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Kokorou (Niger) – Mehr als 20 Jahre lang arbeitete Dr. Issifi Djibey als Chefarzt am Klinikum in Rendsburg. Zuletzt genoss er seinen Ruhestand im schönen Schleswig-Holstein – zusammen mit seiner Frau. Dass er jemals zurück in seine Heimat Niger kehren würde, hätte er nicht gedacht. Und schon gar nicht als ein König.

Das Land Niger in Westafrika gilt als eines der ärmsten der Welt. Die Bedrohung durch Islamisten ist allgegenwärtig. 1970 hatte Djibey ein Stipendium ergattert, war nach Deutschland gekommen und hatte Medizin studiert. Der Ex-Chefarzt stammt aus einem Adelsgeschlecht und galt deshalb als möglicher Nachfolger des bisherigen Königs, der 2023 gestorben war. Sich nicht zur Wahl zu stellen oder das Amt abzulehnen, hätte seine Familie im Niger nicht akzeptiert, so Djibey. Bis heute besteht die Tradition der königlichen Herrschaft. Die Regierungsgewalt liegt allerdings bei der Zentralregierung in der Hauptstadt Niamey.

Als Präsident des Rotary Club Rendsburg übergab er der Stadt vor vier Jahren Sitzbänke für eine BMX-Bahn

Als Präsident des Rotary Club Rendsburg übergab er der Stadt vor vier Jahren Sitzbänke für eine BMX-Bahn

Foto: Stadt Rendsburg

Ex-Chefarzt mit dem Tod bedroht

In der Region Kokorou leben bis zu 150.000 Menschen. An ihrer Spitze steht ein König, gewählt von einer Versammlung aller Dorf-Oberhäupter. Mehr als ein Dutzend Kandidaten war zur Wahl angetreten – einige davon sollen Djibey über Monate hinweg mit dem Tod bedroht haben, so der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag. Am Ende setzte er sich aber mit 25 von insgesamt 51 Stimmen durch, so der NDR. Der Ex-Chefarzt trägt nun den Titel Emir von Kokorou. Gewählt ist er als Kandidat auf Lebenszeit.

Menschen fahren in einem Holzboot im Nigerdelta nahe dem Dorf Ogboinbiri

Menschen fahren in einem Holzboot im Nigerdelta nahe dem Dorf Ogboinbiri (Nigeria)

Foto: Sunday Alamba/AP/picture alliance

Die Ziele des neuen Königs

Doch auch nach der Wahl bleibt die Lage angespannt: „Der Niger ist leider kein sicheres Land. Dschihadisten sind eine große Gefahr. Ich kann mich nur mit einer großen Eskorte durchs Land bewegen“, so Djibey. Seine Rolle sieht er als Bindeglied zwischen der einheimischen Bevölkerung und der Zentralregierung. Er darf Steuern eintreiben und richterliche Entscheidungen treffen.

People move near a market following the attack on the international airport in Niamey,

Menschen auf einem Markt in der Hauptstadt Niamey

Foto: REUTERS

Für seine Regentschaft hat er klare Ziele. Der ehemalige Mediziner eines Rendsburger Krankenhauses will in die Infrastruktur investieren. Damit sollen die Schätze der Region besser für die Menschen nutzbar gemacht werden, so Djibey. Ganz auf Deutschland verzichten will Djibey nicht. Er könne weiterhin nach Schleswig-Holstein kommen, brauche dann aber einen Statthalter in Niger. Diese Aufgabe solle ein Bruder übernehmen. Zu seiner Wahl gratulierte unter anderem die Stadt Rendsburg auf ihrer Website: „Nicht nur als Mediziner hat er in unserer Stadt einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir sind zuversichtlich, dass er auch in seiner Heimat Gutes bewirken wird.“