
Bei der Rad-WM in Ruanda hat Miguel Heidemann beim Einzelzeitfahren überrascht. Das ist sein Ziel auch für den Mixed-Wettbewerb, sagt er im WDR-Interview.
Miguel Heidemann stand am Sonntagnachmittag völlig verschwitzt in der tropischen Hitze von Kigali. Der 27-jährige Radprofi hatte gerade das Einzelzeitfahren bei der WM in Ruanda absolviert – eine knappe Stunde höchste Belastung bei beinahe 30 Grad und enormer Luftfeuchtigkeit. „Ich bin total platt“, stammelte der 27-Jährige. Aber Heidemann konnte echt zufrieden sein. Mit einem 17. Platz in dem Weltklassefeld hatte er die Ansprüche mehr als erfüllt.
„Ich bin sehr zufrieden, auch wenn mir am Ende so ein wenig die Kraft ausgegangen ist“, sagte der in Trier geborene Athlet. Dass Heidemann, der für das in Arnsberg registrierte drittklassige Radteam Rembe – radnet startet, überhaupt für die Weltmeisterschaften nominiert wurde, ist allein ein großer Erfolg für den bergfesten Allrounder. Als unterklassiger Fahrer ist er normalerweise bei den größten Rennen im Radsport-Kalender nicht dabei – bei der WM startet er nun gegen Pogacar und Co. – die Besten der Welt.
Vorfreude auf den Mixed-Wettbewerb
Das Resultat im Zeitfahren war stark, die nächste Herausforderung wartet: Am Mittwoch (24.09.2025) ist er in einem deutschen Sechser-Team im Mixed-Wettbewerb dabei. Eine noch relativ junge Disziplin im Radsport, bei der drei Männer und drei Frauen gegen andere Teams antreten.
Für Team Deutschland zudem ein Wettbewerb, der gute Erinnerungen wachruft. Letztes Jahr bei der WM in Zürich belegte das Team Rang zwei. Mit Franziska Koch, Liane Lippert, Antonia Niedermaier, Marco Brenner, Max Schachmann und Heidemann. Das Erfolgsteam ist zu großen Teilen auch im afrikanischen Osten wieder beisammen. Lediglich der erkrankte Schachmann und Brenner sind nicht mit dabei. Für den Schachmann rückt U23-Fahrer Louis Leidert ins Team. „Sie sind alle in guter Verfassung und kämpfen morgen um eine Medaille“, sagt Bundestrainer André Korff.
Aufmerksamkeit durch Deutschland Tour
Gut gelaunt: Miguel Heidemann und Kollege Nils Politt
Man darf die Dinge nicht überfrachten, aber Heidemann hat sich in den letzten Wochen zu einer Art Überraschungs-Treffer im deutschen Radsport gemausert. Was vor allem mit der Deutschland Tour zu tun hat, die Anfang August durch die Lande zog. Da pedalierte der studierte Wirtschaftsingenieur über Tage im Rampenlicht der TV-Stationen, als er sich mit einer Handvoll Konkurrenten ein umkämpftes Ringen um das Trikot des besten Bergfahrers der Rundfahrt lieferte.
Heidemann hat das Bergtrikot zwar am Ende nicht gewinnen können, dennoch sind auch aufgrund seiner sympathischen TV-Interviews seither ein paar mehr Augen auf ihn und seine Leistungen gerichtet. Wobei er selbst seinen Auftritt bei der Heimatrundfahrt im Gespräch mit wdr.de eher kleinredet: „Ehrlich gesagt habe ich in meiner Karriere schon größere Erfolge gefeiert als bei den Deutschland Tour, wo ich das Bergtrikot am letzten Tag noch verloren habe“, grinst er.
Die Oma war live dabei
Heidemann ordnet noch einmal ein: „Eigentlich sollte ich ja so eine Road-Captain für unser Team sein. Als ich dann plötzlich um das Bergtrikot gefahren bin, ging das gar nicht mehr. Aber für unser Team und unsere Sponsoren war es da einfach wichtiger, das Trikot so lange wie möglich zu halten.“ Aber klar: Die TV-Präsenz war etwas Besonderes. Für ihn und auch sein Umfeld: „Das Schönste an der Tour war vielleicht, dass meine Oma mich noch einmal live im TV bei einem Radrennen verfolgen konnte.“
Dass er bei der WM dabei sein würde, hat er erst kurz vor Reiseantritt erfahren. Es war gar keine spezielle Vorbereitung mehr möglich, auch nicht auf die Höhenlage der Stadt auf rund 1600 Meter. „Klar, wenn ich es mit etwas Vorlauf gewusst hätte, hätte ich mich auch etwas spezieller vorbereitet und mir so einen kleinen Vorteil gegenüber der Kon kurrenz verschafft. Aber das ging eben nicht“, bedauert er.
„Sehe uns in einer Joker-Rolle“
Für die Mixed-Staffel sieht er Team Deutschland in einer guten Außenseiterrolle. „Letztes Jahr haben wir Gold nur ganz knapp verpasst. Aber diesmal fehlt uns Max Schachmann, was eine enorme Schwächung ist. Ich würde uns eine gute Joker-Position zuteilen“, sagt er.
Und klar: Man fährt als Radprofi auch nicht alle Tage in afrikanischen Ländern. „Das ist schon enorm interessant“, sagt Heidemann, der allerdings wie alle Teamkollegen auch höllisch aufpasst, sich nicht irgendwo einen Infekt einzuhandeln. „Wir bleiben nach unseren Trainings viel im Hotel, essen und trinken auch nur dort“, sagt er. Mit einer Ausnahme allerdings: „Ein Stopp in einem Café nach einer Trainingsfahrt gehört einfach dazu.“
Dann genießt er auch den Kontakt zur Bevölkerung in der ruandischen Hauptstadt: „Die Leute umschwärmen uns regelrecht und wir haben echt Spaß mit ihnen. Das genießen wir sehr.“
Unsere Quellen:
Telefonat mit Sportler
sportinformationsdienst
ARD-Korrespondent vor Ort