
Beerdigung eines Ebola-Opfers auf dem Friedhof von Rwampara im Nordosten Kongos
Foto: dpa/AP/Moses Sawasawa
Der Ebola-Ausbruch in Zentralafrika nimmt weiter an Heftigkeit zu. Nach jüngsten Angaben vom Montag gibt es in der Demokratischen Republik (DR) Kongo mehr als 900 Verdachts- und 220 mutmaßliche Todesfälle. Im Nachbarland Uganda gibt es mittlerweile sieben importierte Verdachtsfälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hob am Wochenende die Risikoeinschätzung auf nationaler Ebene für die DR Kongo von »hoch« auf »sehr hoch« an. Auf regionaler Ebene bleibt das Risiko bei »hoch«, auf globaler Ebene bei »gering«.
Die WHO unterstützt die nationalen Behörden unter anderem bei Infektionsprävention und Risikokommunikation, Kontaktverfolgung und Einrichtung von Behandlungszentren sowie Stärkung der Laborkapazitäten. Dafür wurden 3,9 Millionen US-Dollar aus einem Notfallfonds bereitgestellt. Auch wenn die UN-Institution häufig mit gefährlichen Erregern konfrontiert ist, nimmt sie die Lage besonders ernst. »Wir stehen vor einem äußerst ernsten und schwierigen Ausbruch«, betonte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus mehrfach. »Es wird erst schlimmer werden, bevor es besser wird.« Er reiste am Dienstag zusammen mit dem Chef des WHO-Programms für Gesundheitsnotfälle, Chikwe Ihekweazu, in die DR Kongo, um sich ein Bild von der Lage zu machen.
Ebola-Viren werden durch Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten übertragen und können influenzaähnliche Symptome, Erbrechen und Durchfall und schließlich innere und äußere Blutungen sowie Leber- und Nierenfunktionsstörungen verursachen. Bei der jetzt zirkulierenden Bundibugyo-Virus-Art lag die Todesrate in der Vergangenheit bei 30 bis 50 Prozent der infizierten Menschen.
Mehrere Gründe führt die WHO für ihre Besorgnis an: Da ist zum einen das sehr späte Erkennen des Ausbruchs, sodass laut Tedros Adhanom Ghebreyesus »die Epidemie uns einen Schritt voraus« ist. Sie tritt in städtischen und stadtnahen Gebieten in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu der DR Kongo mit einer sehr mobilen Bevölkerung auf. Hinzu kommt die unsichere Lage in Ituri, wo das Militär regiert und Dutzende bewaffnete Gruppen aktiv sind. Das Misstrauen in der lokalen Bevölkerung gegenüber externen Behörden ist hier groß. Und schließlich gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapeutika gegen das Bundibugyo-Virus.
Epidemiologen teilen die Besorgnis. Das Bundibugyo-Virus breitete sich lange unkontrolliert und unidentifiziert aus. Vermutungen gehen von mehr als zwei Monaten aus, auf dem Schirm der Gesundheitsbehörden ist der Ausbruch erst seit elf Tagen. Das macht die Bemühungen so schwierig, es einzudämmen. Zudem sind die Fallzahlen von Anfang an höher als bei früheren Ebola-Ausbrüchen und steigen deutlich schneller an. Modellierungen einer internationalen Forschergruppe gehen zudem von einer tatsächlich noch höheren Fallzahl aus.
»Meine Hoffnung wäre, dass die Kurve mit den Maßnahmen schnell ein Plateau erreichen wird.«
Mohamed Janabi WHO-Regionaldirektor für Afrika
Auch wenn Ausmaß und Geschwindigkeit der Epidemie nichts Gutes erwarten lassen, ist das nicht ausgemacht. In den nächsten Wochen werde sich zeigen, wie schnell und effektiv die Kontrollmaßnahmen einschließlich Fallerkennung und Isolation sowie Öffentlichkeitsarbeit hochgefahren werden, sagt Mohamed Janabi, Regionaldirektor der WHO für Afrika. »Meine Hoffnung wäre, dass die Kurve mit den Maßnahmen schnell ein Plateau erreichen wird.«
Es gibt vor allem einen großen Unterschied zu der verheerenden Ebola-Epidemie in Westafrika 2012-2014 mit mehr als 10 000 Toten: »Wir kennen dieses Virus, und wir wissen, wie wir es stoppen können«, erklärte David Wohl, Spezialist für Infektionskrankheiten an der University of North Carolina, gegenüber dem Fachblatt »Nature«. Es gibt Expertise vieler Fachleute, außerdem hat die Bevölkerung eine gewisse Erfahrung mit dem tödlichen Erreger.
Gleichzeitig läuft eine fieberhafte Suche nach Therapeutika und Impfstoffen, koordiniert von der WHO und mehreren Partnerorganisationen wie Africa CDC, der Gesundheitsinstitution der Afrikanischen Union. Bei Vakzinen sieht es eher mau aus. Der einzige zugelassene Ebola-Impfstoff namens Ervebo ist hochwirksam gegen den Zaire-Stamm, aber es ist völlig unklar, wie gut er gegen das Bundibugyo-Virus wirken würde. »Es ist eine Art Münzwurf«, meint Thomas Geisbert, Virologe an der medizinischen Abteilung der University of Texas in Galveston, gegenüber »Nature«. Bis eine angepasste Bundibugyo-Version vorliegt, dürfte es laut WHO sechs bis neun Monate dauern. Eine weitere Option ist ein Impfstoff, der von der University of Oxford und dem Serum Institute of India in Pune entwickelt wird. Auch dieser dürfte erst in mehreren Monaten verfügbar sein. Auch hier gibt es bisher keine Testergebnisse.
Bei Therapien sieht es besser aus. Hier gibt es zumindest positive Ergebnisse aus Versuchen an Primaten. Die WHO hat empfohlen, zwei experimentelle Behandlungen für die Bundibugyo-Virus-Krankheit in einer klinischen Studie zu testen. Es handelt sich um das Breitspektrum-Antivirenmittel Remdesivir sowie MBP134, eine Mischung aus zwei monoklonalen Antikörpern. Sie könnten bei dem Ausbruch getestet werden, eine vorläufige Zulassung der Regierungen Kongos und Ugandas vorausgesetzt.
Und so schlagen bei den Experten wieder einmal zwei Herzen in der Brust: Zieht sich die Epidemie länger hin, könnte sie hilfreiche Hinweise für die Entwicklung wirksamer und verträglicher Impfstoffe und Therapeutika liefern. Eine solche Katastrophe mit entsprechend hohen Opferzahlen kann aber niemand ernsthaft wollen.