16.10.25 – Noch vor wenigen Jahren lebte er in Somalia, heute steht Omar Hussein Gulied mitten im Berufsleben. Der 20-Jährige absolviert bei Dröder in Künzell (Kreis Fulda) eine Ausbildung zum Fachlageristen und ist damit Teil eines Erfolgsprojekts, das zeigt, wie Integration durch Ausbildung gelingen kann. Möglich machen das engagierte Betriebe, die Unterstützung der Arbeitsagentur und junge Menschen mit viel Motivation.

Der Mann aus Somalia kam 2022 nach Deutschland und hat 2024 seine Ausbildung bei der Spedition Dröder begonnen, am 1. August ist der Auszubildende in das zweite Lehrjahr eingestiegen – und ist damit ein Vorbild für viele Andere.

Das mittelständische Familienunternehmen hat seinen Sitz in Künzell. …

Omer Hussein Gulied ist 20 Jahre alt und vor drei Jahren aus Somalia nach Deutschland …

Bei Dröder macht er eine Ausbildung zum Fachlageristen.

Vom Berufsorientierungskurs zum Traumjob
Omar kam vor rund drei Jahren allein nach Deutschland und wusste früh: Er möchte arbeiten, ankommen, sich etwas aufbauen. Auf dem Azubicampus von „pings“ in Fulda fand er eine erste Bleibe, über das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW) kam er in ein Berufsorientierungsprogramm und lernte dann Dröder kennen. Heute ist er im zweiten Ausbildungsjahr zum Fachlageristen, fährt mit dem Bus zur Arbeit und plant, auch nach seinem Abschluss im Unternehmen zu bleiben.

„Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt er bei einem Pressetermin am Mittwochmorgen. In seiner Freizeit spielt er Fußball mit Freunden, seine Familie hört er täglich am Telefon. Eins wird beim Termin klar: Omar ist motiviert! In kürzester Zeit hat er sich beachtliche Deutschkenntnisse angeeignet, sein Engagement wird von allen Seiten lobend hervorgehoben. Auch den Führerschein macht er gerade, der Staplerschein gehört bei Dröder ohnehin zur Ausbildung dazu.

Gerald Krug und Hans Jörg Dröder.

Matthias Dengler, Chef der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda.

Traditionsunternehmen mit Perspektive

Dröder ist ein echtes Traditionsunternehmen: 1952 vom Großvater gegründet, wurde es 2006 vom Vater übernommen und wird seit rund einem Jahr von Hans-Jörg Dröder geführt. Mit über 250 Beschäftigten, rund 140 Fahrzeugen im Fuhrpark und 60.000 Quadratmetern Lagerfläche zählt das mittelständische Familienunternehmen zu den großen Logistikdienstleistern der Region. Täglich werden knapp 1.000 Kunden beliefert, von Umzügen über Lagerlogistik bis zur Konfektionierung.

Doch wie viele Unternehmen in der Branche steht auch Dröder vor Herausforderungen: „Junge Fachkräfte zu finden, wird immer schwieriger“, sagt Gerald Krug von der Personalabteilung. „Deshalb sind junge Menschen mit Migrationshintergrund für uns sehr interessant – auch wenn es natürlich Hürden gibt.“ Mit der Unterstützung der Arbeitsagentur funktioniere das in Fulda aber hervorragend.

Win-win-Situation für alle

Luzia Kremser und Matthias Dengler von der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda sehen in der Ausbildung den wichtigsten Schlüssel zur Fachkräftesicherung. Omar sei ein „tolles Vorbild dafür, wie Integration und Ausbildung Hand in Hand gehen können“. Eine wichtige Rolle spielt dabei aber auch das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, was den Asylanten dabei hilft, einen Berufsweg zu finden. „Im Endeffekt gibt es hier drei Stellen, die sich treffen – der Arbeitnehmer, wir als Vermittler und der Arbeitgeber. Wenn man es so sieht, ist es eine Win-win-Situation für alle.“

„Wir bilden aus, um unseren eigenen Fachkräftenachwuchs zu sichern“, sagt Krug. Integration wird dabei aktiv gelebt: Mehr als 20 Nationalitäten arbeiten bei Dröder. „Mir ist egal, wo jemand herkommt – Hauptsache, wir können gut zusammenarbeiten. Bei uns sind die Mitarbeiter keine Nummern.“ Und auch Omar bestätigt das und freut sich auf eine weitere Zukunft bei Dröder. (ems) +++