktor für wirtschaftliche Angelegenheiten auf. Es folgten Stationen als Staatssekretär, Chef von Botsuanas Zentralbank, Finanzminister und Vizepräsident.
Mogae bei einer Wahlkampfkundgebung in der Hauptstadt Gaborone einen Tag vor den Präsidentschaftswahlen 1999Bild: Yoav Lemmer/AFP
Entschlossenheit und harte Arbeit prägten Mogaes beruflichen Werdegang und seinen Erfolg als Politiker. Er war Mitglied der Botswana Democratic Party (BDP) – die seit der Gründung der unabhängigen Republik in Gaborone bis 2024 insgesamt 58 Jahre an der Macht war. Am 1. April 1998 übernahm Mogae dann als Botsuanas dritter Präsident die Staatsführung. Er löste seinen Vorgänger Quett Masire, der vorzeitig von seinem Amt zurücktrat, in einer friedlichen Machtübergabe ab. Anderthalb Jahre später wurde Mogae bei den Präsidentschaftswahlen offiziell gewählt. Nach zwei Legislaturperioden gab auch Mogae nach einem Jahrzehnt an der Staatsspitze ganz verfassungsgetreu sein Amt ab.
Nach Ansicht von Experten war Mogae einer der Architekten der bemerkenswerten wirtschaftlichen Entwicklung Botsuanas, die lange Zeit als Modell für Afrika galt. Botsuana gehörte zu den ärmsten Ländern der Welt, als es 1966 von Kolonialmacht Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen wurde.
Die Entdeckung reicher Diamantenvorkommen in den frühen 1970er-Jahren und Mogaes vorausschauende Wirtschaftspolitik sorgten jedoch für einen wirtschaftlichen Aufstieg des Landes. Im Jahr 2000 überholte Botsuana sogar Südafrika beim Pro-Kopf-Einkommen und behauptete seine Position als weltweit zweitgrößter Produzent von Diamanten.
Vorreiter im Kampf gegen HIV/Aids
Mogaes Regierung nahm auch die in den 2000er-Jahren beginnende Aids-Krise in Afrika ernst: Botsuana war das erste afrikanische Land, das ein Programm zur kostenlosen Versorgung aller HIV-infizierten Bürger mit antiretroviralen Medikamenten einleitete. Zudem startete die Regierung Kampagnen zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV und zur Betreuung von Aids-Waisen.
Mogae erklärte Aids zum nationalen Notfall: Das Botswana-Harvard Aids Institute in Gaborone – hier eine Aufnahme von 2003 – galt damals als eine der fortschrittlichsten Einrichtungen seiner ArtBild: Jon Hrusa/dpa/picture alliance
Der Präsident machte Aids zur Chefsache. Er verlagerte die Zuständigkeit für die Bekämpfung der Immunschwächekrankheit vom Gesundheitsministerium auf das Präsidialamt, um eine „engere und verbindlichere Steuerung“ zu ermöglichen – was sich auszahlte. Er war auch das erste afrikanische Staatsoberhaupt, das sich selbst einem Aids-Test unterzog und seine Mitbürger dazu ermutigte.
Im Jahr 2008 wurde Mogae mit dem renommierten Ibrahim-Preis für seine Verdienste um die afrikanische Führungsrolle ausgezeichnet: Er habe die Stabilität und den Wohlstand Botsuanas angesichts einer HIV/Aids-Epidemie, die die Zukunft seines Landes und seines Volkes bedrohte, aufrechterhalten und konsolidiert, hieß es zur Begründung. Die bedeutende Auszeichnung wird an ehemalige afrikanische Staats- und Regierungschefs verliehen, die sich durch gute Regierungsführung, demokratische Wahlen und die Einhaltung von Amtszeitbeschränkungen auszeichnen.
2008 verlieh der französische Präsident Nicolas Sarkozy (links) Festus Mogae das Großkreuz der Ehrenlegion – Frankreichs prestigeträchtigste AuszeichnungBild: Alain Guizard/Bestimage/IMAGO
In einer Rede im Jahr 2020 betonte Mogae erneut die zentrale Rolle guter Regierungsführung für Stabilität und Entwicklung: „Traditionell verhalten sich viele unserer Führer so, als gehörten ihnen ihre Länder. Das Prinzip der Demokratie ist jedoch, dass der Führer der Diener des Volkes ist.“
„Macht korrumpiert“
Mogae hat oft Kritik an afrikanischen Staatsoberhäuptern und Regierungschefs geäußert, die sich weigern, aus dem Amt zu scheiden. „Einige von ihnen waren wirklich gut und haben in den ersten beiden Amtszeiten einige wirtschaftliche Entwicklungen in ihren Ländern bewirkt“, sagte Mogae 2017 in einem DW-Interview. „Aber wenn sie zu lange im Amt bleiben, nimmt auch ihre Leistung ab.“
Mogae fügte an: „Sie beginnen, persönliche Interessen mit denen der Nation zu vermischen. Wie man so schön sagt: Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert absolut.“
Wie die botsuanische Regierung mitteilte, ist Festus Gontebanye Mogae nun im Alter von 86 Jahren gestorben. Präsident Duma Boko ehrte Mogae und sagte, das Land „trauert um einen angesehenen Staatsmann und Patrioten, der sein Leben dem Dienst an seinem Land gewidmet hat“. Er habe „die Aufgaben dieses Amtes mit Würde, Fingerspitzengefühl und erstaunlicher Bescheidenheit wahrgenommen. Wir danken ihm von ganzem Herzen.“ Die Regierung ordnete drei Tage Staatstrauer an, die Flaggen sollen auf halbmast gesetzt werden.