Der griechische Migrationsminister Thanos Plevris warnte am Sonntag, den 10. Mai 2026, vor rund 550.000 Migranten in Libyen, die auf eine Überfahrt nach Europa warten. Angesichts dieser Lage verstärkt Athen die Zusammenarbeit mit der EU-Grenzschutzagentur Frontex und den libyschen Behörden zur Bekämpfung von Schleuserbanden.
Die griechische Küstenwache rettete am selben Tag bereits 125 Menschen aus zwei Booten südlich von Kreta. Nach Angaben des nationalen Wetteramtes begünstigen derzeit ruhige Windverhältnisse die riskanten Fahrten über das Mittelmeer, weshalb die Behörden mit weiteren Ankünften aus Nordafrika rechnen.
Um die Überwachung des Seegebiets südlich von Kreta zu intensivieren, kündigte die Regierung personelle Aufstockungen der Küstenwache sowie technische Aufrüstungen an. Die Insel liege etwa 300 Kilometer von der libyschen Stadt Tobruk entfernt und gelte laut Ministerium als prioritäres Zielgebiet für Sicherheitsmaßnahmen.

Vassilis Kikilias, der griechische Minister für Schifffahrt und Inselpolitik, unterstrich die Bedeutung der Region gegenüber dem Sender ERTNews.
„oberste Priorität“ sagte Kikilias, Minister für Schifffahrt und Inselpolitik.
Zur Absicherung der Gewässer plant Athen die Anschaffung von vier Flugzeugen und zwei Drohnen. Diese Maßnahmen reagieren auf den Trend des Vorjahres, in dem rund 20.000 Menschen die Ferieninsel Kreta über den Seeweg erreichten.

Auch die europäische Grenzschutzagentur Frontex sieht eine zunehmende Dynamik auf dieser Route. Vize-Direktor Lars Gerdes wies in einem Gespräch mit der Welt auf die Rolle staatlicher Akteure bei der Steuerung von Fluchtbewegungen hin.
„Es ist unwahrscheinlich, dass die Menschen dies rein aus eigenem Antrieb tun, geschweige denn selbst die finanziellen Mittel dafür aufbringen können.“ sagte Lars Gerdes, Vize-Direktor von Frontex.
Gerdes erklärte weiter, dass Beobachtungen eine Verschiebung von den östlichen EU-Außengrenzen in Richtung Libyen zeigen.

„Von Libyen aus versuchen die Menschen wiederum, nach Europa zu kommen.“ sagte Lars Gerdes, Vize-Direktor von Frontex.
Diese Entwicklung führe laut der Grenzschutzagentur zu einem massiven Anstieg der Ankunftszahlen auf Kreta.
„Die nächste Krise wird kommen.“ warnte Lars Gerdes, Vize-Direktor von Frontex.

Laut Daten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erreichten im Jahr 2025 insgesamt 42.000 Migranten über das Meer die griechischen Inseln. Im selben Zeitraum dokumentierte die Organisation 107 Todesfälle im östlichen Mittelmeer, was einem Rückgang der Ankünfte um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.