10. Januar 2026
David Goeßmann

Trump schließt einen Friedensdeal zwischen Ruanda und dem Kongo. Doch dahinter geht es um Coltan & Co. Die Europäer sind beim Rohstoffklau seit Langem dabei.
Die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika erhält meist kaum internationale Aufmerksamkeit. Obwohl dort seit mehr als 30 Jahren ein blutiger Konflikt wütet, der Millionen Opfer gefordert hat, bleibt das Land medial größtenteils Randnotiz.
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Trumps Friedensabkommen – ein brüchiger Deal
Doch vor einem Monat, am 4. Dezember 2025, ändert sich das, wenn auch nur kurzfristig. In der Schlagzeile bei BBC hieß es:
„Mediator Trump wird gelobt, während sich die Staatschefs von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo zum Frieden verpflichten.“
Das Friedensabkommen ziele darauf ab, den jahrzehntelangen Konflikt in der Region durch die Einführung eines dauerhaften Waffenstillstands, die Entwaffnung der Rebellengruppen, Bestimmungen für die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat und einen neuen Rahmen für wirtschaftlichen Wohlstand zu beenden, sagte Trump während der Zeremonie. „Ich habe großes Vertrauen in beide Staatschefs“, erklärte der US-Präsident schließlich. „Wir werden diese Verpflichtungen einhalten.“
Doch wie die Konfliktbeispiele Gaza und Ukraine zeigen, sind Trumps Friedensversprechen meist mit der heißen Nadel gestrickt. Nur einen Tag nach Unterzeichnung des Friedensabkommens flammten die Kämpfe im mineralreichen Osten der DR Kongo erneut auf, wobei beide Seiten einander für die erneuten Feindseligkeiten verantwortlich machten.
Kritik am Abkommen: Ruanda verweigert Truppenabzug
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Das Abkommen wird von Beobachtern und Kennern kritisiert. Sie erklären, dass auf dem Gipfeltreffen eine Vereinbarung bestätigt wurde, die bereits im Juni getroffen worden war und seitdem nicht zur Beendigung des Konflikts geführt hat. Auch weigert sich Ruanda weiter, sich militärisch aus dem Kongo zurückzuziehen.
Einen Tag nach dem Abkommen erklärte der ruandische Außenminister Olivier Nduhungirehe, er werde sich nicht zum Abzug der Truppen aus der DR Kongo verpflichten. Er bestritt auch, dass sich Truppen in der Region befänden:
„In keinem Abkommen ist festgelegt, dass Ruanda seine Truppen abziehen soll, da wir keine Truppen im Osten der DR Kongo haben.“
Es gibt jedoch überwältigende Beweise dafür, dass Ruanda die Rebellengruppe M23 im Kongo unterstützt. Im vergangenen Jahr erklärte eine Gruppe von UN-Experten, dass bis zu 4.000 ruandische Soldaten an der Seite der Rebellen kämpften.
Sie stellten zudem fest, dass die ruandische Armee „de facto die Kontrolle über die Operationen der M23“ habe. Auch die DR Kongo, die USA, Großbritannien und Frankreich behaupten, dass Ruanda die M23 unterstützt. Das Abkommen in Washington wurde nicht von Vertretern der M23 unterzeichnet.
Mineralien als eigentliches Ziel
Der von den USA ausgehandelte Deal zwischen Ruanda und Kongo hat auch eine wirtschaftliche Dimension – es verschafft den USA potenziell lukrativen Zugang zu den Bodenschätzen der Region. Ruanda und die DR Kongo sollen laut Abkommen daran arbeiten, „den Außenhandel und die Investitionen“ in „kritischen Mineralienlieferketten“ auszuweiten.
Die Regierung in Kinshasa soll Washington Anfang des letzten Jahres nach dem Verlust von Territorium an die M23 Zugang zu kritischen Mineralien im Austausch für Sicherheitsgarantien angeboten haben.
Die Sprecherin des kongolesischen Präsidenten, Tina Salama, bestritt jedoch, dass das Abkommen einen „Ausverkauf der Mineralien an die Amerikaner“ beinhalte – „es ist kein Frieden für Mineralien“.
Der Kongo ist äußerst reich an Mineralien und anderen natürlichen Ressourcen. Nehmen wir das Beispiel Coltan, das europäische multinationale Unternehmen für Batterien, Smartphones und erneuerbare Energien benötigen, das aber auch in der Luftfahrt- und Militärindustrie verwendet wird. Allein die Region Kivu im Osten des Kongo soll mehr als 60 Prozent der weltweiten Coltan-Reserven enthalten.
Ruandas Rohstoff-Raub mit westlicher Unterstützung
Seit Jahren ist Ruanda im Kongo militärisch aktiv, um sich diese Rohstoffe anzueignen. Das Resultat: Das Land exportiert weit mehr von den seltenen Erden, als es „produziert“. Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen stellt fest, dass Ruanda im Jahr 2023 einen beispiellosen Anstieg seiner Coltan-Exporte verzeichnete, der im Vergleich zu 2022 um 50 Prozent anwuchs.
Jeden Monat schmuggelt die M23 rund 150 Tonnen Coltan aus der besetzten kongolesischen Stadt Rubaya nach Ruanda. Manche Menschen, die sich die Karte ansehen, fragen sich, wie ein kleines Land wie Ruanda das viel größere Kongo destabilisieren kann.
Die Erklärung dafür ist, dass es sich hierbei nicht nur um einen Konflikt zwischen Kongo und Ruanda handelt. Ruanda erhält die volle Unterstützung des Westens.
Im Rahmen seiner „Friedensfazilität“ stellt Europa der ruandischen Armee jährlich 20 Millionen Euro zur Verfügung, um die regionale Stabilität zu fördern. Polen hat sogar versprochen, die ruandische Regierung mit modernster Militärtechnologie zu beliefern.
Europas Doppelmoral: Völkerrecht nur bei Bedarf
Im Rahmen seines Global-Gateway-Programms hat Europa mehr als 900 Millionen Euro an Investitionen in Ruanda zugesagt, insbesondere in die Infrastruktur. Es überrascht nicht, dass das Programm „kritische Rohstoffe“ umfasst.
Im Februar 2024 schloss die Europäische Union ein privilegiertes Memorandum of Understanding mit Ruanda über Rohstoffe ab. Die Tatsache, dass die Uno seit Jahren die Rolle Ruandas bei der Plünderung der kongolesischen Ressourcen anprangert, hat die Europäische Kommission kaum beunruhigt.
Durch die Beförderung des Exports von Rohstoffen hat die Europäische Kommission Ruanda dazu ermutigt, die Plünderung der kongolesischen Reichtümer zu intensivieren.
Kaum zwei Monate nach dem Abkommen vom Februar 2024 eroberte die M23 die strategisch wichtige Bergbaustadt Rubaya, die 15 Prozent der weltweiten Coltan-Produktion ausmacht.
Balkanisierung als langfristiges Ziel
Einige in Ruanda träumen davon, den Osten des Kongo langfristig zu besetzen und diesen Teil des Landes von seiner Hauptstadt Kinshasa zu trennen oder die Nation in kleine Teile zu zerlegen.
Dies wird gemeinhin als Balkanisierung bezeichnet, ein Risiko, das bereits vom ersten Premierminister des Kongo, Patrice Lumumba, vor seiner Ermordung im Jahr 1961 erkannt wurde. Das Ziel? Das Land zu teilen, um Ressourcen für westliche multinationale Unternehmen zu stehlen.
Mehrere Waffenstillstände sind seit 2021 gescheitert. Weit entfernt von den großen Reden ist der Osten des Kongo heute ein gewaltsames Beispiel für das wahre Gesicht der europäischen Außen- und Handelspolitik.
Im Fall der russischen Invasion in die Ukraine spricht man in Europas Hauptstädten leidenschaftlich vom Völkerrecht. Aber wenn ihr ruandischer Verbündeter die kongolesische Souveränität verletzt, unterstützte man ihn.
Der Trumpsche Ruanda-Kongo-Deal ist letztlich ein Versuch, Zugang zu den enormen Rohstoffen des Kongo zu erhalten. Die Europäer werden dabei nicht an der Seitenlinie verharren wollen. Primär sind beide Seiten an den Mineralienvorräten des zentralafrikanischen Landes interessiert, nicht an Frieden und Souveränitätsrechten. Für die Menschen im Kongo keine gute Nachricht.