LT: Herr Tchangari, in Folge des Ukrainekrieges und steigender globaler Marktpreise hat Präsident Mohamed Bazoum angekündigt, auch in Niger ab 1. August 2022 die Dieselpreise zu erhöhen. Das hat zu großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung geführt. Im Diskurs zivilgesellschaftlicher Organisationen hat sich diese Unzufriedenheit jedoch prompt mit einer scharfen Kritik an der Verstärkung der Präsenz der französischen Militärmission Barkhane in Niger vermischt. Wie hängen diese beiden Themen in der Wahrnehmung der Zivilbevölkerung zusammen?

MT: Beide Themen sind nicht nur aktuell, sondern werfen auch grundlegende Fragen über die Zukunft unseres Landes auf, die es verdienen, gestellt zu werden. Wie können wir angesichts steigender Inflation die Kaufkraft der Bevölkerung schützen? Und was bedeutet die Präsenz unterschiedlicher ausländischer Armeen für die Souveränität unseres Landes? Nachdem die Regierung beschlossen hat, ab 1. August die Dieselpreise zu erhöhen, hat Präsident Bazoum zivilgesellschaftliche Akteure zu sich gerufen. Er hat ihnen die Beweggründe für die Preiserhöhung erläutert, aber auch erklärt, dass die Entscheidung nicht rückgängig gemacht wird.

Dies hat eine Welle des Protests ausgelöst und dazu geführt, dass sich 15 zivilgesellschaftliche Organisationen in einer Plattform zusammengeschlossen haben. Sie trägt den Namen M62, in Anlehnung an 62 Jahre Unabhängigkeit Nigers von der französischen Kolonialmacht. In einer ersten Deklaration wurde von M62 die Rücknahme der Dieselpreiserhöhung gefordert, aber auch der Abzug von Barkhane.

Ich denke, dass die Frage des Dieselpreises von den beteiligten Organisationen in Wirklichkeit als Katalysator genutzt wird, um die französische Militärpräsenz zu problematisieren. Diese wird zwar von unserer Regierung gewünscht, aber in der öffentlichen Meinung schon länger mit Skepsis betrachtet. Beide Themen zusammengenommen haben das Potential, die Bevölkerug zu mobilisieren. Sie machen es dann aber auch schwieriger, konkrete Lösungen zu finden. Zumal wir in beiden Fällen die Position der Regierung kennen. Eine geplante Demonstration wurde verboten. Daran sehen wir auch, wie die Regierung die Anliegen der Bevölkerung interpretiert und auf Kritik reagiert.