Erst Spanien, nun Frankreich: Auch wenn es beim Vize-Weltmeister am Ende doch gut ging, die Top-Favoriten wurden in ihren Auftaktspielen zumindest zeitweise Opfer ihrer Bräsigkeit.

Klar, Senegal ist ein anderes Kaliber als Kap Verde, daher ist der letztlich verdiente 3:1-Sieg Frankreichs unterm Strich auch recht hoch zu bewerten. Und doch war diese erste Halbzeit Frankreichs besorgniserregend.

Die Franzosen agierten selbst auf der nach unten offenen Deschamps-Vorsichtigkeitsskala überpassiv abwartend. Besonders frappierend aber war die Tempolosigkeit, mit der die Franzosen das Spiel angingen. Und das, obwohl Kylian Mbappe, Ousmane Dembele, Desire Doue und auch Bayerns Superstar Michael Olise mit und ohne Ball am Fuß zu den schnellsten Spielen des Planeten gehören. Nun erwartet man von einer WM im Allgemeinen und von so einem Mammut-Turnier im Speziellen ohnehin nicht, dass hier neue taktische Trends gesetzt werden. Aber dass hochklassigen Fußballspielen eine gewisse Rasanz innewohnt, das ist nicht nur in der Champions League zu sehen. 

Klar, Frankreich zog in der zweiten Halbzeit die Zügel an, machte das Spiel schneller und kam so prompt zu hochklassigen Chancen und zu einem letztlich hochverdienten 3:1-Sieg, aber der Eindruck dieser ersten Halbzeit ist nachhaltig und sollte Deschamps, genauso wie Spaniens Coach Luis de la Fuente und auch Brasiliens Carlo Ancelotti als Weckruf dienen. 

Bis zu den zweiten Gruppenspielen haben die Trainer diesmal ja tatsächlich Zeit, auch mal was Neues einzustudieren: Vielleicht sollten sie sich vorher mal Champions-League-Spiele von Bayern München und Paris Saint-Germain anschauen und sich anschauen, wie moderne Fußballtrainer und ihre Mannschaften heute den Fußball feiern.