Bodenschätze sind Milliarden wert

Stadt in Guinea möchte Partnerschaft mit Aachen

24.04.2026Lesedauer: 2 Min.

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Links der Aachener Dom, rechts die Region Fouta-Djalon, in der Lelouma liegt: Die guineische Stadt wollte die zwölfte Partnerstadt von Aachen werden. (Quelle: Imago/Zoonar/Dreamstime – Kollage: t-online)

Derzeit gibt es nicht einmal eine asphaltierte Straße in Lélouma. Dennoch plant die Stadt eine Partnerschaft mit Aachen. Es geht um Bodenschätze, eine Botschaft und China.

So ein Schreiben hat Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU) sicherlich bislang noch nicht auf seinem Schreibtisch gehabt: Es hat den offiziellen Briefkopf der Botschaft von Guinea, unterschrieben von Botschafter Aliou Barry höchstpersönlich. Das Anliegen: Barry wirbt dabei um eine Städtepartnerschaft zwischen Aachen und der guineischen Stadt Lélouma, die tief im Dschungel an den Hängen des Bergmassivs Fouta-Djalon liegt.

„Der gegenseitige Transfer von Wissen und Erfahrungen sowie die Initiierung gemeinsamer Projekte können wesentlich dazu beitragen, das gegenseitige Verständnis zu stärken und den Wohlstand unserer jeweiligen Gesellschaften zu fördern“, schreibt Barry an Oberbürgermeister Ziemons. Lélouma und Guinea stünde angesichts einiger Wirtschaftsprojekte eine „vielversprechende Zukunft“ bevor.

Barry meint damit das Minenprojekt SIMANDOU 2040. Um die Jahrtausendwende wurde in der gleichnamigen Gebirgskette das bislang größte unausgeschöpfte Eisenerzvorkommen der Welt entdeckt, im Jahr 2025 transportierte eine neu gebaute Eisenbahnlinie erstmals den wertvollen Rohstoff in die Häfen von Guinea. Von dort aus fuhren Schiffe mit Eisenerz nach China. Mit der Volksrepublik ist Guinea bereits eine Partnerschaft eingegangen.

Lélouma liegt in unmittelbarer Nähe zu den Eisenerzminen – und möchte die zwölfte Partnerschaft Aachens werden. Botschafter Barry erklärt in seinem Schreiben weiter: „Die Stadtverwaltung von Lélouma hat offiziell Interesse an einer Städtepartnerschaft mit Ihrer schönen und dynamischen Stadt Aachen bekundet.“ Warum ausgerechnet Aachen als möglicher Partner ausgesucht wurde, wird nicht ersichtlich.

Die Gemeinde hat laut offiziellen Angaben rund 5.400 Einwohner und liegt im Dschungel von Guinea. Befestigte Straßen gibt es derzeit nicht, im Rahmen des Projekts SIMANDOU 2040 soll sich das allerdings ändern. Abgesehen vom Schreiben des Botschafters gibt es aus der Gemeinde selbst keine Interessenbekundung für eine Partnerschaft.

Weil das Schreiben von der guineischen Botschaft kam, setzte die Verwaltung das Anliegen auf die Tagesordnung der Ratssitzung am vergangenen Mittwoch. In der Beschlussvorlage heißt es unter anderem, dass für eine Partnerschaft drei Punkte besonders relevant sind: Ein kontinuierlicher Austausch auf Verwaltungsebene, eine aktive inhaltliche Kooperation und die Gründung eines Partnervereins vor Ort.

Die Verwaltung prüfte das Ersuchen und sieht die notwendigen Kriterien für nicht erfüllt: „Das Gesuch stammt nicht aus der Bürgerschaft, sondern von der guineischen Botschaft. Die Größe und Struktur Léloumas weist keine Vergleichbarkeit mit Aachen auf. Eine vorbestehende Zusammenarbeit oder zivilgesellschaftliche Grundlage ist derzeit nicht erkennbar.“

Die Aachener Politik schloss sich der Empfehlung an und lehnte eine weitere Prüfung ab. Aachen muss also vorerst weiter auf seine zwölfte Partnerstadt warten.