
Die maltesische Küstenwache eskortiert ein blockiertes ziviles Rettungsschiff – das Bild stammt von 2018. Eigene Rettungen hat das Land fast eingestellt.
Foto: dpa | Jonathan Borg
Malta hat im Jahr 2025 mindestens 34 Mal libyschen Milizen erlaubt, in seine Such- und Rettungszone einzufahren und Boote mit Geflüchteten auf dem Weg nach Europa abzufangen. Über 1500 Menschen wurden dabei gewaltsam nach Libyen zurückgebracht. Das geht aus neuen Daten hervor, die das Malta Migration Archive diese Woche veröffentlicht hat.
Für die Koordination von Rettungseinsätzen ist wie von internationalen Konventionen vorgeschrieben eine Seenotleitstelle zuständig, die jeder Meeresanrainer notifizieren muss. Auch Malta hat ein solches MRCC in Valletta eingerichtet. Im zentralen Mittelmeer liegt das maltesische Rettungsgebiet wie ein Balken waagerecht. Alle aus Libyen und teilweise aus Tunesien kommenden Boote müssen es durchfahren.
In Maltas Rettungszone befanden sich den Zahlen zufolge letztes Jahr über 23 500 Menschen in Seenot. 565 Fälle hat das Malta Migration Archive dazu dokumentiert. Die für die Seenotrettung zuständigen maltesischen Streitkräfte retteten lediglich drei Boote – weniger als ein Prozent.
Das MRCC in Valletta verweigerte zudem wiederholt die Koordination von Rettungsaktionen mit Schiffen der zivilen Rettungsflotte und Handelsschiffen. Unter anderem deshalb könnten 2025 mehr als 1300 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute gestorben sein.
Seit 2020 hat sich die Zahl der Verschleppungen durch die sogenannte libysche Küstenwache in maltesischen Gewässern in etwa verdreifacht. In diesem Zeitraum wurden laut dem Archive über 5100 Menschen in 79 Booten von Milizen nach Libyen zurückgeholt.
Mitunter setzen die libyschen Milizen innerhalb der maltesischen Rettungszone auch Schusswaffen ein: Im vergangenen Oktober eröffnete die Besatzung eines Patrouillenbootes das Feuer auf ein Boot mit 160 Menschen. Die maltesischen Streitkräfte reagierten nicht auf Notrufe. Nach 24 Stunden rettete die italienische Küstenwache das Boot: Eine Person lag im Koma, ein Projektil steckte in ihrem Schädel; zwei weitere waren schwer verletzt.
Das Malta Migration Archive ist ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Organisationen, darunter das Alarm Phone und die von Rettungsorganisationen gemeinsam geführte zivile Seenotleitstelle CMRCC. Die Daten basieren auf dem sogenannten SARchive dieser zivilen Flotte.