Gebet, Gesang und Weihrauch

Früh am Morgen, lange vor dem Beginn des Gottesdienstes startete das Fest Hochzeit von Kanaa mit Gesang und Gebeten der Gläubigen in der Kirche. Schon vor dem Betreten zeigten sich Besonderheiten: Vor der Kirchenpforte von St. Michael sammelten sich zahlreiche Schuhe auf der Treppe. Der Innenraum der Kirche war mit Teppichboden ausgelegt auf dem glücksbringenden Gras verteilt wurde. Statt auf Stühlen saßen die Gläubigen auf dem Boden, nur an den Wänden standen Sitzbänke entlang der Mauern. Der größte Unterschied zeigte sich jedoch in der Gestaltung des Altarraums und vor allem der Gestaltung des Gottesdienstes, der in der Äthiopischen Ritus abgehalten wurde: Die Gebete werden mit dem Rücken zu den Gläubigen, dem Altar zugewandt, gesungen. Die Predigt jedoch zu den Gläubigen gewandt gesprochen.

Regelmäßig schließt und öffnet sich der Vorhang, der den Altarraum vom Kirchenraum abtrennt. Weihrauch wird geschwenkt. Während dessen wechseln die Gläubigen zwischen gesungenen Gebeten und Gesängen ab. Überhaupt spielt Gesang und Tanz eine große Rolle und in die Gesänge der Gläubigen mischt sich ein vielstimmiger Chor, begleitet von Trommeln. Der Höhepunkt des Festes stellt der Umzug rund um die Kirche St. Michael dar. Mit farbenfrohen Sonnenschirmen und intensivem Gesang zog die Gemeinde gemeinsam mit dem Bischof der Diözese Imdibir, Lukas Fikre, Bischof Klaus Krämer und Weihbischof Matthias König aus Paderborn, ebenfalls in der Region unterwegs, durch die Gemeinde. Nach rund viereinhalb Stunden endete der Gottesdienst mit Gebeten und rituellen Tänzen vor der Kirche St. Michael in Wolkite.

Nur rund 40 Kilometer von St. Michael entfernt, zwischen Wolkite und Imdibir im Hinterland gelegen, befindet sich ein außergewöhnlicher Ort: Das Gesundheitszentrum der Bethany Sisters, Ordensschwestern aus Indien, die die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt und die das Zentrum aufgebaut haben. Direkt nach dem Gottesdienst in Wokite hatten sich Bischof Krämer, Monsignore Stäps, Juliane Hernandez und Angelika Sönnichsen gemeinsam mit Abba Ahabde, Generalvikar der Diözese Imdibir auf den Weg in das Gesundheitszentrum gemacht. Die Fahrt dorthin führt an zahlreichen ländlichen Behausungen vorbei. Vor Kurzem hat es geregnet und die Natur erscheint in frischem Grün. Rechts und links der Piste spielen Kinder, Esel warten auf ihre Fracht und Ziegen laufen munter über die Piste hin und her – oder bleiben einfach stehen. Umgeben von einem Zaun stehen kleine Häuschen rund um ein traditionelles Rundhaus – etwas abgelegen steht das Wohnhaus der Schwestern. Die Delegation ist angekommen.