Saif al-Islam Gaddafi, Sohn des ehemaligen libyschen Diktators Muammar Gaddafi, bei einer Anhörung im Gerichtssaal in Zintan.

Stand: 04.02.2026 • 08:35 Uhr

Der Sohn des libyschen Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi, Saif-al-Islam, ist erschossen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Gaddafi saß nach dem Sturz seines Vaters mehrere Jahre im Gefängnis.


Moritz Behrendt

Nach Angaben seines Anwalts stürmten vier Männer die Residenz des 53-jährigen Saif-al-Islam Gaddafi in der Stadt Zintan und erschossen den Sohn des libyschen Langzeitherrschers. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe Ermittlungen eingeleitet – und versuche die Identität der Täter herauszufinden.

In den 2000er-Jahren führte Saif-al-Islam für das Regime seines Vaters Verhandlungen mit westlichen Staaten. 2011, als es zu Massenprotesten in Libyen kam, setzte er sich für eine gewaltsame Niederschlagung ein. In einer Fernsehansprache warnte er davor, dass durch alle Städte Libyens Flüsse voller Blut fließen würden.

Verbrechen gegen Menschlichkeit

Der Internationale Strafgerichtshof erhob einen Haftbefehl gegen Saif al-Islam wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Als das Gaddafi-Regime stürzte, wurde er von Milizen festgenommen und saß sechs Jahre lang im Gefängnis. Nach seiner Freilassung bemühte er sich um ein politisches Comeback. 2021 kandidierte er bei den Präsidentschaftswahlen. Die fanden jedoch nie statt, auch wegen der umstrittenen Kandidatur Seif al-Islams.

Nach dem Ende der Diktatur seines Vaters hat Libyen mehrere Bürgerkriege erlebt. Inzwischen ist der Staat in Nordafrika faktisch zweigeteilt und wird von zwei konkurrierenden Regierungen im Osten und im Westen des Landes regiert.