Der unlängst vereidigte madagassische Präsident Michael Randrianirina hat den Zivilisten Herintsalama Rajaonarivelo als neuen Regierungschef ernannt. Der ehemalige Vorsitzende der madagassischen Bank BNI verfüge über Erfahrung sowie „Beziehungen zu internationalen Organisationen in anderen Ländern, die mit Madagaskar zusammenarbeiten werden“, teilte der Präsident mit. Demnach soll die Wahl des Regierungschefs im Einklang mit der Verfassung getroffen worden sein.
Nach der Machtübernahme in Madagaskar durch eine Eliteeinheit des Militärs war deren Anführer Randrianirina am Freitag als Präsident vereidigt worden. Zuvor hatte das madagassische Parlament für die Absetzung von Präsident Andry Rajoelina votiert, der Berichten zufolge nach wochenlangen regierungskritischen Protesten ins Ausland geflohen war.
Randrianirina, Chef der Militäreinheit Capsat, versprach die Ernennung einer zivilen Regierung und stellte Neuwahlen in 18 bis 24 Monaten in Aussicht. Ein vom Militär geführter Ausschuss soll demnach zusammen mit einer Übergangsregierung das Land führen. Alle staatlichen Institutionen mit Ausnahme des Parlamentsunterhauses wurden vom Militär aufgelöst.
UN werten Machtübernahme als verfassungswidrig
Die Vereinten Nationen verurteilten die Machtübernahme durch das Militär als illegal und verfassungswidrig. Die Afrikanische Union schloss Madagaskar aus.
Die Proteste in Madagaskar hatten am 25. September begonnen. Auslöser der Unruhen waren regelmäßige Stromausfälle von mehr als zwölf Stunden pro Tag sowie Probleme bei der Wasserversorgung. Die Protestbewegung hatte unter anderem Rajoelinas Rücktritt gefordert. Beteiligt hatten sich vor allem junge Menschen, weshalb sie unter dem Namen Gen Z bekannt wurde. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Proteste mindestens 22 Menschen getötet und rund hundert weitere verletzt.
Drei Viertel der Einwohner Madagaskars leben in Armut, das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei unter 20 Jahren. Angaben der Weltbank zufolge sank das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen der Unabhängigkeit 1960 und dem Jahr 2020 um 45 Prozent.
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