Ort des Geschehens sind die Slums von Gachororo, einem Stadtteil von Juja. Katharina Wilhelm-Otieno, promovierte Ethnologin aus Pirmasens, ist eine Kennerin des Landes und der Menschen dort. Einen Großteil ihres Berufslebens verbringt die 32-Jährige für Afrika zuständige Redakteurin des Magazins „E+Z/D+C“ in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. In ihrer Freizeit unterstützt sie die Ärmsten der Armen. „Hoffnung schenken“, das ist der scheinbar bescheidene Anspruch der Entwicklungshelferin.
Wie in den Jahren zuvor ist eine Gruppe Ehrenamtlicher des Pirmasenser Vereins „PS:4 Kenia“ in das afrikanische Land aufgebrochen. Die Pirmasenser Gruppe zaubert jungen Mädchen ein Lächeln ins Gesicht, wenn sie an Nachmittagen gemeinsam spielen, Ketten aus Steinen basteln, singen, tanzen, Yoga machen oder Weihnachtsgebäck zubereiten. Der Partnerverein vor Ort „Nguvu Edu Sport“ unterstützt die Kinder aus den Slums, versorgt sie mit Essen und zahlt Schulgeld, Miete und Lebensmittel. Am vergangenen Samstag beim Seniorenmittag wurden nach Gebeten und Ansprachen 200 Kilogramm Mehl an die Besucher ausgeteilt.
Ärzte-Team konnte nicht mitfahren
Wilhelm-Otieno schlägt den Bogen zur Weltpolitik. „Von den Budgetkürzungen der USA für das Gesundheitswesen ist insbesondere der afrikanische Kontinent betroffen. Deshalb sind die Workshops auch ohne Operationen in Gacheroro von immenser Bedeutung“, sagt sie.
Elementare Grundsätze in der medizinischen Versorgung zu vermitteln, steht auf der prall gefüllten To-Do-Liste. Dieses Jahr konnten die Ärzte des Teams nicht mitfahren. Das Lizenzierungsverfahren für ausländische Ärzte wurde von kenianischer Seite ausgesetzt. „Die Leidtragenden sind die Kinder“, stellt die aus Dieburg kommende Krankenschwester, Marlen Wenzel, fest. Sie hat im St. John’s Hospital zusammen mit kenianischen Helfern 500 Menschen mit Vorträgen über Wundversorgung, Ernährung, Krankheitsbilder und Verhütung erreicht. Sozialarbeiter unter den Zuhörern sollen als Multiplikatoren fungieren. „Die hygienischen Umstände und das sehr geringe medizinische Verständnis stimmen mich sehr traurig und berühren mich“, sagt Wenzel.
Drastische Szenen im Slum-Alltag
Der Vereinsvorsitzende Andreas Petry ist seit 13 Jahren regelmäßig in der Entwicklungshilfe Kenias an vorderster Front engagiert. Er schildert drastische Szenen des Alltags: Menschen kauern in den Armenvierteln am Straßenrand – viele lebend, einige aber auch tot. Ursachen der hohen Sterblichkeit sind mangelnde hygienische Zustände. Dem soll mit dem Bau von öffentlichen Toiletten und Duschen in den Slums von Gachororo entgegengewirkt werden. Finanziert wird das Vorhaben ausschließlich mit Spenden. Es fehle nur noch die Genehmigung der Behörden, berichtet der pensionierte Kriminalbeamte aus Pirmasens. Die Bewachung, vor allem nachts, gehört dazu. Damit soll sichergestellt werden, dass Frauen ohne Ängste ihre Körperhygiene betreiben können. Häufige Vergewaltigungen auf dem Weg zu den öffentlichen Toiletten sollen damit verhindert werden.
Wenn die Gruppe nächste Woche den Heimflug antritt, ist sie um 500 Kilogramm Gepäck leichter. Süßigkeiten, Medikamente, Spiele und Hygieneartikel haben ihre Besitzer gewechselt. Einer der Sponsoren ist die Münzhandlung Reppa. „Wir machen die Welt für einige Hundert Menschen ein wenig besser“, lautet das Fazit Petrys.
Weiter lesen
Welche Erfahrungen eine Pirmasenserin in Juja gemacht hat