Das politische Berlin muss im neuen Roman der belgischen Erfolgsautorin Gaea Schoeters mit einer Horde Elefanten kämpfen. Der Clou: Schoeters ulkiges Szenario basiert auf einer wahren Begebenheit

Gaea Schoeters ulkiges Szenario basiert auf einer wahren Begebenheit

Foto: Anna Weise

Was, wenn mitten in Berlin über Nacht plötzlich Tausende Elefanten auftauchen? Wobei die ersten tatsächlich auftauchen, aus der Spree nämlich, direkt vor dem Marie-Lüders-Haus. Frei laufende Elefanten in einer beliebigen Großstadt sind natürlich ein Riesenproblem.

Der Kanzler wird alles tun, um Entschlossenheit zu demonstrieren

Sie halten sich an keine Verkehrsregeln, fressen Unmengen Grünzeug und kacken es wieder aus. Was tun? Nun, der politische Betrieb der deutschen Bundeshauptstadt wird sich der Krise annehmen wie jeder anderen. Der Kanzler wird alles tun, um Entschlossenheit und Sensibilität zu demonstrieren. Der gesamte Bundestag wird aufmerksam die Bild-Zeitung lesen, welche ihre Begeisterung nur mühsam hinter geheucheltem Erschrecken verbirgt. Die Grünen werden es immer schon gewusst oder wenigstens irgendwie geahnt haben, und die AfD wird klagen, dass für Elefanten Geld da ist, nicht aber für hart arbeitende Deutsche. Das ist der Stoff für eine lustige kleine Polit-Satire. Gaea Schoeters, die belgische Autorin, scheint sich im politischen Berlin gut auszukennen.

Ersonnen hat das ulkige Szenario nicht Schoeters, sondern der letzte Präsident von Botsuana, Mokgweetsi Masisi. Er drohte im April vorigen Jahres den Deutschen und ihrem damaligen Kanzler tatsächlich, ihnen 20.000 Elefanten auf den Hals zu schicken, damit sie mal sähen, wie es so ist, mit Elefanten zu leben. Deutschland hatte zu Masisis Ärger die Trophäenjagd verboten und damit die elefantöse Überpopulation in dem südafrikanischen Land angeheizt.

An Schoeters wäre es nun gewesen, aus der hübschen Anekdote eine Parabel zu machen, klug und böse wie ihr Erfolgsroman Trophäe, wo sie einer gefesselten Leserschaft auf hinterhältige Weise klarmacht, dass in einer Welt, wo alles seinen Preis hat, ein unbepreistes Menschenleben nichts wert ist. Aber so ein Meisterstück ist Das Geschenk (Zsolnay, 144 S., 22 €) nicht geworden. Die Moral von der Elefanten-Geschicht’ muss am Ende eine zu ökologischem Denken konvertierte Ministerin formulieren. Sie hält ihrem Parteifreund, dem Kanzler, einen Vortrag darüber, wie sehr wir uns der Natur entfremdet haben. So abstrakt, so schlicht.

er geheucheltem Erschrecken verbirgt. Die Grünen werden es immer schon gewusst oder wenigstens irgendwie geahnt haben, und die AfD wird klagen, dass für Elefanten Geld da ist, nicht aber für hart arbeitende Deutsche. Das ist der Stoff für eine lustige kleine Polit-Satire. Gaea Schoeters, die belgische Autorin, scheint sich im politischen Berlin gut auszukennen.Ersonnen hat das ulkige Szenario nicht Schoeters, sondern der letzte Präsident von Botsuana, Mokgweetsi Masisi. Er drohte im April vorigen Jahres den Deutschen und ihrem damaligen Kanzler tatsächlich, ihnen 20.000 Elefanten auf den Hals zu schicken, damit sie mal sähen, wie es so ist, mit Elefanten zu leben. Deutschland hatte zu Masisis Ärger die Trophäenjagd verboten und damit die elefantöse Überpopulation in dem südafrikanischen Land angeheizt.An Schoeters wäre es nun gewesen, aus der hübschen Anekdote eine Parabel zu machen, klug und böse wie ihr Erfolgsroman Trophäe, wo sie einer gefesselten Leserschaft auf hinterhältige Weise klarmacht, dass in einer Welt, wo alles seinen Preis hat, ein unbepreistes Menschenleben nichts wert ist. Aber so ein Meisterstück ist Das Geschenk (Zsolnay, 144 S., 22 €) nicht geworden. Die Moral von der Elefanten-Geschicht’ muss am Ende eine zu ökologischem Denken konvertierte Ministerin formulieren. Sie hält ihrem Parteifreund, dem Kanzler, einen Vortrag darüber, wie sehr wir uns der Natur entfremdet haben. So abstrakt, so schlicht.