„Italien ist ein Ort des Friedens und möchte euch aufnehmen. Deshalb sage ich euch: Habt keine Angst.“ Das sagte Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft Sant’Egidio, gestern Morgen bei der Pressekonferenz zur Begrüßung von 122 Flüchtlingen, die Hälfte von ihnen sind Minderjährige, die aus Libyen mit einem vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) organisierten Flug nach Rom gekommen sind.

Große Emotionen herrschten in der Halle des Terminals 5 bei der Begrüßung dieser Migranten. Sie waren vor den Kriegen in Afrika geflohen. Es sind ganze Familien mit vielen Kindern, gebrechliche Menschen, viele Kranke oder von Leid gezeichnete Personen, die schlimme Dinge auf ihrer dramatischen Reise nach Europa erlebt haben. „Ab heute beginnt für Euch ein neues Leben und dabei werdet Ihr nicht allein sein, wir werden Euch begleiten und bei allen weiteren Schritten zur Seite stehen. Die Gemeinschaft Sant’Egidio hat vor zehn Jahren die Einrichtung humanitärer Korridore initiiert, um Risiken und Leiden für diejenigen zu vermeiden, die eine Zukunft in einem anderen Land suchen. In diesen zehn Jahren sind Tausende von Menschen auf legalem Weg nach Europa gekommen. Wenn man fragt, wie es ihnen geht, werden sie sagen, dass es ihnen allen gut geht. Die humanitären Korridore sind die Zukunft der legalen Einwanderung“, schloss Impagliazzo, „sie tragen dazu bei, Menschenleben zu retten und Wege zur Integration zu schaffen“.

Die Einreise der 122 Flüchtlinge nach Italien wurde durch ein Protokoll mit dem Innenministerium, dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten einerseits und dem internationalen Zusammenschluss von UNHCR, Arci und der Gemeinschaft Sant’Egidio andererseits ermöglicht. Das Protokoll wurde im Dezember 2023 unterzeichnet wurde und hat bisher die sichere Einreise von 659 Personen ermöglicht. Die aus dem Sudan, dem Südsudan und Eritrea stammenden Flüchtlinge werden in verschiedenen italienischen Regionen von Sant’Egidio, Arci und über das staatliche Aufnahme- und Integrationssystem aufgenommen.

Die Diplomatie der Aufnahme – so Pierfrancesco Sacco, zuständig für Italiener im Ausland und Einwanderungspolitik im Außenministerium – ist neben der Handels-, Sport- und Kulturdiplomatie einer der vielen Aspekte unseres internationalen Handelns.

„Kurz vor dem internationalen Tag der Menschenrechte bekräftigen wir, dass es ein Recht ist, Italien und Europa auf sichere Weise zu erreichen“, sagte Valentina Itri, Koordinatorin des Einwanderungsbüros von Arci. „Heute“, fügte sie hinzu, „könnt Ihr beginnen, in Italien eine neue Geschichte aufzubauen, unter sicheren Bedingungen und begleitet von den Organisationen, die Euch aufnehmen“.

Der Sprecher des UNHCR Italien, Filippo Ungaro, erinnerte daran, dass legale Einreisewege ein wesentliches Instrument sind, um schutzbedürftige Menschen aus gefährlichen Situationen zu befreien. Seit 2017 hat Italien zwischen Evakuierungen und Neuansiedlungen mehr als zweitausend besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aufgenommen. Ungaro wies auch auf die globale Kluft hin: Im Jahr 2024 gab es weltweit 2,8 Millionen Flüchtlinge, die eine Neuansiedlung benötigten, aber nur 8 % konnten davon profitieren. Während des Treffens wurde den Freiwilligen, Familien und lokalen Einrichtungen, die an der Aufnahme beteiligt sind, sowie den Flughäfen von Rom, die bei den Ankunftsoperationen mitwirken, gedankt.

Seit 2016 haben die humanitären Korridore 7.269 Flüchtlinge nach Italien gebracht und ihnen einen sicheren und legalen Weg als Alternative zu den Routen durch die Wüste, über Libyen und über das Meer geboten. Ein Modell, das weiterhin zeigt, dass Aufnahme und Integration Hand in Hand gehen können.