Sexvideos, Kreditkarten und Toilettengänge: Metas Smart Glasses trainieren KI mit intimen Videos

Die Brillen der Facebook-Mutter zeichnen private Momente auf, die zur KI-Schulung nach Kenia gelangen. Das könnte gegen europäische Datenschutzregeln verstossen.

Zoë Egli Publiziert: 05.03.2026, 18:12 Ein Mann trägt die Ray-Ban Meta Smart Glasses der 2. Generation an einem Meta-Event in San Francisco, September 2023.

Die Smart Glasses von Meta geraten durch neue Enthüllungen in die Kritik.

Foto: Bloomberg via Getty Images

In Kürze: Arbeiter in Kenia sichten intime Videos, die durch Metas Smart Glasses aufgenommen wurden.Filtermechanismen zum Schutz privater Inhalte sollen laut einem Ex-Mitarbeitenden versagt haben.Die Datenübertragung von der EU nach Kenia könnte gegen europäische Datenschutzregeln verstossen.Meta beruft sich auf Nutzungsbedingungen, gibt aber keine Details zur Datenspeicherung bekannt.

Die Smart Glasses von Meta zeichnen mehr auf, als den Nutzern bewusst ist: Eine Recherche der schwedischen Zeitung «Svenska Dagbladet» enthüllt, dass hochsensible Daten und private Momente in die Auswertung und das Training von Metas KI-Systemen gelangen.

So prüfen und kategorisieren Menschen in Kenia Videos, die Sex, Toilettengänge, Kreditkarten und Wohnzimmer zeigen – dabei hätte Meta eigentlich Filtermechanismen einsetzen wollen, die private Aufnahmen aussortieren und Gesichter anonymisieren, um Datenschutz zu garantieren.

Arbeiter in Kenia kategorisieren Sex, Klogänge und Chatverläufe

Die Meta-Brille, die in Kollaboration mit Ray-Ban verkauft wird, verarbeitet Sprache, Text, Bilder und Videos automatisch. Diese Daten werden an Server von Meta übermittelt und landen bei einer Firma namens Sama in Nairobi, Kenia.

Zahlreiche Angestellte von Sama sichten das intime Material, markieren, beschriften und kategorisieren die Videos, um Metas KI weiter zu trainieren und damit die Brille in Zukunft zu optimieren.

Die Smart Glasses von Meta können beispielsweise Informationen für Objekte abrufen, die durch die Brille gesehen werden, auf einen grossen Parkplatz aufmerksam machen oder bei der Orientierung in einer unbekannten Stadt helfen. Das funktioniert, weil eine KI die Bilddaten auswertet.

Jordan Reiche trägt Ray-Ban Meta KI-Brille, während Instruktorin Stacey Lukkarila ihr beim Einrichten per Smartphone in Palmetto, Florida hilft.

Die Mitarbeitenden von Sama können sehen, was die Meta-Brille aufnimmt.

Foto: Imago

Aber ebendiese KI mache Fehler, so ein ehemaliger Meta-Mitarbeiter gegenüber «Svenska Dagbladet». «Die Algorithmen versagen manchmal. Besonders bei schwierigen Lichtverhältnissen werden bestimmte Gesichter und Körper sichtbar», sagt er. Meta hätte eigentlich Filter einsetzen wollen, damit private Inhalte und Gesichter nicht an die Datentrainer gelangten, berichtet er.

Die schwedischen Journalistinnen und Journalisten haben auch mit einem Mitarbeitenden der Firma Sama gesprochen. «Wir sehen alles – von Wohnzimmern bis hin zu nackten Körpern. Meta hat solche Inhalte in seinen Datenbanken. Menschen können sich auf unangemessene Weise selbst filmen und wissen nicht einmal, was sie aufnehmen», erzählt einer. Die Angestellten berichten, wie sie den Meta-Brillen-Trägern beim Pornografiekonsum, beim Sex oder beim Badezimmerbesuch zusehen, sie lesen Chatverläufe und hören Konversationen über Gewalt.

KI wird in Kenia trainiert

In Kenias Hauptstadt Nairobi arbeiten Tausende Menschen in Zentren, die KI-Systeme trainieren. So begann die Firma Sama laut BBC ursprünglich als gemeinnütziges Projekt mit dem Ziel, die Beschäftigung in Kenia zu fördern. Die Datentrainer zeichnen Kästchen um Dinge und benennen sie als Blumentöpfe, identifizieren Verkehrszeichen oder erkennen Möbel und schreiben sie für die KI an.

In den Büros von Sama in Nairobi gibt es Kameras, welche die Mitarbeitenden überwachen. Handys seien nicht erlaubt, auch Geheimhaltungsvereinbarungen müssten sie unterschreiben, erzählt ein Datentrainer der schwedischen Tageszeitung. Sie sehen Bankkarten oder Menschen, die mit der Brille Pornos schauen. Clips, die «enorme Skandale» auslösen könnten, wenn sie an die Öffentlichkeit gelangen würden.

Meta bezieht sich auf Nutzungsbedingungen

Die Enthüllungen von «Svenska Dagbladet» werfen Fragen rund um Metas Datenschutzhandhabung auf. Wenn Meta ihre Smart Glasses in der EU verkauft, muss sich der Konzern an deren Datenschutzverordnung halten. Dass nicht immer klar sei, wann die Brille aufnehme und welche Daten verarbeitet würden, stellt gemäss der Tageszeitung ein Problem dar: Meta übertrage möglicherweise Videos aus der EU nach Kenia, wo diese Datenschutzverordnung nicht gelte.

«Svenska Dagbladet» konfrontierte den Konzern mit ihrer Recherche. Meta beruft sich auf die Nutzungsbedingungen. In diesen sei festgehalten, dass Interaktionen mit KI-Systemen sowohl automatisiert als auch durch menschliche Überprüfung erfolgen könnten. Wie genau diese Überprüfung stattfindet und wie lange die Aufnahmen gespeichert werden, gab Meta nicht preis.

Zum Konzern Meta gehören Facebook, Instagram und Whatsapp. Zusammen haben diese Unternehmen nach Schätzungen neun Milliarden Nutzer.

Meta in der Kritik