
(Bild: Charles_Brutlag, shutterstock)
Noch ist die Liste der Atomkraftwerke in Afrika ziemlich übersichtlich. Doch das dürfte sich bald ändern. Eine neue Technik spielt dabei eine besondere Rolle.
Derzeit betreibt Südafrika das einzige in Betrieb befindliche Atomkraftwerk in Koeberg bei Kapstadt mit zwei Reaktorblöcken, die 1.854 MW leisten.
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Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) zählt jedoch mittlerweile 16 weitere afrikanische Länder auf, die Atomkraftwerke bauen oder bauen wollen: Ägypten, Algerien, Äthiopien, Burkina Faso, Ghana, Kenia, Marokko, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sudan, Tansania, Tunesien, Uganda und Sambia.
Und diese Liste ist nicht einmal vollständig. Denn inzwischen verfolgen auch Mali und Namibia solche Pläne. Allerdings sind die meisten dieser Vorhaben bloße Absichtserklärungen und haben derzeit das Stadium konkreter Planungen noch nicht erreicht.
Die Rosatom-Dominanz
Derzeit baut der russische Staatskonzern Rosatom das größte Nuklearprojekt auf dem Kontinent, das Großkraftwerk El Dabaa in Ägypten. Einmal fertiggestellt sollen dort vier russische WER-1200 Reaktoren der dritten Generation je 1.200 MW liefern.
Der russische Konzern hat überdies Rahmenabkommen oder Absichtserklärungen mit über einem Dutzend afrikanischer Staaten unterzeichnet (u.a. Nigeria, Kenia, Äthiopien, und Sambia). Auch Nigers Bergbauminister Ousmane Abarchi gab die Pläne bekannt, zwei 2.000-Megawatt-Kernreaktoren in Partnerschaft mit Rosatom zu errichten. Die Militärjunta in Niamey unterhält gute Verbindungen zum Kreml.
Dies ist vor allem die Folge von mehreren diplomatischen Coups, die Moskau auf seinem ersten Atomgipfel gelungen sind. Den Gipfel hatte der staatliche Energiekonzern Rosatom Ende September 2025 ausgerichtet.
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Langfristige Bindungen
Bedeutend ist Atomkraft nicht nur als Exportschlager, denn Bau und Betrieb der Reaktoren verlangen überdies nach langfristigen und stabilen politischen Beziehungen: Der Bau eines Atomkraftwerks dauert zehn Jahre, seine Lebensdauer beträgt etwa 60 Jahre. Die Stilllegung der radioaktiven Reaktoren benötigt weitere 10 bis 20 Jahre.
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Derartige (Geschäfts-)Beziehungen reichen also selbst über die langlaufenden Verträge für Pipeline-Liefergeschäfte hinaus.
Es ist also nicht übertrieben, wenn man annimmt, dass ein Land, das ein Atomkraftwerk importiert sich auf eine Partnerschaft einlässt, die bis zu hundert Jahre dauern kann. Denn es geht nicht nur um den Bau der Anlagen. Es geht um das gesamte nukleare „Ökosystem“ und seine hochspezifischen Voraussetzungen vor allem für Ersatzteillieferungen.
China holt auf
Auch Peking baut seine nuklearen Kooperationen mit afrikanischen Ländern stetig aus. So besteht schon seit 2015 ein Rahmenabkommen mit Kenia. Demnach will China bis 2034 einen 1.000 MW Atomkraftwerk für das ostafrikanische Land fertigstellen.
Die taz hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen, dass Peking 2016 eine Übereinkunft mit dem Sudan getroffen hat, zwei Reaktoren mit je 600 MW Leistung zu errichten. Deren Bau hat allerdings bis heute nicht begonnen. Auch zwischen Kairo und Peking existiert bereits seit 2015 eine Vereinbarung, die sich jedoch auf Forschung und Entwicklung beschränkt.
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Neueren Datums sind die Atommemoranden, die China mit Nigeria (2024) und Südafrika (2025) abgestimmt hat. So will die China National Nuclear Corporation (CNNC) in Nigeria in den 2030er Jahren Atomkraftwerke in Betrieb nehmen. Und auch in Ghana soll ein Hualong One Reaktor gebaut werden.
Südafrika
Bedeutender ist die 2025 eingeleitete chinesische-südafrikanische Nuklearkooperation. Darüber hinaus geht es um die angestrebte Verlängerung des Betriebs des SAFARI-1-Reaktors im Kernforschungszentrum Pelindaba. Auch sind Planungen für einen neuen Mehrzweckreaktor sind im Gange, für das es jedoch weiterer Investitionen bedarf.
Aber es geht überdies um den Kernbrennstoffkreislauf (Wiederaufarbeitung), den Einsatz kleiner modularer Reaktoren und die Zusammenarbeit bei Brennstoffen wie schwach angereichertem Uran zu fördern.
Kenia
Der kenianische Präsident William Ruto hat Pläne vorgestellt, nach denen das ostafrikanische Land seine Energieproduktion in den nächsten Jahren um zehn Gigawatt ausbauen will, davon drei GW Atomenergie. Im Zentrum dieser Planungen steht ein 2.000 MW Kernkraftwerk, das bis 2034 im Landkreis Siaya bei Kisumu am Victoriasee errichtet werden soll.
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Ein Projekt an der Küste des Indischen Ozeans in Kilifi bei Mombasa ist wegen Anwohnerprotesten bereits aufgegeben worden. Auch am neuen Standort regt sich bereits Widerstand der vergleichsweise gut organisierten kenianischen Zivilgesellschaft.
Die Kosten für das Projekt werden derzeit auf 646 Mrd. kenianische Shilling beziffert. Nach aktuellem Wechselkurs sind knapp fünf Mrd. US-Dollar. Im Endeffekt dürfte das Projekt wesentlich teurer werden, da die Kosten solcher Investitionen im Verlauf der Projektlaufzeit stetig steigen und der Schilling gegenüber westlichen Währungen ebenso stetig an Wert verliert.
Kleine und kleinste Reaktoren sollen es richten
Deshalb werden immer häufiger kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactor, SMR) ins Spiel gebracht. Mit der Skalierbarkeit der Gewinnung von Atomstrom auch außerhalb militärischer Anwendungen, steht mittlerweile eine ganze Palette von Anlagen zur Verfügung.
Die kleinsten Anlagen (Nano Nuclear Energy) sind schon ab etwa 25 Millionen US-Dollar zu haben und sind teilweise sogar mobil. Aber sie liefern auch nur etwa 1 bis 1,5 MW, deutlich weniger als ein großes Windrad. Die Palette endet bei formidablen Atomkraftwerken, die zum Beispiel 125 MW (Linglong One; etwa 700. Mio. US-Dollar) oder 300 MW (Westinghouse AP300; ca. eine Milliarde US-Dollar).
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Obwohl immer noch teuer und kompliziert, sind solche Meiler viel erschwinglicher für Entwicklungs- und Schwellenländer als die riesigen herkömmlichen AKWs. Auch können sie den Energiebedürfnissen besser angepasst werden.
Minireaktoren in Ghana und Ruanda
Und inzwischen ist es selbstverständlich, dass kleinere Staaten sich an alle Seiten wenden, um möglichst vorteilhafte Konditionen herauszuschlagen. So kooperiert Ghana nicht nur mit China, sondern treibt auch Pläne für die Nutzung von SMRs voran. Und die will Accra im Westen kaufen.
2024 haben die Projektgesellschaft Nuclear Power Ghana und die Regnum Technology Group ein Handelsabkommen unterzeichnet, das die Lieferung eines NuScale VOYGR-12-Kraftwerks vorsieht, das aus zwölf einzelnen Modulen besteht. Deren Gesamtleistung erreicht etwa 925 MW.
Erst im Mai hat Ruanda ein Abkommen mit den USA zur zivilen Nutzung von Atomenergie geschlossen. Demnach soll Holtec International in den 2030er Jahren SMRs mit 300 MW Leistung in Betrieb nehmen. Parallel dazu unterhält Kigali weiterhin F&E-Kontakte zu Russland.