
Seenotrettungsboot der maltesischen Küstenwache. Zu Einsätzen fährt die nur noch selten hinaus – Malta lässt aus Libyen kommende Boote von der dortigen Küstenwache zurückholen .
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Im zentralen Mittelmeer sind erneut mindestens elf Menschen ertrunken. Vor der Küste Maltas sank am Sonntag ein Schlauchboot mit rund 60 Migrant*innen, 53 wurden gerettet, bislang wurden elf Leichen gefunden. Das Boot hatte in Libyen abgelegt und kenterte rund 50 Seemeilen östlich der Insel außerhalb Maltas Hoheitsgewässern.
Fischer hatten die Seenotleitstelle in Valletta alarmiert. Daraufhin schickten die Armed Forces of Malta (AFM) eigene Einheiten in das Gebiet – das ist auffällig, denn Malta rettet bei Abfahrten aus Libyen selten. Auch die italienische Küstenwache beteiligte sich an dem Einsatz, nach Angaben der AFM auf Ersuchen der maltesischen Regierung.
Bereits beim Versuch der Schiffbrüchigen, ein Fischerboot zu erreichen, waren mehrere Personen ins Wasser gefallen. Die Migrant*innen wurden nach der späteren Rettung medizinisch versorgt. Eine Person mit akutem Behandlungsbedarf wurde per Helikopter nach Malta geflogen. Die Suche nach weiteren Vermissten dauert an.
Hunderte Tote seit Jahresbeginn
Das Unglück ereignete sich zwar außerhalb maltesischer Hoheitsgewässer, aber innerhalb der maltesischen Zuständigkeit für Seenotrettung. Diese Such- und Rettungszone des Inselstaats umfasst Tausende Quadratkilometer und grenzt an die Zonen Libyens und Tunesiens.
Inzwischen hat Malta die Pflichten in seiner Seenotrettungszone weitgehend an Milizen der sogenannten libyschen Küstenwache abgegeben. Im Jahr 2025 wurden daraufhin in mindestens 34 Fällen Boote mit Geflüchteten abgefangen und über 1500 Menschen gewaltsam nach Libyen zurückgebracht. Die maltesischen Streitkräfte retteten in diesem Zeitraum lediglich drei Boote in ihrer eigenen Rettungszone selbst.
Die Seenotleitstelle in Valletta verweigerte nach Angaben von Helfer*innen zudem wiederholt die Koordination mit zivilen Rettungsschiffen und Handelsschiffen.
Nur auf zivile Flotte ist Verlass
Die zentrale Mittelmeerroute – der Seeweg von Nordafrika nach Italien und Malta – gilt als eine der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen dort seit Jahresbeginn mindestens 827 Menschen ums Leben. Einige NGOs gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl bereits die Marke von 1000 überschritten hat. Im gesamten Jahr 2025 starben auf dieser Route nach IOM-Angaben über 1330 Menschen – zusätzlich zu den Todesopfern auf anderen Seewegen nach Europa.
Maltas Innenminister Glenn Bedingfield schrieb nach dem Unglück auf X.com: »Jedes verlorene Leben ist eines zu viel. Wir brauchen stärkeres europäisches Vorgehen gegen Menschenschmuggler und einen koordinierten mediterranen Ansatz in der Migrationspolitik, um weitere Tragödien zu verhindern.«
Demgegenüber fordern Seenotrettungsorganisationen ein staatlich getragenes europäisches Rettungsprogramm im Mittelmeer. Bis dahin ist nur auf die zivile Flotte Verlass: Allein 2025 retteten die Organisationen im zentralen Mittelmeer insgesamt 10 263 Menschen.