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Ein CS-Chef will Staatschef werden
Der frühere CEO von Credit Suisse, Tidjane Thiam, kandidiert als Staatspräsident in Côte d’Ivoire. Dafür gibt er seinen Pass ab.
Publiziert: 14.02.2025, 15:19
Tidjane Thiam will Staatspräsident von Côte d’Ivoire werden: Auftritt an einer Wahlveranstaltung in der Hauptstadt Yamoussoukro.
Bild: Sia Kambou/AFP
Nun hat Tidjane Thiam das Formular eingereicht, um seinen französischen Pass loszuwerden. Der frühere CEO von Credit Suisse will Staatspräsident seines Heimatlandes Elfenbeinküste werden. Bei den Wahlen im Oktober sei er nicht mehr Doppelbürger, sagt Thiam in einer Videobotschaft vergangene Woche, sondern ausschliesslich Ivorer.
Dies ist in Côte d’Ivoire Voraussetzung, um als Präsidentschaftskandidat antreten zu dürfen. Und es hat gewichtige symbolische Bedeutung. Thiam spricht formal von einer «Demande de Libération», einem Antrag auf Befreiung, worauf das Magazin «Jeune Afrique» spottet, es mute an, als ob er aus dem Gefängnis entlassen werden wolle.
Zwischen dem «Gefängnis» Frankreich und Côte d’Ivoire ist die Stimmung angespannt. Das französische Militär werde Elfenbeinküste verlassen, hat Präsident Alassane Ouattara Anfang Jahr erklärt. In Westafrika haben bereits Mali, Burkina Faso und Niger die französischen Truppen nach Hause geschickt, jeweils nach einem Militärputsch und angesichts wachsenden Misstrauens der Bevölkerung gegenüber der einstigen Kolonialmacht.
Thiam ist seit Dezember 2023 Chef der oppositionellen Parti Démocratique de Côte d’Ivoire (PDCI). Die Mitglieder wählten ihn mit über 90% Zustimmung, der Weg zur Präsidentschaftskandidatur schien frei. Doch im vergangenen Herbst erklärte der Parteikollege und frühere Handelsminister Jean-Louis Billon, er wolle ebenfalls nominiert werden.
Traditionellerweise ist eigentlich der Parteichef auch Präsidentschaftskandidat. Nach der Unabhängigkeit 1960 regiert die PDCI das Land bis 1999. Dann folgen ein Militärcoup und ein Bürgerkrieg, 2002 schickt Frankreich Soldaten, und 2004 kommen Uno-Friedenstruppen.
Die nachfolgenden Präsidentschaftswahlen 2010 gewinnt Ouattara, der nach einer umstrittenen Wahl 2020 seine dritte Amtszeit leistet und jetzt Frankreichs Militär verbannt. Er ist 83 und hat vergangene Woche gesagt: «Ich bin bei guter Gesundheit und bestrebt, meinem Land weiterhin zu dienen.»
Ein Vorteil Thiams im Wahlkampf sind seine Herkunft und seine Erfahrung. Er ist Nachfahre von Königin Yamousso, nach ihr ist die Hauptstadt Yamoussoukro benannt, und sein Onkel war Premierminister im ebenfalls westafrikanischen Senegal. Thiam selbst ist ab 1994 Minister. Er privatisiert Staatsbetriebe wie die Telefongesellschaft und die Eisenbahn, und er realisiert Infrastrukturprojekte, darunter ein Kraftwerk für Erdgas, das vor der Küste gefördert wird, sowie den Neubau des Flughafens in der Küstenstadt Abidjan, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Im Militärcoup 1999 wird Thiam verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Sodann bietet ihm der General die Stelle des Stabschefs an, doch Thiam lehnt ab.
Als Nachteil im Wahlkampf erachtet wird sein Werdegang in Frankreich und anderswo. In Paris studiert er zuerst Mathematik und Physik und arbeitet ab 1986 beim Beratungsunternehmen McKinsey. Dorthin kehrt er nach seinen fünf Jahren als ivorischer Minister zurück. Weitere Stationen sind die britischen Versicherer Aviva und Prudential. 2015 wird er CEO von Credit Suisse, 2020 tritt er ab, nach der Affäre um die Beschattung der vormaligen Geschäftsleitungsmitglieder Iqbal Khan und Peter Goerke.
Ein erheblicher Teil der Wählerschaft werde «entwurzelte oder abgesprungene» Politiker nicht wertschätzen, kommentiert «Jeune Afrique». Thiam habe allerdings ein starkes Team zusammengestellt, aus «Thiamisten der ersten Stunde» und Vertrauten eines früheren Staatspräsidenten. Eine Karikatur lässt den bald ausschliesslich ivorischen Thiam sagen: «Liberté, Egalité, Ivoirité.»
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