Erzbischof Fernando Chica Arellano, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Rom, hat sich in Duschanbe an die Teilnehmer der regionalen Konferenz der Welternährungsorganisation gewandt. In seinem Statement zu Tagesordnungspunkt 12, der Resilienz von Agrarsystemen, betonte er am Dienstag die dringende Notwendigkeit, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Ernährungssicherheit in einer von Krisen geprägten Welt zu garantieren.

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Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Kombination aus rücksichtslosen Kriegen, wirtschaftlichen Rezessionen, extremen Wetterereignissen und politischer Instabilität habe eine lebensbedrohliche Situation für die globalen Versorgungsketten geschaffen.

Zusammenarbeit als Grundprinzip

Um dieser negativen Tendenz entgegenzuwirken, sei eine koordinierte Umsetzung politischer Interventionen unerlässlich. Erzbischof Arellano zitierte Papst Leo XIV., wonach das gemeinsame Voranschreiten in geschwisterlicher Eintracht zum Leitprinzip aller Investitionen werden müsse. Nur durch eine aufrichtige Kooperation könne eine gerechte und für alle zugängliche Ernährungssicherheit aufgebaut werden. Dies bedeute, dass jeder Mensch regelmäßig und dauerhaft Zugang zu ausreichenden, nahrhaften und kulturell angemessenen Lebensmitteln haben müsse. In diesem Zusammenhang regte der Erzbischof an, das Recht auf Nahrung in jenen europäischen Rechtsordnungen ausdrücklich zu verankern, in denen dies bisher noch nicht geschehen ist. Ein solcher Schritt könne als Ansporn dienen, Modelle zu entwickeln, die soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und den Respekt vor der Person als zentrale Pfeiler staatlichen Handelns integrieren.

Umgestaltung statt bloßer Ertragssteigerung

Ein wesentlicher Teil der Strategie liegt in der Stärkung der Resilienz der Ernährungssysteme. Der Erzbischof stellte klar, dass es dabei nicht darum gehe, mit den alten Methoden einfach mehr zu produzieren, um Verluste auszugleichen. Vielmehr müsse die Art und Weise der Lebensmittelproduktion grundlegend transformiert werden. Man müsse sich von einer Vision verabschieden, die allein von der gierigen Ausbeutung natürlicher Ressourcen geleitet wird. Stattdessen sollten Investitionen gezielt in benachteiligte ländliche Gebiete fließen. Ziel müsse es sein, den Agrarsektor durch kluge wirtschaftliche Entscheidungen so attraktiv zu gestalten, dass sich junge Menschen wieder mit Begeisterung der Landwirtschaft widmen und den ländlichen Raum nicht entmutigt in Richtung der Städte verlassen.

Mensch und Umwelt im Zentrum der Wertschöpfungskette

Innerhalb der gesamten agrarindustriellen Kette – vom Anbau und der Tierhaltung über die Verarbeitung bis hin zum Handel – müsse eine Logik Einzug halten, die den Schutz der Umwelt priorisiert. Ernährungssysteme müssen nach Ansicht der vatikanischen Delegation die Würde der Person wahren und menschenwürdie Arbeit auf lokaler Ebene fördern. Es gehe darum, die heutigen Bedürfnisse zu decken, ohne die Zukunft kommender Generationen zu gefährden. Dies entspreche dem göttlichen Auftrag aus Genesis 2,15, die Schöpfung zu bebauen und zu behüten.

Abschließend ermutigte die Delegation des Heiligen Stuhls die Konferenzteilnehmenden dazu, mutige Maßnahmen zur Bekämpfung bestehender Ungleichheiten im Primärsektor zu identifizieren. Die Lebensbedingungen derer, die täglich hart arbeiten, damit kein Mensch ohne sein tägliches Brot bleiben muss, müssten durch eine gerechte Entlohnung verbessert werden. Erzbischof Arellano schloss seine Intervention mit einem Appell an die internationale Gemeinschaft, die menschliche Person und das Gemeinwohl als oberste Richtschnur jeder agrarpolitischen Entscheidung zu betrachten.

(vatican news)