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Algeriens staatlicher Energiekonzern Sonatrach verstärkt seine Neuausrichtung auf den asiatischen Märkten für Flüssiggas (LPG) und nutzt dabei die Spannungen im Persischen Golf sowie die Schwierigkeiten bei der Schifffahrt in der Straße von Hormus, die die Energieströme nach Asien verändern. Laut Branchenzahlen der Energieplattform „Attaqa“ sanken die weltweiten LPG-Exporte auf See bis Mai 2026 auf rund 4,8 Millionen Barrel pro Tag, verglichen mit 5,4 Millionen Barrel pro Tag vor der regionalen Eskalation zwischen Iran, Israel und den USA. Der Angebotsrückgang aus dem Golf eröffnet neue Handelsmöglichkeiten, die Algerien nun insbesondere in China und Indien – zwei stark von Energieimporten abhängigen Märkten – nutzen will.

Vor diesem Hintergrund hat Sonatrach die Exportpreise für Propan und Butan gesenkt, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Laut Attaqa wird algerisches Propan derzeit für rund 700 US-Dollar pro Tonne gehandelt, während der Butanpreis auf etwa 880 US-Dollar gefallen ist – ein Rückgang von bis zu 18 Prozent gegenüber dem vorherigen Niveau. Die Strategie zielt vor allem darauf ab, asiatische Abnehmer zu gewinnen, die mit zunehmenden Lieferschwankungen aus dem Golf konfrontiert sind. Die Neuausrichtung von Sonatrach ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung der internationalen Energiemärkte, die durch die Hormuz-Krise ausgelöst wurde. Die Spannungen in der Region drängen mehrere asiatische Länder, insbesondere Indien, dazu, ihre Energieversorgungsquellen schneller zu diversifizieren, um ihre Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Persischen Golf zu verringern.

Sonatrach hatte sich bereits in den Jahren nach der globalen Energiekrise 2022 auf diesen Wendepunkt vorbereitet und die Lieferungen nach Asien schrittweise erhöht. Im vergangenen März unterzeichnete der Konzern zudem seinen ersten regelmäßigen Flüssiggasliefervertrag mit einem chinesischen Kunden und erreichte damit einen wichtigen Meilenstein bei der Erschließung des asiatischen Marktes. Die Zahlen der Branche sind weiterhin beeindruckend: 2024 exportierte Sonatrach rund 6,1 Millionen Tonnen Flüssiggas und erzielte damit Exporterlöse von über 444 Milliarden Dinar. Algerien bestätigt damit seine Position unter den weltweit führenden Produzenten in diesem Sektor und profitiert zudem von der strategischen Lage der Energieterminals in Arzew an der Westküste des Landes, die schnelle Verbindungen sowohl nach Europa als auch zu internationalen Seewegen gewährleisten.

Im Bereich Flüssigerdgas (LNG) gestaltet sich die Lage jedoch komplexer. Im ersten Quartal 2026 sanken die algerischen LNG-Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 %. Damit fiel das Land weltweit auf den zehnten Platz unter den Exporteuren zurück, konnte aber in Afrika den zweiten Platz hinter Nigeria behaupten, das im gleichen Zeitraum ein deutliches Wachstum verzeichnete. In diesem Zusammenhang bleibt die Energieinfrastruktur von Arzew an der algerischen Westküste zentral für die Expansionsstrategie von Sonatrach. Die geografische Nähe zu Europa und die vergleichsweise günstigen Kosten des Seetransports im Mittelmeer verschaffen Algerien weiterhin einen logistischen Vorteil gegenüber den Produzenten am Golf. Laut Schätzungen von S&P Global könnte eine Normalisierung der Energiemärkte am Golf selbst bei einer regionalen Deeskalation sechs Monate bis ein Jahr dauern. Für Sonatrach besteht die Herausforderung daher darin, die gegenwärtige Phase der Spannungen und Volatilität in langfristige Handelsabkommen umzuwandeln, die Algeriens Präsenz auf den asiatischen Energiemärkten dauerhaft festigen.

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