Mit der Ausrufung des Gesundheitsnotstands soll auch internationale Hilfe für die betroffenen Länder in Zentral- und Ostafrika mobilisiert werden, wie die WHO mit Sitz im Schweizer Genf in der Nacht auf Sonntag mitteilte. In der DRK hatte sich die Viruserkrankung in den letzten 50 Jahren mehrfach ausgebreitet.
Der jüngste Ausbruch der Viruserkrankungen und deren rasche Ausbreitung habe noch nicht den Status einer Pandemie erreicht, sei aber ein „gesundheitlicher Notstand von internationaler Tragweite“ („public health emergency of international concern“, PHEIC), schrieb die WHO in einer auf ihrer Website veröffentlichten Erklärung.
Epidemie mit bisher unklarem Ausmaß
Bisher sind etwa 250 Fälle und 80 Todesfälle vor allem in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo bekannt. Der ansteigende Trend von Verdachts- und Todesfällen dort weise aber darauf hin, „dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist als bisher entdeckt und berichtet“, hieß es von der WHO. Deshalb bestehe ein beträchtliches Risiko für eine lokale und regionale Ausbreitung des Virus. Die Provinz Ituri grenzt an Uganda und den Südsudan.
Kämpfe, Flucht, kein Impfstoff
Zusätzlich habe man es in dem am stärksten betroffenen Gebiet mit einer fragilen Sicherheitslage durch rivalisierende Milizen, einer humanitären Krise und starken Bevölkerungsbewegungen zu tun. Außerdem gebe es keinen zugelassenen Impfstoff für den „Bundibugyo“-Stamm des Ebola-Virus, der hinter dem aktuellen Ausbruch steht. Deshalb handle es sich um ein „außergewöhnliches Ereignis“.

Reuters/Abubaker Lubowa
Am Samstag starb ein Mann im Kibuli Muslim Hospital im gleichnamigen Vorort der ugandischen Hauptstadt Kampala
Allerdings hat die „Bundibugyo“-Variante nach Angaben des US-amerikanischen National Institute of Health (NIH) eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent als der „Zaire“-Stamm mit bis zu 90 Prozent.
Grenzüberschreitender Ausbruch
Bisher seien in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo acht nachgewiesene und 246 mutmaßliche Fälle der gefährlichen Fieberkrankheit aufgetreten, hieß es. Zusätzlich sei bereits ein Fall in der weit entfernten Hauptstadt Kinshasa nachgewiesen worden. Außerdem seien zwei infizierte Personen aus dem Kongo nach Uganda gereist. Die WHO berichtete von bisher 80 mutmaßlichen Ebola-Todesfällen in Ituri. Eine der reisenden Personen sei ebenfalls verstorben.
Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (AU), die Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC), hatte zuletzt für die DRK etwas höhere Zahlen, 336 Verdachts- und 88 Todesfälle gemeldet. Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch in dem zentralafrikanischen Land seit 1976.
Nur zweimal zuvor hat es laut Africa CDC Ausbrüche der „Bundibugyo“-Variante gegeben: im Jahr 2007 in Uganda mit 37 Toten sowie 2012 im Kongo mit 29 registrierten Todesfällen.
Lebensbedrohliche Viruserkrankung
Ebola-Fieber ist eine stark ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, aber in Afrika auch durch das Essen von bestimmten Wildtieren („Buschfleisch“), die als mögliche Wirte des Virus gelten. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der „Zaire“-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.

APA/AFP/John Wessels
Die Erkrankung ist hochinfektiös und hat je nach Virenstamm eine Mortalitätsrate von bis zu 90 Prozent
In der Demokratischen Republik Kongo starben beim letzten Ebola-Ausbruch in der südwestlichen Provinz Kasaï 45 Menschen zwischen September und Dezember 2025. Ihren Namen hat die Infektionskrankheit vom Fluss Ebola in der DRK, wo vor 50 Jahren der erste große Ausbruch registriert worden war.
Hohes Risiko für alle Nachbarstaaten
Alle zehn Nachbarländer der DRK seien nun einem hohen Risiko ausgesetzt, warnte die WHO. Diese Staaten sollten dringend Vorbereitungen treffen, um auftretende Ebola-Fälle rasch entdecken und behandeln zu können. Die DRK und Uganda sollten laut WHO dafür sorgen, dass Infizierte und ihre Kontaktpersonen nicht in andere Länder reisen.
Andere Staaten sollten hingegen keine Reisebeschränkungen erlassen oder ihre Grenzen schließen, betonte die UNO-Organisation. Dann würden Menschen mitunter auf inoffizielle Grenzübergänge ausweichen, die nicht überwacht würden. Das erhöhe wiederum das Verbreitungsrisiko des Virus, warnte die WHO.