Messungen aus dem Inneren der über 4.500 Jahre alten Cheops-Pyramide in Ägypten haben eine zunehmende Ablagerung von Salz an den Wänden der Königs- und Königinnenkammer nachgewiesen. Ein deutsch-ägyptisches Forscherteam warnt vor einer fortschreitenden Zerstörung des antiken Weltkulturerbes durch diese Salzausblühungen.

Experten machten die hohen Besucherzahlen auf dem Gizeh-Plateau, die auf täglich rund 38.000 Menschen geschätzt werden, für den Anstieg der Luftfeuchtigkeit verantwortlich. Die Feuchtigkeit aus Atem und Schweiß der Touristen verändert das Mikroklima in den Kammern nachhaltig.

Mithilfe zerstörungsfreier Röntgenfluoreszenztechnik identifizierten Wissenschaftler der Technischen Universität München und aus Ägypten die Ablagerungen primär als Natriumchlorid. Dieses Kochsalz ist ein natürlicher Bestandteil des verwendeten Gesteins, wird jedoch erst durch raumklimatische Schwankungen gefährlich.

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Die relative Luftfeuchtigkeit in den Kammern liegt laut den Studienergebnissen bei rund 75 Prozent. Fachleute sehen in diesem spezifischen Wert ein hohes Risiko für die Substanz des Bauwerks.


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„Die Originaloberflächen werden im Laufe von Jahren bis Jahrzehnten zerstört werden“, urteilte der Baustoffchemiker Michael Steiger von der Universität Hamburg, der nicht an der Untersuchung beteiligt war.

Der Experte erklärte dazu, dass die meisten Salze in Bauwerken hygroskopisch seien und je nach Umgebungsfeuchte zwischen einem festen und flüssigen Zustand wechseln.

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„Wenn dieser Prozess zyklisch stattfindet, ist das die schlimmste Situation für so ein Bauwerk“, betonte Steiger mit Blick auf die schwankenden Klimabedingungen.

Nach Ansicht des Baustoffchemikers sind historische Nutzungen oft nicht mit konservatorischen Empfehlungen vereinbar, da sie unweigerlich zu schädlichen zyklischen Variationen des Klimas führen.

Auch andere internationale Wissenschaftler teilen die Sorge um die Beständigkeit des Gesteins im Pyramideninneren und warnen vor unüberlegten Gegenmaßnahmen.

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„Das ist genau die Grenze zwischen fest und flüssig“, erklärte der Physiker Dario Camuffo vom Institut für Atmosphärenwissenschaften und Klima in Padua bezüglich der gemessenen Luftfeuchtigkeit.

Der Physiker wies darauf hin, dass minimale Feuchtigkeitsänderungen den Aggregatzustand des Salzes wechseln lassen, was mittelfristig zum Abplatzen der Steinoberflächen führt.

„Dem Inneren des Steins werden Salze entzogen. Infolgedessen wird das Innere geschwächt und außen kommt es zu einer Salzanreicherung, wobei das Salz nun vom flüssigen in den festen Zustand, die Kristallform, zurückkehrt“, beschrieb Camuffo den zerstörerischen Prozess.

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Den Vorschlag der Studienautoren, die Luftzirkulation in der Cheops-Pyramide zur Senkung der Feuchtigkeit gezielt zu erhöhen, sieht der Physiker kritisch.

„Das ist sehr gefährlich: Ist die Luft feuchter, befeuchtet das die Wand. Ist sie trockener, entzieht das der Wand Wasser und beschleunigt ihr Austrocknen“, warnte Camuffo.

Zur Ermittlung des exakten Einflusses der Touristen werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Pyramide fortan kontinuierlich überwacht, um Schutzmaßnahmen mit dem laufenden Besuchsbetrieb abzustimmen.

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