Mit einem Partnerschaftsgottesdienst am Sonntag und einer anschließenden Abschiedsfeier endete der zweiwöchige Besuch einer Delegation aus dem Partnerkirchenkreis Keetmanshoop in Namibia. Für die Gastgeber wie auch für die Gäste waren es zwei Wochen des Austausches auf Augenhöhe, einem facettenreichen Programm und vielen Begegnungen.

Miteinander reden, voneinander lernen

Die intensive Partnerschaft der beiden Kirchenkreise, die knapp 9000 Kilometer voneinander entfernt sind, hat bereits seit 1979 Bestand und wird unter anderem von gegenseitigen Besuchen getragen. Zuletzt war Katja Dummer, Leiterin des Wuppertaler Partnerschaftskomitees, 2023 mit einer Delegation im Süden Namibias. Nun konnten wieder sechs Delegierte in Wuppertal begrüßt werden.

Der Kirchenkreis Keetmanshoop besteht aus acht Gemeinden, von denen fünf durch die Besucher vertreten waren. Das Programm vom 1. bis zum 14. Juni wurde vom Evangelischen Kirchenkreis Wuppertal intensiv vorbereitet. Auch Gastfamilien fanden sich schnell.

Während des Aufenthaltes standen insbesondere Begegnungen mit engagierten Ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern im Mittelpunkt. Also besuchte die Delegation unterschiedliche Gemeinden, Einrichtungen und Projekte im Kirchenkreis Wuppertal.

Teile des Programms bezogen sich natürlich auch auf die Sehenswürdigkeiten Wuppertals, was auch oft mit den Gastfamilien durchgeführt wurde. So fuhr jeder der sechs Delegierten einmal Schwebebahn, der Botanische Garten wurde besucht und auch das Schwebodrom. Zu Fronleichnam unternahmen manche auch einen Ausflug nach Köln.

Im Mittelpunkt stand jedoch der Austausch. Es wurden unter anderem Kirchengemeinden in Elberfeld, Ronsdorf, Cronenberg und Barmen besucht, die Vereinte Evangelische Mission (VEM), sozial-diakonische Projekte wie das Café Prio der Stadtmission oder das ökumenische Bildungszentrum „Krawatte“ der Kirchengemeinde Heckinghausen und des Sozialdienstes katholischer Frauen. Auch wurde ein thematisches Wochenende in der CVJM-Bildungsstätte Bundeshöhe ausgerichtet unter dem Motto „Kirche im Wandel“.

Zu weiteren Stationen gehörten unter anderem das „Sophiencafé international“ für Geflüchtete der Evangelischen Kirchengemeinde Elberfeld-West, das Nachbarschaftsprojekt in Elberfeld-Südstadt oder der Kleidertreff „Reißverschluss“ in der Beckacker Kirche.

„Auch wir können kein Patentrezept liefern“

Die WZ wurde zum Abschiedsfest für die Delegation eingeladen und konnte sich mit den Organisatoren und auch mit den Gästen über die in den zwei Wochen gemachten Erfahrungen austauschen. Neben Katja Dummer stand dabei auch Edelgart Kipka seitens der Gastgeber zur Verfügung, die sich auch bereits seit vielen Jahren für die Partnerschaft einbringt.

Nach Katja Dummer zeige sich der Wandel in der Kirche durch schwindende Mitglieder, gerade die Jugend zu erreichen und Nachwuchs zu generieren, falle schwerer. Dies sei auch in der namibischen Kirche angekommen, wenn auch wesentlich schwächer. „Auch wir können kein Patentrezept liefern“, so Dummer, die auf die Lösungen zu den Herausforderungen der Zeit anspielt.

Von der Wuppertaler Seite der Partnerschaft werden acht Suppenküchen in Keetmanshoop unterstützt, die jeweils wöchentlich ein Mal Esssen herausgeben. Anfänglich durch benötigte Geräte, aber auch durch Lebensmittel. Der Kirchenkreis Wuppertal unterstützt das Projekt jährlich mit 10 000 Euro. Es werde überlegt, wie man diese Unterstützung noch ausweiten könne.

Für Dummer auch eine Frage, die sich hier wie auch dort stellt: Wie lässt sich Armut bekämpfen? Natürlich weiß sie von den gesellschaftlichen Unterschieden, aber die Frage bleibt dennoch.

Unter den Gästen aus Namibia befand sich auch Martha Isaaks aus der Gemeinde Lüderitz in Keetmanshoop. Sie war in der Delegation die Einzige, die Deutschland bereits zum zweiten Mal besuchte. Hinzu gehört sie zu den Partnerschaftskoordinatoren. Auf die allgemeine Frage, was ihr an Wuppertal gefalle, antwortete sie unerwartet, aber doch mehr als nachvollziehbar: „Ich liebe das Grün, das Wasser und den Regen.“ Lachend fügt sie hinzu: „Ich würde das ja gerne mitnehmen, aber die Leute hier sind alle so gastfreundlich und lieb, daher werde ich es wohl hier lassen“. Ihrer Gastfamilie sei sie so ans Herz gewachsen, dass man sie kaum noch gehen lassen wolle, erzählt sie freudig.

Den Austausch im Ganzen findet sie positiv und wichtig. Es gebe viele Wege voneinander zu lernen, auch wenn die Lebensrealitäten unterschiedlich sind. In Namibia habe man mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Die um sich greifende Armut stehe dabei ganz vorne. Die Gemeinden selbst können sich kaum Pastoren leisten. Arbeitslosigkeit, Alkohol und Drogen, ungewollte Schwangerschaften und Aids kommen hinzu, wie sie erklärt.

Ein intensiv gelebter Glaube halte dort vieles zusammen und führe auch die Menschen zueinander. Ein verbindendes Element sei dabei die Musik. Ihr Anraten für den Wuppertaler Kirchenkreis: Musikgruppen wie Chöre sollten altersgemischt aktiv sein, damit man sich besser aufeinander einstelle und jeder von jedem lernen könne.

Ebenso gehörte Dean Abel Christiaan Vries, Pastor und Superintendent des Kirchenkreises Keetmanshoop, zu den Besuchern. Er zeigte sich besonders von der Vielfalt und Professionalität der ehrenamtlichen und diakonischen Projekte begeistert. Auch in Keetmanshoop werde viel geleistet. Ein „Community Center“ mit 200 regelmäßigen Besuchern biete Schulungen in vielen Wissensbereichen an, dazu gehört auch die Förderung von Fähigkeiten wie im Handwerk. Das Aufbauen und Etablieren von neuen Projekten lasse sich hier vor Ort gut sehen.

Viele dieser Erfahrungen liefen in den letzten Partnerschaftsgottesdienst mit ein. Nun beginnen die Vorbereitungen für den nächsten Besuch.