Wer den Sudan nach dem Krieg gestalten will, kommt an den zivilgesellschaftlichen und lokalen Netzwerken, die dort unter extremen Bedingungen funktionieren, wo staatliche und internationale Strukturen längst versagt haben, nicht vorbei. Dass diese Perspektive in Berlin nicht nur gehört, sondern verankert wurde, ist ein Unterschied zu früheren Formaten. Ob daraus mehr wird, entscheidet sich nicht in Konferenzsälen, sondern in den folgenden Monaten.

Es mochte für einige Akteure eine Überraschung sein, dass sich ausgerechnet Deutschland bereit erklärte, die dritte Sudankonferenz auszurichten. Doch ergibt dies auf den zweiten Blick Sinn. Die Bundesrepublik hat in diesem Krieg keine unmittelbaren Eigeninteressen sicherheitspolitischer Natur. Keine Waffenlieferungen an die Konfliktparteien, keine historische Einflusszone und keinen geopolitischen Hebel in Khartum. In einer Region, in der fast jeder externe Akteur irgendwie Partei ist, schafft dies Glaubwürdigkeit.

Dass sich dieser Spielraum nutzen lässt, hat Berlin bereits in einem anderen Konflikt gezeigt, der dem sudanesischen in mancher Hinsicht ähnelt. Als im Januar 2020 Bundeskanzlerin Merkel zum Libyen-Gipfel ins Kanzleramt lud, war dies das Ergebnis monatelanger stiller Vorarbeit: sechs Expertentreffen auf Beamtenebene, Shuttle-Diplomatie zwischen Akteuren, die kaum miteinander reden wollten. Am Ende saßen Russland, Türkei, USA, Frankreich, Ägypten und die Emirate am selben Tisch und einigten sich auf einen Waffenstillstand, der im Oktober 2020 tatsächlich hielt. Der „Berliner Prozess“ ist seitdem ein feststehender Begriff der Libyen-Diplomatie.

Auf den Sudan übertragen heißt das: Die Bundesregierung hat eine Ausgangslage, die sie für genau diese Art von Vermittlung prädestiniert. Die Frage ist, ob sie den politischen Willen hat, sie konsequent zu nutzen – und nicht nur dann, wenn eine Konferenz ansteht.