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Die WHO hat wegen des Ebola-Ausbruchs im Kongo und Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen – alle Nachbarstaaten sind in höchster Alarmbereitschaft.
Frankfurt – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda offiziell zur Gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC) erklärt. Das gab WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag in Genf bekannt, wie die Organisation in einer Mitteilung berichtet.
Die WHO schlägt Alarm. (Archivbild) © Jerome Delay/AP/dpa
Im Zentrum des Geschehens steht die Provinz Ituri im Nordosten des Kongo. Dort wurden bis zum 16. Mai 2026 acht laborbestätigte Fälle sowie 246 Verdachtsfälle und 80 mutmaßliche Todesfälle in mindestens drei Gesundheitszonen registriert – darunter Bunia, Rwampara und Mongbwalu. Doch die WHO warnt: Die tatsächliche Zahl der Infizierten könnte weit höher liegen.
WHO schlägt Alarm: Ebola-Ausbruch größer als gemeldet – Bundibugyo-Stamm erreicht Hauptstädte
„Die hohe Positivrate der ersten Proben, die zunehmenden Verdachtsfälle und Todesfälle sowie die Bestätigung von Fällen sowohl in Kampala als auch in Kinshasa deuten darauf hin, dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist, als bisher entdeckt und gemeldet wurde“, heißt es in der offiziellen WHO-Erklärung.
Am 15. und 16. Mai wurden innerhalb von 24 Stunden zwei laborbestätigte Fälle in der ugandischen Hauptstadt Kampala gemeldet – beide Personen waren zuvor aus dem Kongo eingereist. Einer von ihnen ist bereits verstorben. Zusätzlich wurde ein Fall in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa bestätigt, bei einer Person, die aus Ituri zurückgekehrt war. Die internationale Ausbreitung hat damit bereits begonnen.
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Beim aktuellen Ausbruch handelt es sich um den Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus – eine seltenere Variante, die zuletzt 2012 im Kongo (29 Tote) und 2007 in Uganda (37 Tote) aufgetreten ist. Es ist insgesamt der 17. Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo seit der Erstentdeckung des Virus 1976.
Ebola-Ausbruch: WHO stuft alle Nachbarländer des Kongo als hoch gefährdet ein
Im Vergleich zum gefürchteten Zaire-Stamm, der bis zu 90 Prozent Sterblichkeit aufweist, liegt die Sterblichkeitsrate der Bundibugyo-Variante bei rund 37 Prozent – laut US-Gesundheitsbehörde NIH. Dennoch ist die Lage heikel: Weder ein zugelassener Impfstoff noch spezifische Therapeutika stehen für diesen Stamm zur Verfügung. Die WHO bezeichnet das Ereignis deshalb ausdrücklich als „außergewöhnlich“. Die WHO nennt eine Reihe von Faktoren, die die Bekämpfung des Ausbruchs erschweren:
Fragile Sicherheitslage und anhaltende humanitäre Krise in IturiHohe Bevölkerungsmobilität zwischen dem Kongo, Uganda und dem SüdsudanMindestens vier verstorbene Gesundheitspersonal mit Symptomen eines viralen hämorrhagischen Fiebers – ein Hinweis auf Übertragung in GesundheitseinrichtungenEin dichtes Netz informeller Gesundheitseinrichtungen, das die Kontrolle erschwert
Alle zehn Länder, die an die Demokratische Republik Kongo grenzen, stuft die WHO als hoch gefährdet ein. Diese Staaten werden aufgefordert, dringend Vorbereitungsmaßnahmen zu treffen – von der Einrichtung von Frühwarnsystemen bis hin zur Schulung von Gesundheitspersonal. Gleichzeitig betont die WHO mit Nachdruck: Grenzschließungen und Reiseverbote sind kontraproduktiv. Solche Maßnahmen würden Menschen dazu veranlassen, auf unkontrollierte Grenzübergänge auszuweichen – was das Ausbreitungsrisiko erst recht erhöhe.
Ebola: WHO ruft internationale Gesundheitsnotlage aus – aber kein Pandemie-Notfall
Die WHO stellt klar: Die aktuelle Einstufung entspricht einer PHEIC – also einer internationalen Gesundheitsnotlage –, erfüllt aber nicht die Kriterien eines Pandemie-Notfalls im Sinne der revidierten Internationalen Gesundheitsvorschriften. Dennoch hat WHO-Generaldirektor Tedros angekündigt, so rasch wie möglich einen Notfallausschuss einzuberufen, um weitere temporäre Empfehlungen zu erarbeiten.
Beim bisher schlimmsten Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014/2015 starben über 11.000 Menschen, wie aus einem Gutachten hervorgeht. Damals war ebenfalls zunächst gezögert worden, die höchste Alarmstufe auszurufen – ein Fehler, den die WHO heute zu vermeiden sucht. Quelle: who.int, pmc.ncbi.nlm.nih.gov (bk)