Stand: 10.06.2026 08:30 Uhr
Das Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg hat ein ungewöhnliches Geschenk erhalten. Vom Vorbesitzer als Moorleiche ausgegeben, zeigte sich nun die wahre Herkunft jenes Objekts, das einmal als Falke durch die Lüfte flog.
Der Körper kam als Teil einer Schenkung und war vorher über Generationen im Privatbesitz einer Familie. Die war von einer sogenannten Moorleiche ausgegangen. Doch das Oldenburger Landesmuseum hat jahrelange Erfahrung mit Objekten aus dem Moor. Dass es sich bei dem Körper eher nicht um eine Moorleiche handelt, zeigten die Leinen, in die das Objekt eingewickelt ist, sagt Ägyptologe Alexander Ullmann. Auch hätten bei einer Moorleiche dunklere Partikel in den Fasern gefunden werden müssen. Vor allem aber: Leinen hätte sich im Moor aufgelöst. Helle Partikel hätten außerdem auf Harz gedeutet, alles habe mithin in Richtung Altes Ägypten gedeutet, sagt Ullmann, der im Rahmen einer Fortbildung am Oldenburger Museum arbeitet.
Tiermumien waren im Alten Ägypten ein Massenprodukt

Ägyptologe Alexander Ullmann hat den Falken umfassend untersucht – und untersuchen lassen, etwa in einer Radiologiepraxis.
Ullmann analysierte die Vogelmumie weiter. Er suchte auch nach Vergleichsobjekten und wurde im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim fündig. Dort gibt es eine bedeutende Sammlung an Tiermumien aus dem alten Ägypten. C14-Datierung, Computertomographie und mikroskopische Untersuchungen zeigten schließlich: Die Mumie ist etwa 2.400 Jahre alt. Nachdem Alter und Herkunft klar waren, wollte das Landsmuseum die Falken-Mumie in ihr Herkunftsland zurückgeben. Doch die kontaktierte Uni in Kairo sagte: „Kein Interesse.“ Denn Tiermumien seien im Alten Ägypten ein Massenprodukt gewesen, so die Antwort der zuständigen Professorin. Ob Massenprodukt oder nicht – Alexander Ullmann ist begeistert und sagt: „Dass sich hinter der unscheinbaren Vogelmumie ein so spannendes Objekt aus dem Alten Ägypten verbirgt, hat mich sehr überrascht und zeigt, wie viel Forschungspotenzial auch in älteren Sammlungsstücken steckt.“
Die C14-Methode beruht auf der Bestimmung des Isotopenverhältnisses von radioaktivem Kohlenstoff 14C zum stabilen Isotop C12. Der radioaktive Kohlenstoff entsteht in der Atmosphäre und wird später von allen Lebewesen auf der Erde aufgenommen. Während der Lebenszeit bleibt der C14 -Gehalt in den Organismen weitgehend konstant, da diese im steten Austausch mit der Atmosphäre stehen. Wenn jedoch ein Organismus stirbt, endet der Austausch mit der Atmosphäre. Der C14-Gehalt wird nun allein durch den radioaktiven Zerfall bestimmt, der mit einer bestimmten Halbwertszeit vonstatten geht, während die stabilen Kohlenstoff-Isotope erhalten bleiben. Aufgrund dessen lässt sich durch Bestimmung des Isotopenverhältnisses C14/C12 das Alter der Probe bestimmen. Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Der Mann im Landesmuseum Emden soll Erkenntnisse zum frühmittelalterlichen Alltag liefern. Er wurde 1907 entdeckt.

Am 19. Mai 1952 stoßen Torfarbeiter auf menschliche Knochen. Um die Vergangenheit der Mumie ranken sich lange Spekulationen.

Mit dem Geld sollen Sicherheit und Brandschutz verbessert werden. Aktuell wird die neue Ägypten-Dauerausstellung gebaut.