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Die gesamte namibische Schulfamilie hatte sich eingefunden, um die Besucher aus dem fernen Ottenhofen zu begrüßen. 350 Schülerinnen und Schüler bildeten ein beeindruckend langes Spalier, das auf dem Foto nur zum Teil zu sehen ist. Weithin sichtbar in der endlosen, menschenleeren Savanne ist der große Torbogen der Morukutu Primary School. © Outjenaho
Der Ottenhofener Verein Outjenaho besuchte die Morukutu Primary School in Namibia zum zehnjährigen Bestehen der Schulpartnerschaft.
Ottenhofen – Die Lebensmittel zur Versorgung von mehr als 30 Personen mussten über hunderte von Kilometern herangeschafft werden. Ausreichend Unterkünfte gab es nur aufgrund von Improvisationstalent und der Bereitschaft der eigentlichen Bewohner, dicht gedrängt oder in Zelten zu übernachten. Der Weg der Besucher war lang und staubig, der Abschied nach drei intensiven Tagen wehmütig und tränenreich.
Von gegenseitiger Scheu ist nicht das Geringste zu spüren, im Gegenteil: Margit Scherer, Esther Rollwage, Christina Philipp, Susanne Cuntze, Susanne Lurz und Simone Scheyerer (v.l.) ließen sich gerne von den kontaktfreudigen namibischen Kindern umlagern. © Outjenaho
So lassen sich die Rahmenbedingungen einer ganz besonderen Reise zusammenfassen, die im Oktober vergangenen Jahres von Ottenhofen aus ins südwestafrikanische Namibia führte. Dort nämlich besuchten Lehrerinnen der Ottenhofener Grundschule und Mitglieder des Vereins „Outjenaho – strahlende Kinderaugen e.V.“ die Morukutu Primary School, mit der seit 2015 eine Schulpartnerschaft besteht. Bereits 2023 waren fünf namibische Lehrkräfte nach Ottenhofen gekommen; anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Schulpartnerschaft erfolgte deshalb der Gegenbesuch.
Neue Projekte
Das Engagement des Vereins geht auch im elften Jahr weiter: Die nächsten Großprojekte sind die Installation einer PV-Anlage auf dem Dach des Speisesaals und die Erweiterung der Schülerunterkünfte. Diese verfügen rechnerisch nur über Betten für ein knappes Drittel der Kinder, sodass sich derzeit zwei, manchmal gar drei Kinder ein Bett teilen müssen. Sämtliche Projekte profitieren von Spenden, Patenschaften und Mitgliedschaften im Verein „Outjenaho – strahlende Kinderaugen“ und von ehrenamtlichem Engagement in verschiedenen Bereichen. Informationen gibt‘s auf www.outjenaho.com, per E-Mail an info@outjenaho.com oder unter Tel. (01 73) 3 70 94 18.
85-Meter-Brunnen und großer Speisesaal
Jetzt bot Outjenaho interessierten Daheimgebliebenen mit einem von verschiedenen Reiseteilnehmern abwechselnd kommentierten Bildervortrag Einblicke in diese besondere Unternehmung. Martina Zoglowek, Gründerin und Vorsitzende des Vereins, gab einen kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte und zeigte sich selbst davon überrascht, „was sich in den letzten zehn Jahren aus der ursprünglichen Idee entwickelt hat“.
Die Begeisterung, die dabei mitschwang, übertrug sich schnell auf die gut 35 Besucher, die in den Ottenhofener Pfarrsaal gekommen waren, um sich ins südwestliche Afrika entführen zu lassen. Genauer gesagt in die sehr dünn besiedelte Region Omaheke im nordöstlichen Namibia, nahe der Grenze zu Botswana und 370 Kilometer von der Hauptstadt Windhoek entfernt. Infrastruktur in unserem Sinne gibt es in der gesamten Umgebung nicht, selbst Asphaltstraßen sind ein (nicht vorhandener) Luxus, von Schulbussen ganz zu schweigen.
Schlechte Voraussetzungen für eine Grundschule mit einem riesigen Einzugsgebiet, die Kindern zumutet, einen Fußweg von bis zu zwei Stunden täglich zu absolvieren, unbeeindruckt aller Gefahren, die in der umgebenden Savanne lauern. Trotzdem hat sich die Schule, die 2015 aufgrund unhaltbarer hygienischer Zustände kurz vor der Schließung stand, inzwischen, auch dank der konsequenten Unterstützung des Vereins, in eine geschützte, teilautarke Oase verwandelt, die sämtlichen Widrigkeiten trotzt.
Selbst der Wasserknappheit rückte man 2018 erfolgreich mit einem 85-Meter-Brunnen und mehreren Wassertanks zu Leibe. 2022 entstand, als bisher umfangreichstes Projekt, die Dining Hall, eine große Halle, die heute den Kindern als Speisesaal, zum Spielen und Lernen und der Schule für Aufführungen und Veranstaltungen zur Verfügung steht. Auch der Festtag für die deutschen Besucher – eine aufwendige, durch lokale Persönlichkeiten und Ehrengäste gewürdigte Feier mit rund 600 Personen – fand dort statt.
Die Zeit davor und danach war gefüllt mit allerlei Aktivitäten mit den Kindern, von Unterrichten über Workshops bis hin zu verschiedenen Spiel- und Bastelgruppen, dem Erleben der beeindruckenden namibischen Gastfreundschaft und vor allem der Dankbarkeit für diesen sicheren Ort, der den Kindern viele Entfaltungsmöglichkeiten bietet.
Susanne Cuntze, Leiterin der Grundschule Ottenhofen, brachte es mit bewegenden Worten auf den Punkt: Zwar könne sich die Liste der bisher durchgeführten Projekte mehr als sehen lassen, doch „mindestens genauso wichtig ist, was diese Projekte über ihre vordergründige Bestimmung hinaus bewirkt haben: Herzlichkeit und Dankbarkeit auf beiden Seiten.“ Und so verwundert es nicht, dass das von Herzen kommende „Okuhepa!“ , zu Deutsch Danke, den deutschen Besuchern schon nach kürzester Zeit akzentfrei über die Lippen kam.