Zwei Schussopfer in zwei Tagen – die Spur führt zu einer deutschen Millionärsdynastie

Auf einer Jagdlodge in Südafrika sterben innerhalb von 24 Stunden zwei Menschen. Eine der Toten ist Caroline von Rantzau, Erbin einer der reichsten deutschen Reederfamilien.

Edgar Schuler Publiziert heute um 19:22 Uhr Sonnenstrahlen durchdringen Baumkronen in einer afrikanischen Savannenlandschaft mit einem gepflasterten Weg und trockenem Boden.

Die Lodge Leeuwfontein im Norden Südafrikas. Auf dem Jagdanwesen der Familie von Rantzau ereigneten sich Ende Mai und Anfang Juni zwei Todesfälle.

Foto: PD

In Kürze: Zwei Personen starben durch Schüsse auf dem Familienanwesen Leeuwfontein in Südafrika.Betroffen sind die 26-jährige Caroline von Rantzau sowie ein Mitarbeiter der Lodge.Caroline galt als künftige Mitverantwortliche in der Reederei-Gruppe mit rund 1200 Mitarbeitenden.Obduktionen sollen nun die genauen Todesumstände der beiden Fälle klären.

Zunächst schien es nur ein tragischer Unfall in Südafrika zu sein. So stellte die Familie den Tod der 26-jährigen Deutschen Caroline von Rantzau auf dem familieneigenen Anwesen Leeuwfontein im Norden Südafrikas zunächst dar. Doch inzwischen ermitteln die Behörden wegen zweier mysteriöser Todesfälle, die sich auf derselben Lodge ereignet haben.

Was genau auf dem Anwesen geschehen war, ist unklar. Die Familie von Rantzau schrieb in einer Mitteilung zunächst nur von einem Unfall: «Es ist unsere traurige Pflicht, Ihnen mitteilen zu müssen, dass unsere geliebte Tochter Caroline durch einen tragischen Unfall in Südafrika aus dem Leben gerissen wurde», hiess es laut der deutschen «Bild»-Zeitung in dem Schreiben.

Zwei mysteriöse Todesfälle

Erst später kam heraus, dass die südafrikanischen Behörden wegen zweier Todesfälle auf dem Gelände ermittelten. Nach Polizeiangaben gegenüber «Bild» starben sowohl Caroline von Rantzau als auch ein Mitarbeiter des Anwesens namens Arno Koën durch Schüsse.

Der 44-jährige Koën kümmerte sich auf der Lodge um finanzielle Angelegenheiten sowie die Verwaltung von Gästebuchungen. Laut «Bild» galt er als enger Vertrauter der Familie. Caroline von Rantzau soll ihn als «Ziehvater» bezeichnet haben.

Koën wurde laut «Bild» bereits am 31. Mai tot auf dem Gelände gefunden. Die Polizei bestätigte einen Todesfall durch Schüsse aus einer 9-Millimeter-Pistole. 

Am Tag darauf wurde Caroline von Rantzau tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Sie soll ebenfalls Schussverletzungen erlitten haben. 

Zeugen hätten zuvor zwei Schüsse gehört. Ob und wie die beiden Todesfälle zusammenhängen, ist bislang offen.

Wer war Caroline von Rantzau?

Der Fall wirft nicht nur Fragen zu den Todesumständen auf. Er lenkt auch den Blick auf die Frau, die im Zentrum der Ermittlungen steht.

Schon als 10-Jährige stand Caroline von Rantzau im Mittelpunkt eines grossen Familienanlasses der Reederei. Im Juni 2010 taufte sie im Hafen von Rotterdam den neuen Chemikalientanker «Caroline Essberger», der ihren Namen trug. Das interne Firmenmagazin widmete dem Ereignis damals eine Titelgeschichte mit dem Titel «Caroline and her first job».

Caroline von Rantzau studierte in London und München Wirtschaft und Schifffahrt, arbeitete danach bei einem Schiffsmakler und einem Logistikunternehmen.

Nachfolge in der Reederei

Caroline von Rantzau war nicht einfach nur eine reiche Erbin. Erst im Oktober 2025 stellte das Magazin der Reederei die junge Frau gemeinsam mit ihrem Bruder Philipp und ihrem Cousin Georg als Teil der «new von Rantzau generation» vor. Die drei galten als Vertreter der vierten Generation, die künftig Verantwortung im Familienunternehmen übernehmen sollte.

Zur Firmengruppe der von Rantzaus gehören Reedereien, Schifffahrtsdienstleistungen, Logistik, Versicherungen und ein Reisebüro. Weltweit beschäftigt die Gruppe rund 1200 bis 1300 Mitarbeitende. Für die Gruppe werden Jahresumsätze von rund 350 Millionen Dollar genannt.

Wie reich die Familie genau ist, ist nicht bekannt. Die von Rantzaus treten zurückhaltend auf, und besitzen laut «Hamburger Abendblatt» neben dem eigenen Unternehmen «umfangreiche Ländereien im In- und Ausland».

Leeuwfontein war ihr «Herzensprojekt»

Ausserhalb der Familienreederei lagen Caroline von Rantzaus Interessen in der Natur und im Reitsport. Auf zahlreichen Fotos tritt sie mit Pferden auf. Zugleich begeisterte sie sich für die Jagd. Medienberichte beschreiben sie als passionierte Jägerin, die regelmässig Zeit auf den weitläufigen Familienbesitzungen in Südafrika verbrachte.

Besonders eng verbunden war sie offenbar mit Leeuwfontein, einem mehrere Tausend Hektar grossen Wild- und Jagdreservat im Norden Südafrikas. Dort betreibt die Familie eine Lodge für internationale Safari- und Jagdgäste. Laut «Bild» war Leeuwfontein Carolines «Herzensprojekt».

Auf der inzwischen nicht mehr abrufbaren Website von «Leeuwfontein Safaris» wurde das Anwesen als luxuriöses Jagd- und Safari-Ziel für internationale Gäste vermarktet. Versprochen wurden «Weltklasse-Jagderlebnisse», eine elegante Lodge und Rundum-Service.

Die südafrikanische Polizei hat unterdessen angekündigt, die Ursachen der beiden Todesfälle auf der Leeuwfontein-Lodge durch Obduktionen klären zu lassen. Was sich Ende Mai und Anfang Juni auf dem Jagdanwesen tatsächlich ereignet hat, bleibt vorerst offen.

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