
Nach wochenlangen Protesten in Madagaskar hat das Militär die Macht in dem Inselstaat übernommen. Kurz zuvor hatte das Parlament für ein Amtsenthebungsverfahren gegen den geflohenen Präsidenten Rajoelina gestimmt.
Eine Eliteeinheit der Armee hat nach eigenen Angaben die Führung in Madagaskar übernommen. Damit spitzt sich die Lage nach wochenlangen Protesten und Unruhen in dem Inselstaat weiter zu. „Ab heute übernehmen wir die Macht und lösen den Senat und den Obersten Verfassungsgerichtshof auf“, sagte der Chef der Einheit Capsat, Michael Randrianirina, vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Antananarivo. Die Nationalversammlung soll demnach weiterhin arbeiten können.
Noch am Morgen hatte der ins Ausland geflohene Präsident Andry Rajoelina die Auflösung des Parlaments angekündigt, um eine Abstimmung zu seiner Absetzung zu verhindern. Diese fand dennoch statt, mit großer Mehrheit votierten die Abgeordneten des Unterhauses für Rajoelinas Entfernung aus dem Amt. Die Präsidentschaft erklärte die Abstimmung für illegal.
Wochenlange regierungskritische Proteste
Bereits am Wochenende hatte sich die Eliteeinheit des Militärs den vor allem von jungen Menschen getragenen Protesten angeschlossen und den Rücktritt des Präsidenten gefordert. Die Demonstrationen begannen am 25. September aus Ärger über Stromausfälle und Probleme bei der Wasserversorgung und wurden dann zu einem Ventil für die Unzufriedenheit mit der Regierung und die Amtsführung Rajoelinas.
Das Präsidentenbüro hatte bereits am Wochenende von einem Putschversuch gesprochen.
Mindestens 22 Tote seit Beginn der Proteste
Die Sicherheitskräfte gingen brutal gegen die Proteste vor. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen waren nach UN-Angaben allein bis zur ersten Oktoberwoche mindestens 22 Menschen getötet worden.
Der Sicherheitsrat der Afrikanischen Union (AU) war wegen der Lage in Madagaskar am Montag bereits zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengetreten. Die Staatenorganisation sprach sich gegen jeglichen verfassungswidrigen Machtwechsel auf Madagaskar aus und rief alle Konfliktparteien zum Dialog auf.
Das vor der afrikanischen Ostküste liegende Madagaskar gehört trotz seiner vielen Rohstoffe zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast 75 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.