Am 15. April – also an diesem Mittwoch – jährt sich der Krieg im Sudan zum dritten Mal. Und wie jedes Jahr wird zu dem Anlass eine internationale Sudan-Konferenz veranstaltet, diesmal wird sie im Auswärtigen Amt in Berlin sein. Viel hat sich dadurch an der wohl schlimmsten humanitären Krise nicht geändert. 2,87 Milliarden Dollar sind notwendig, um die zivile Bevölkerung zu versorgen. Nur gut 16 Prozent davon werden aktuell finanziert. Das reicht nicht aus, um die 21 Millionen von Hunger bedrohten Menschen zu versorgen, und es reicht auch nicht aus, um die fast 14 Millionen Vertriebenen angemessen unterzubringen.

Doch durch den Krieg in der Ukraine, in Gaza und nun im Iran, liegt der Sudan in der medialen sowie politischen Aufmerksamkeit nicht vorne. Der Konflikt in dem afrikanischen Land wird deswegen auch der vergessene Krieg genannt. Nachdem 2019 der ehemalige Präsident Umar al-Baschir nach 30 Jahren an der Macht durch einen Militärputsch abgesetzt wurde, konnte sich die Situation in drei Richtungen entwickeln: Eine weitere Militärdiktatur, Demokratie oder ein Bürgerkrieg. Es kam zu Letzterem.

Kriegsparteien nicht eingeladen

Im Mittelpunkt stehen zwei Männer: Der Führer der paramilitärischen Miliz RSF (Rapid Support Forces) unter Mohammed Hamdan Daglo, besser als „Hemeti“ bekannt, und sein Widersacher, Armeegeneral Abdel Fattah Burhan, waren ursprünglich Verbündete. Sie putschten 2021 gemeinsam gegen die Übergangsregierung nach Al-Baschir. Doch seitdem haben sich beide Seiten in einem Zermürbungskrieg festgefahren.

Die beiden Rivalen, die für die Situation im Sudan verantwortlich sind, wurden nicht zur Konferenz eingeladen. Das stieß vor allem bei den Führern der Militärregierung in Khartum auf Unmut. Der Ministerpräsident der De-Facto-Regierung, Kamil Idris, sagte dazu: „Sollte die sudanesische Regierung nicht an der Berliner Konferenz am 15. April beteiligt werden, kann ich Ihnen versprechen, dass es ein totaler Fehlschlag werden wird.“ Seit der ersten Konferenz in Paris 2024 protestieren die Kriegsparteien gegen den Ausschluss von der Konferenz, so auch in diesem Jahr. Doch die Gastgeberländer schließen eine Einladung aus, bis es nicht zumindest zu einer Waffenruhe kommt. Die ist jedoch nicht in Sicht.

Sinkende Finanzierungshilfen

Seit dem Beginn des Krieges sind zwei Drittel der sudanesischen Bevölkerung auf der Flucht, die meisten innerhalb des eigenen Landes, wo es vor allem im Osten Gebiete ohne Kriegshandlungen gibt. Diese Lage kann sich jedoch jederzeit wieder ändern. In den angrenzenden Ländern, wie beispielsweise dem Tschad, werden riesige Flüchtlingscamps von Hilfsorganisationen aufgebaut. Das Deutsche Sudan-Netzwerk erklärte kürzlich, dass rund die Hälfte aller Menschen im Land von akuter Mangel- und Unterernährung betroffen seien, andere Regionen stünden vor einer Hungersnot.

Umso wichtiger wären internationale Hilfen für die Bevölkerung. Die Welthungerhilfe ist selbst im Sudan vor Ort. Im Vorfeld der Konferenz fordert ihr Generalsekretär, Mathias Mogge, einen besseren Zugang zur Region. „Humanitäre Hilfe muss unabhängig von einer Waffenruhe gewährleistet sein“, sagte er. „Die Konferenz muss hier klare Ergebnisse liefern.“ Ähnlich äußern sich auch andere Hilfsorganisationen.

Die Konferenz in Berlin ist auch eine sogenannte Geberkonferenz, die von Deutschland, Frankreich, der EU und der Afrikanischen Union (AU) organisiert wird. Die teilnehmenden Länder verpflichten sich dazu, gewisse Summen bereitzustellen. Im letzten Jahr steuerte Deutschland 200 Millionen bei, dieses Jahr könnte eine ähnliche Summe bereitgestellt werden. Trotz dramatischer Einschnitte bei der Entwicklungshilfe unter Präsident Donald Trump sind die USA noch immer der größte Geldgeber. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr in London rund eine Milliarde US-Dollar zusammen, vor zwei Jahren in Paris war es noch doppelt so viel.

Teilnehmer der Konferenz werden Diplomaten, Politiker und zivile Hilfsorganisationen sein. Besonders wichtig für die Debatte sind die eingeladenen sudanesischen Nicht-Regierungsorganisationen. Auch wenn ein baldiger Frieden aktuell so gut wie ausgeschlossen ist, bleibt es wichtig, für die Zeit nach dem Krieg Netzwerke zu schmieden.

In einer früheren Version hieß es, dass 2,87 Billionen Dollar für humanitäre Hilfe benötigt werden. Richtig sind Milliarden. Das wurde korrigiert.