
Dass Deniz Undav auch gegen Ghana nicht in der Startelf des DFB-Teams stand, sondern Kai Havertz und Nick Woltemade, hat für Diskussionen gesorgt. Julian Nagelsmann argmentierte mit den Stärken des Stuttgarters und vorherigen Absprachen.
Kaum hatte der DFB die deutsche Aufstellung für das Testspiel gegen Ghana (2:1) in Stuttgart bekannt gegeben, füllten sich die Kommentarspalten in Sekundenschnelle mit Posts voller Unverständnis. Der Name, der in den Reaktionen der User am häufigsten vorkam: Deniz Undav.
Dass der Stürmer des VfB Stuttgart trotz seiner Erfolgsquote (36 Torbeteiligungen in 38 Pflichtspielen) erneut nicht in der Startelf stand, war eine Sache. Dass stattdessen mit Kai Havertz und Nick Woltemade gleich beide direkten Konkurrenten aufgeführt waren, hob das Level des Unverständnisses noch weiter. Julian Nagelsmann entschied sich wieder für die beiden Angreifer, die in dieser Saison mehrere Probleme mit sich tragen – sie hatten (Havertz als Starter, Woltemade als Joker) schon in der Schweiz den Vorzug vor Undav erhalten.
Klare Rollenverteilung im DFB-Sturm
Im Sportschau-Interview vor dem letzten Test, bevor am 12. Mai der WM-Kader bekannt gegeben wird, sprach Nagelsmann mit Moderatorin Esther Sedlaczek und Experte Bastian Schweinsteiger über die für viele kontroverse Entscheidung. „Wir haben Rollen definiert und wenn ich ein Rollengespräch mit einem Spieler führe, muss ich mich auch ansatzweise daran halten, weil ich sonst meine Glaubwürdigkeit vergessen kann“, sagte der Bundestrainer, der die Rangordnung schon vorher festgelegt hatte.
Zudem sieht Nagelsmann Undav ganz offensichtlich als den besseren Joker in seinem Spiel an. „Deniz hat viele gute Aktionen in der Liga, wenn der Gegner schon ein wenig müde ist, weil er eine außergewöhnliche Kreativität hat. Die geht so ein bisschen flöten, wenn er erstmal im Spiel sehr viel arbeiten muss“, so der 38-Jährige. Auf die Nachfrage, ob Undav diese Rolle gut annehme, antwortete Nagelsmann kurz: „Exakt.“
Undav erzielt sein Joker-Tor
Nagelsmann wechselte Undav zur zweiten Halbzeit für Serge Gnabry ein und in der Joker-Rolle traf der Stuttgarter dann tatsächlich noch in der 88. Minute zum 2:1. Nagelsmann sah sich dadurch bestätigt. „Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er ihn so reinmacht“, sagte der Bundestrainer nach dem Spiel. „Es war schon ein langer Schritt, der nach 70 Minuten – auch im Hinblick auf den Sommer bei 42 Grad – für ihn schwierig sein kann.“
Allerdings sagte Nagelsmann auch, dass er Undavs Leistung bis zum Tor „nicht gut“ fand. „Er hat, glaube ich, einmal den Ball berührt.“
Nagelsmann: „Ich mache mir nicht so große Sorgen um Nick“
Der erfolgreichste Stürmer muss sich also weiter mit der zweiten Reihe zufriedengeben, Havertz und auch Woltemade genießen weiter das Vertrauen, obwohl es für ihn bei Newcastle United suboptimal läuft. „Wir haben schon darüber gesprochen, ich habe versucht, ihn ein bisschen zu beruhigen. Es hat nichts mit ihm persönlich zu tun, ich glaube, das ist auch die Philosophie von Newcastles Trainer Eddie Howe, dass er da viel durchtauscht. Deswegen mache ich mir nicht so große Sorgen, weil es alle betrifft, nicht nur Nick“, sagte Nagelsmann.
Der Bundestrainer weiter über Woltemade: „Wir müssen ihm hier schon Vertrauen geben, das spürt er auch, er trainert auch gut. Das ist ein Spieler mit viel Perspektive, der Kai auch entlasten kann, wenn wir einen ähnlichen Spielertypen brauchen. Dann haben wir auch noch Deniz, der sicher Einsatzminuten bekommt, der es auf eine andere Art sehr gut macht, er ist noch mal mehr so ein Vollstrecker. Wir haben da genug Potenzial.“
Stuttgarter Publikum fordert Undav und wird erhört
Für Nagelsmann bleibt Havertz, der gegen Ghana auf der rechten Offensivseite spielte, die Nummer eins, Woltemade der B-Mittelstürmer – obwohl er seit Dezember in der Premier League ohne Tor ist. „Ich habe im letzten Jahr, glaube ich, echt wichtige Tore geschossen und gute Spiele gehabt. Gerade, weil es im Verein gerade nicht so gut mit dem Toreschießen klappt, was aber auch andere Gründe hat, freue ich mich, dass ich hier spiele und das Vertrauen kriege“, sagte Woltemade im Sportschau-Interview.
Für den ehemaligen Stuttgarter war die Partie auch eine Rückkehr an seine alte Arbeitsstätte: „Es war eine tolle Zeit hier“, sagte Woltemade vor dem Spiel. Das Stuttgarter Publikum hielt mit seiner Meinung zu Nagelsmanns Entscheidung allerdings nicht hinter dem Berg. Schon in der ersten Hälfte der Partie brandeten mehrfach „Deniz Undav“-Sprechchöre auf. Nach der Halbzeitpause tat Julian Nagelsmann den heimischen Anhängern den Gefallen und brachte Undav ins Spiel – mit bekannt erfolgreichem Ende.
